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Graugänse finden im Naturschutzgebiet am Altmühlsee perfekte Bedingungen vor. Sie vermehren sich in ganz Bayern, am Altmühlsee allerdings am meisten. Der Gänsedreck von rund 3.400 Graugänsen nervt Anwohner und Touristen.

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Altmühlsee: Graugänse werden zur Plage und vertreiben Touristen

Graugänse finden im Naturschutzgebiet am Altmühlsee perfekte Bedingungen vor. Sie vermehren sich in ganz Bayern, am Altmühlsee allerdings am meisten. Der Gänsedreck von rund 3.400 Graugänsen nervt Anwohner und Touristen.

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Von
  • Ulrike Lefherz

Mit Schaufel und Eimer rücken jeden Morgen Mitarbeiter des Bauhofs an, um an den Stränden des Altmühlsees Gänsekot einzusammeln. Die Zahl der Graugänse hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt, erklärt Gunzenhausens Bürgermeister Karl-Heinz Fitz (CSU). Die Wildgänse finden am Altmühlsee beste Lebensbedingungen vor. Sie können auf der geschützten Vogelinsel sicher mausern und brüten und finden reichlich Futter auf den Wiesen rund um den See.

Radfahrer müssen Gänsen ausweichen

Die Gänse würden immer frecher, erklärt Anwohnerin Ingrid Zwickel. Inzwischen müsste sie als Radfahrerin sogar anhalten, bis die Gans sich bequeme, den Radweg freizugeben. "Es kippt momentan", sagt Bürgermeister Fitz. "Wenn die Menschen von den Gänsen vertrieben werden, läuft etwas schief." Es müsse dringend etwas unternommen werden, sagt auch Anwohnerin Gerti Demuth. Sie sei vor einigen Jahren noch jeden Tag im See geschwommen. Jetzt könne sie ihre Enkelkinder kaum mehr im See baden lassen, erzählt sie.

Gänse vermehren sich in ganz Bayern

In ganz Bayern vermehren sich die Graugänse, erklärt Bayerns Gänsemanager Christian Wagner von der Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising. "Die Probleme nehmen massiv zu", sagte er BR24. Am Altmühlsee sei es besonders schlimm. "Die Gänse aus dem Nymphenburger Park in München ziehen sich im Mai und Juni zum Mausern an den Altmühlsee zurück", sagt er. Einmal im Jahr wechseln sie ihr Federkleid und können dann einige Zeit nicht fliegen. In dieser Zeit finden sie Schutz im Naturschutzgebiet rund um die Vogelinsel am Altmühlsee.

Strände voller Gänsekot

In den letzten Jahren wurde allerhand unternommen, um das Gänseproblem am Altmühlsee in den Griff zu bekommen. So wurden Zäune entlang der Strände aufgestellt, um die Gänse abzuhalten. Badegäste müssen darüber klettern, um ins Wasser zu gelangen. Zum Teil wurden Eier aus den Nestern genommen. Doch dies ist nur bedingt möglich. Denn zu den Nestern auf der Vogelinsel ist der Zutritt verboten. Demnach sei der Erfolg dieser Maßnahmen mäßig und keinesfalls ausreichend, so Gunzenhausens Bürgermeister Fitz. Er fordert eine Jagderlaubnis.

Gute Erfahrungen mit der Gänsejagd

Im vergangenen Juli 2020 habe man gute Erfahrungen mit dem Jagen von Gänsen gemacht. Am Strand im Bereich der Ortschaft Wald sei für wenige Jagden die Erlaubnis erteilt worden. "57 Tage nach der Jagd wurde dort keine einzige Gans mehr gesehen", so Bürgermeister Karl-Heinz Fitz. Die Naturschutzbehörden sind von diesem Erfolg offenbar nicht überzeugt. "Die Höhere Naturschutzbehörde unterstützt uns nicht, sondern fordert nur neue Gutachten", klagt Fitz.

Naturschutzbehörde verweist an das Landwirtschaftsministerium

Die Höhere Naturschutzbehörde verweist nach einer Anfrage von BR24 auf die Zuständigkeit des Landwirtschaftsministeriums. Die Strände befänden sich in einem Vogelschutzgebiet von europäischer Bedeutung, teilte die Regierung von Mittelfranken mit. Deshalb sei eine genaue Verträglichkeitsprüfung notwendig. Die Jagd sei ein wichtiger Baustein zur Lösungsfindung, könne aber das Problem der Graugänse nicht alleine lösen, so die Stellungnahme.

Rezepte für Wildgans-Braten

Der Bayerische Gänsemanager Christian Wagner hält die Jagd dagegen für eine wirksame Maßnahme. Wenn gejagt würde, gebe es weniger Gänse. "Gänse sind gut vernetzt und geben Informationen weiter", so Wagner. "Das Fleisch der Gänse ist hochwertiges Wildbret", sagt er. Die Vermarktung der Wildgänse sei allerdings noch zu wenig professionalisiert, so Wagner. Auf der Internetseite des Landesamtes für Landwirtschaft sind Rezepte aufgeführt.

Badewarnung für den Altmühlsee und den Kinderspielplatz Wald

Derzeit können Besucherinnen und Besucher den Altmühlsee jedoch noch nicht komplett nutzen. In Folge des Starkregens vor gut einer Woche kam es zu einer Überleitung von belastetem Wasser der Altmühl in den Altmühlsee. Aus Gründen der Vorsorge hat das Gesundheitsamt Weißenburg für den gesamten Altmühlsee und den Kinderspielplatz Wald eine Badewarnung ausgesprochen. Für Teile des Altmühlsees bestand bereits eine Badewarnung infolge einer erhöhten Konzentration an Blaualgen.

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Am Altmühlsee ist das Gleichgewicht zwischen Naturschutz und Tourismus aus den Fugen geraten. Derzeit verschmutzen rund 3.500 Gänse viele Liegeplätze, die Beschwerden von Gästen häufen sich. Ein Problem für die Region.

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