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Amazon plant neues Verteilzentrum am Memminger Flughafen | BR24

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Bildrechte: BR/Fabian Stoffers

Amazon will ein neues Verteilzentrum in Schwaben bauen.

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    Amazon plant neues Verteilzentrum am Memminger Flughafen

    Der Online-Händler Amazon plant, im Gewerbegebiet des Memminger Flughafens ein neues Verteilzentrum zu bauen. Von dort sollen Waren an Endkunden ausgeliefert werden. Am Verkauf des Grundstücks sind viele Parteien beteiligt.

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    Von
    • Christine Kellermann
    • Torsten Thierbach
    • Christian Wagner

    Immer öfter übernimmt der Online-Versandhändler auch die Auslieferung seiner Waren selbst. Dafür plant die Firma in Schwaben ein neues Verteilzentrum. Im Gewerbegebiet des Memminger Flughafens soll es entstehen. Das bestätigte das Unternehmen dem BR. Bei dem Gebäude handle es sich um ein Verteilzentrum für die sogenannte "letzte Meile", also für die Verteilung und Auslieferung der Pakete an die Kunden in einem Umkreis von 30 bis 40 Kilometern.

    Kommunen müssen über Grundstücksverkauf entscheiden

    Mit dem Flughafen habe das Zentrum nichts zu tun, heißt es von Amazon. Die Päckchen und Pakete würden mit LKW angeliefert und dann mit kleineren Transportern an die Kunden ausgeliefert. Das Gewerbegebiet am Allgäu Airport wurde vor einigen Jahren von mehreren Allgäuer Kommunen gekauft. Deshalb muss die dafür gegründete Gesellschaft auch über den Verkauf des Grundstücks an Amazon entscheiden. An der "Gewerbepark am Allgäu Airport GmbH" sind Kommunen, Sparkassen und der Flughafenbetreiber beteiligt. Gemeinsam hatten sie Grundstücke direkt am Flughafen aufgekauft. Ziel war es, den Flughafenbetreiber mit Kapital zu versorgen, erklärte Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder gegenüber dem BR. Am kommenden Dienstag (8.12.) soll sich in Memmingen der Stadtratsausschuss für Finanzen mit der Anfrage beschäftigen. OB Schilder sagte auf BR-Anfrage aber auch, die Diskussion über einen Verkauf an Amazon sei "noch nicht geführt".

    Kreistags-Grüne wollen nicht an Amazon verkaufen

    Schon einen Tag eher, am Montag, wird der Unterallgäuer Kreistag in nicht-öffentlicher Sitzung über den Verkauf an Amazon beraten. Die Grünen im Kreistag sprechen sich klar dagegen aus. Landrat Alex Eder (Freie Wähler) spricht von einem "heiklen Thema", das mit "negativen Emotionen" verbunden sei. Dem Politiker zufolge handle es sich durchaus um "spezielle Flächen" in direkter Nachbarschaft zum Flughafen Memmingen. Das Ziel, hier "flugaffines Gewerbe" anzusiedeln, habe auch einiges für sich. Der Landkreis hält 7 Prozent der Anteile an der Gewerbepark-Gesellschaft, der die fraglichen Grundstücke gehören. Von rund 13 Hektar Grund würde Amazon lauf Eder etwa 4 Hektar kaufen wollen.

    Will Amazon auch den Airport nutzen?

    Während Amazon die Anbindung an die Autobahnen A96 und A7 nutzen will, spielt der Flughafen für die Standortentscheidung angeblich keine Rolle. Das wollen die Grünen im Kreistag nicht glauben. Schließlich wolle Amazon sein Tochterunternehmen "Prime-Air" auch für den deutschen Markt ausbauen. Die Grünen warnen, es sei "blauäugig zu glauben", dass Amazon nicht auch den Allgäu Airport nutzen wolle. Dadurch sei mit Frachtflugverkehr, auch in der Nacht, zu rechnen. Außerdem kritisieren die Grünen, dass Amazon fast ausschließlich Arbeitsplätze im "Niedrigstlohnsektor" bieten werde.

    Konflikt zwischen lokalem Einzelhandel und Online-Händler

    Zur Frage, ob die Kommunalpolitik hier einen Konflikt sieht zwischen der Förderung des lokalen Einzelhandels in der Innenstadt und einer Gewerbeansiedlung des Online-Versandhändlers sagte Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder, das könne in der Diskussion "eine Rolle spielen". Die Auswirkung des gesamten Online-Handels, nicht allein durch Amazon, sei im Einzelhandel "stark zu spüren".

    Amazon betreibt bereits ein großes Versandzentrum an der B17 bei Graben im Landkreis Augsburg. Beim Bau des neuen, großen Verteilzentrums spielt für Amazon offenbar die direkte Anbindung an die A96 und die A7 bei Memmingen eine Rolle.