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Als Risikopatientin nach dem Corona-Lockdown | BR24

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Vor einem halben Jahr wurde in Bayern der Lockdown ausgerufen. Besonders stark sind Risikopatienten wie Nina Eidenberger aus Fürth betroffen. Seit ihrer Kindheit leidet sie an einer Stoffwechselkrankheit.

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Als Risikopatientin nach dem Corona-Lockdown

Vor sechs Monaten hat der Lockdown den Alltag umgekrempelt. Nina Eidenberger aus Fürth musste in der Zeit um ihr Leben fürchten. Seit klein auf leidet sie an der genetischen Lungenkrankheit Mukoviszidose und gehört mit 32 Jahren zur Risikogruppe.

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Von
  • Olga Henich

Mittlerweile kann Nina Eidenberger ihre Eltern wieder treffen. Vor einigen Wochen war das für die 32-Jährige noch undenkbar. Persönliche Kontakte aller Art waren für sie mit einem hohen Risiko verbunden. Nina – auf den ersten Blick eine gesunde junge Frau mit braunen Haaren – leidet an der genetisch vererbbaren Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose, die ihre Lunge zerstört. Für andere ist sie nicht ansteckend. Bei Nina aber kann selbst eine kleine Erkältung eine schwere Lungenentzündung auslösen. "Wenn du jetzt dieses Virus bekommst, das auf die Lunge geht, wäre es verheerend", sagt die junge Frau.

Monatelange Isolation zu Hause

Anfang des Jahres konnte sich Nina noch mit Freunden treffen und Menschen umarmen. Seit dem Lockdown hat die Frührentnerin in ihrer Wohnung mehrere Monate in kompletter Isolation gelebt. Die Einkäufe haben ihre Eltern vor die Haustür gelegt. Für Nina und ihre Familie war diese Zeit eine extreme Herausforderung. "Für uns war immer die Sorge da, dass sie das Virus bekommen kann und vielleicht sogar daran stirbt", erzählt Ninas Vater Bernd Eidenberger.

Austausch mit anderen Risikopatienten als Rettung

Um ihre Einsamkeit und Angst zu überwinden, war Nina täglich im Austausch mit anderen Mukoviszidose-Patientinnen. Die besten Freundinnen haben über den Videochat gemeinsam gekocht, inhaliert und sich Halt gegeben. Der Rest des Tages ist unter anderem von Therapie, Erholung und Hustenanfällen geprägt.

Auf Corona-Schutzmaßnahmen angewiesen

Mittlerweile darf Nina nach Erlaubnis der Ärzte wieder ihre Eltern und ihren Freund sehen. Auch einkaufen ist mit Mundschutz, Abstand und Gummihandschuhen wieder erlaubt. Die Rücksicht anderer Menschen ist für sie lebenswichtig. Dass einige über die Schutzmaßnahmen schimpfen, kann die 32-Jährige nicht nachvollziehen: "Es ist ignorant, egoistisch und unverantwortlich, wenn man sich weigert sich und andere zu schützen."

Mit bestem Freund an der Seite

Trotz großem Kinderwunsch wird Nina keine Kinder bekommen. Durch ihre Krankheit hätte sie nicht genügend Kraft, sie großzuziehen. In ihrem Hund Cookie hat sie einen besten Freund und Kinderersatz gefunden. "Jetzt habe ich einen Grund, täglich aus dem Bett zu steigen, um mit ihm Gassi zu gehen – egal wie das Wetter ist. Da kannst du dich auch während Corona nicht einfach hängen lassen."

Lebenserwartung hängt vom medizinischen Fortschritt ab

Als Nina mit acht Jahren die Diagnose bekam, lag ihr Lebenserwartung bei 18 Jahren. Heute ist sie dank des neues Forschungsstands 32 und möchte älter werden. Große Pläne für die Zukunft hat Nina nicht. Sie hat sich einfach daran gewöhnt, für den Moment zu leben.

Hilfemöglichkeiten

Mukoviszidose ist nicht heilbar, kann durch eine frühzeitige Therapie aber positiv beeinflusst werden. Die Regionalgruppe Mittel/Oberfranken der Selbsthilfeorganisation Mukoviszidose e.V. kümmert sich um die medizinische und psychosoziale Versorgung von Betroffenen. Mit Spenden können Forschung, Klimakuren und Ambulanz für Mukoviszidose-Patienten ermöglicht werden.

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