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Als nach dem Mauerfall 2.000 Würzburger nach Suhl reisen | BR24

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Wer dabei war, der wird diesen Tag nie vergessen: Am 14. Januar 1990 fuhren 2.000 Würzburger in über 30 Omnibussen in ihre DDR-Partnerstadt Suhl in Thüringen. Organisiert vom Freundeskreis Würzburg-Suhl war es ein Tag des Feierns.

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Als nach dem Mauerfall 2.000 Würzburger nach Suhl reisen

Wer dabei war, der wird diesen Tag nie vergessen: Am 14. Januar 1990 sind 2.000 Würzburger in über 30 Omnibussen in ihre DDR-Partnerstadt Suhl in Thüringen gefahren. Organisiert vom Freundeskreis Würzburg-Suhl war es ein Tag des Feierns.

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Es ist neblig, kalt und es schneit leicht, als die 30 Busse aus Würzburg am Vormittag des 14. Januar 1990 die Grenzanlage Eußenhausen-Meiningen erreichen. Gerade mal drei Monate ist es her, seit die Mauer gefallen ist. Bernd Höland, der Vorsitzende des Freundeskreises Würzburg-Suhl hatte die spontane Idee, die Behörden der DDR stimmten zu. Jetzt ist Vieles möglich, was einige Monate zuvor undenkbar gewesen wäre. An der Grenze bekommt jeder Bundesbürger im Schnellverfahren seinen Visum-Stempel. Dann fährt die Buskolonne eskortiert von Fahrzeugen der Volkspolizei an den Suhler Stadtrand.

Würzburger ziehen mit Prinzenpaar in Suhl ein

Es ist Faschingszeit. Deshalb haben die Würzburger den Spielmannszug der Ranzengarde mitgebracht. Auch das Prinzenpaar des Würzburger Karnevalsvereins ist dabei, als sich die 2.000 Würzburger zu einem langen Zug in Richtung Innenstadt formieren. An der Stadthalle werden sie von über 1.000 Suhlern und deren Oberbürgermeister Kober begrüßt. Die Würzburger werden auf die Suhler Familien verteilt, die Busse fahren in die Wohngebiete und dort gibt es in den Privatwohnungen das Mittagessen. Meist mit Thüringer Klößen.

"So ein Tag, so wunderschön wie heute"

Am Nachmittag steigt in der Suhler Stadthalle ein großes Unterhaltungsprogramm. Mit bewegter Stimme sagt Bernd Höland den nun 4.500 Menschen aus Deutschland Ost und West, dass für ihn heute ein Traum in Erfüllung geht. Zu DDR-Zeiten war Höland ein Staatsfeind, überwacht von der Staatssicherheit. Abseits der offiziellen Städtepartnerschaft hatte er den privaten Freundeskreis Würzburg-Suhl gegründet hat.

Die Würzburger Gäste sind begeistert von der Gastfreundschaft. "Wir duzen uns schon", berichten ein Suhler- und ein Würzburger Ehepaar dem BR-Reporter. "Lasst uns nie mehr eine Grenze bauen", sagen sie. Der Würzburger Polizeichor ist auch mit dabei, er singt "So ein Tag, so wunderschön wie heute". Viele Menschen haben Tränen in den Augen.

Bernd Höland bekommt heute immer noch Gänsehaut, wenn er an diesen 14. Januar 1990 denkt. Dieser Würzburgtag sei ihm spontan eingefallen und: "Es war der schönste Tag meines Lebens."

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