BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Altkleider-Flut: Corona führt zu überfüllten Containern | BR24

© BR

Alte Kleidung zu spenden, ist eine gute Sache - in Corona-Zeiten wird die Altkleidersammlung aber oft zur Müllentsorgung zweckentfremdet, was den Sammlern große Probleme bereitet. Sie sehen ihr Verwertungssystem in Gefahr.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Altkleider-Flut: Corona führt zu überfüllten Containern

Alte Kleidung zu spenden, ist eine gute Sache - in Corona-Zeiten wird die Altkleidersammlung aber oft zur Müllentsorgung zweckentfremdet, was den Sammlern große Probleme bereitet. Sie sehen ihr Verwertungssystem in Gefahr.

Per Mail sharen

Abfall, Lumpen, Sperrmüll: Gemeinnützige Organisationen ärgern sich derzeit über vermüllte Altkleider-Container. In der Corona-Krise sortieren viele Menschen nun Kleider aus, die viele Monate im Keller lagerten. Dann wollen sie ihre Kleider sofort loswerden, obwohl viele Behälter überfüllt sind. Denn die Verwertungskette von Textilien stockt gerade.

Wohin nun mit den Altkleidern? Welche Sammel-Stellen sollte ich nutzen? Wie wirkt sich die Altkleider-Flut auf den Marktpreis aus? Worauf sollte ich beim Kleider-Spenden achten?

Geschlossene Shops, geschlossene Grenzen

"Der Markt für Alttextilien ist seit Beginn der Corona-Pandemie zusammengebrochen. Die Situation auf dem Altkleider-Markt verschärft sich täglich.“ Thomas Ahlmann, Geschäftsführer des Dachverbandes FairWertung e.V.

Das liegt an verschiedenen Faktoren. Im Frühjahr finden gewöhnlich Straßensammlungen statt, die ein fachgerechtes Verwerten garantieren. Wegen der Corona-Pandemie wurden diese heuer abgesagt.

Nicht nur die Sammlungen sind ausgeblieben, auch Wertstoff-Höfe waren zeitweise geschlossen. Deshalb entsorgen nun viele Verbraucher ihre Textilien selbst, zusammen mit anderem Müll, ohne Rücksicht auf Qualität und Masse: Mancher Sammelcontainer gemeinnütziger Organisationen (z.B. Bayerisches Rotes Kreuz, OXFAM, Diakonia) gleicht momentan einer Müllhalde.

"Bio-Müll, Bratpfannen, Windeln … die Leute stopfen momentan alles in unsere Sammel-Behälter. Eigentlich sammeln wir Altkleider!“ Johannes Müller, Geschäftsführer des Augsburger Hilfswerkes Aktion Hoffnung

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie können viele Container nicht zeitnah geleert werden, weil das Personal fehlt, beim Transport und in den Sortieranlagen. Darüber hinaus mussten auch die Second Hand-Läden wochenlang geschlossen bleiben.

Das alles hat zu einem Stau in der Verwertungskette geführt, auch auf internationaler Ebene. Altkleider aus Deutschland werden weltweit stark nachgefragt, werden nach Osteuropa, Afrika, Südamerika exportiert. Doch weil Second Hand-Läden, Ländergrenzen und Containerhäfen wegen der Epidemie vorübergehend geschlossen sind, bricht der Altkleider-Markt zusammen.

Krise trifft schwierigen Markt: Qualität der Altkleider sinkt seit Jahren

Noch ist die Abgabe von Altkleidern in Deutschland kostenlos. Denn wer Kleider entsorgt, verursacht eigentlich Kosten. Diese Kosten werden durch den Verkauf und die Verwertung qualitativ hochwertiger Textilien gedeckt. Wer also qualitativ hochwertige Kleidung in dafür vorgesehene Sammelcontainer steckt, finanziert die Müllgebühren für Billigtextilien mit.

"Grundsätzlich hat Corona einen eh schon schwierigen Markt getroffen.“ Thomas Ahlmann, Geschäftsführer des Dachverbandes FairWertung e.V.

In diesem Dachverband haben sich über 130 gemeinnützigen Altkleider-Sammelorganisationen zusammengeschlossen, darunter kirchliche Einrichtungen, gemeinnützige Vereine sowie Beschäftigungsgesellschaften. "Wir beobachten seit Jahren, dass die Menschen immer mehr entsorgen, aber die Qualität der Textilien abnimmt."

Die Wegwerf-Mentalität habe zugenommen, so Ahlmann: In Deutschland werden jährlich über eine Million Tonnen Textilien in Altkleidersammlungen gegeben. Ein Vielfaches von dem, was überhaupt weiter getragen werden kann. Nur etwa fünf Prozent der gebrauchten Kleider kommen wieder karitativen Zwecken zu, der Rest ist Müll, der gegen Gebühren entsorgt werden muss. Tendenz steigend.

Sinnvoll Sortieren: Ist die Kleidung noch tragbar?

"Wenn ich einen Pulli oder eine Hose aussortiere, sollte ich mich immer fragen: Würde ich dieses Teil auch meiner Freundin schenken? Könnte sie damit in München zur Arbeit gehen, und sich wohlfühlen?" Julia Boiler weiß, mit welchen alten Textilien man noch Gutes tun kann. Sie leitet die Second-Hand-Läden der Diakonia München. Der gemeinnützige Dienstleister beschäftigt Menschen in schwierigen Lebenslagen oder mit anderen Beeinträchtigungen. Ihre Beobachtung: Nur ein einziges, verdrecktes, muffiges Teil kann einen ganzen Container mit Textilien unbrauchbar machen.

Die Diakonie betreibt in München fünf eigene Textilläden, ein Kaufhaus und ein kleines Möbel-und Hausratsgeschäft. Die gesammelte Kleidung, die nicht in den Läden Verwendung findet, wird zum Verwerten weiterverkauft, ebenfalls an einen gemeinnützigen Betrieb. Das Einsammeln und Weiterverwerten von minderwertigen Textilien ist bereits seit langem nicht kostendeckend.

Geduld zeigen: Altkleider daheim einlagern

"Kleiderspenden gerne - aber später!" Mit diesem Appell wendet sich "Aktion Hoffnung" nun an die Verbraucher. Kleider-Spenden sollten auf keinen Fall neben überfüllten Containern oder vor Second Hand-Läden abgestellt werden. Textilien sollten sauber getrennt werden, in brauchbare Qualität für Container, und in Restmüll, der selbst entsorgt werden sollte.

Wer mit seinen Altkleidern wirklich Gutes tun möchte, dem gibt beispielsweise das Siegel von "Fairwertung" Orientierungshilfe: Dann ist garantiert, dass die Sammler nicht selbst Profit schlagen wollen, sondern die Erträge aus Sammlung und Verkauf sozialen Zwecken zukommen. Auf der Website des Dachverbandes Fairwertung kann der Spender nachschauen, wo der nächstliegende Sammelbehälter steht .

Mit dem Erlös aus Second Hand-Läden, mit Spenden und Drittmitteln unterstützt beispielsweise die Aktion Hoffnung weltweit Kinderheime, Schulen, Therapie-Zentren. Im Jahr 2019 wurden so Projekte in 25 Ländern finanziert, mit knapp 410.000 Euro.