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Als Corona nach Schwaben kam – Ein Jahr nach erstem Fall im Kino | BR24

© Abendschau – Der Süden

Vor einem Jahr war jeder einzelne Corona-Infizierte noch eine Schlagzeile. Für Schwaben war der erste Patient ein Besucher in einem Neu-Ulmer Kino. Angesteckt hat sich damals zwar niemand - doch das Kino litt dadurch schon vor dem ersten Lockdown.

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Als Corona nach Schwaben kam – Ein Jahr nach erstem Fall im Kino

Vor einem Jahr war jeder einzelne Corona-Infizierte noch eine Schlagzeile. Für Schwaben war der erste Patient ein Besucher in einem Neu-Ulmer Kino. Angesteckt hat sich damals zwar niemand – doch das Kino litt dadurch schon vor dem ersten Lockdown.

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Von
  • Joseph Weidl

Als der Kinobetreiber Roland Sailer am 26.02.2020 gerade telefoniert, ahnt er noch nicht, was auf ihn und sein Kino in den nächsten Tagen und Wochen zukommen wird. Plötzlich kommen Mitarbeiter in sein Büro, wollen ihn mit Handzeichen auf etwas aufmerksam machen. Denn während er telefoniert, läuft im Fernsehen eine Pressekonferenz aus Stuttgart. Dort wird berichtet, dass vor wenigen Tagen ein Corona-Patient aus dem Landkreis Göppingen im Kino in Neu-Ulm gewesen sei.

Vor einem Jahr war ein einziger Corona-Infizierter noch etwas Besonderes. Schnell mussten alle gefunden werden, die mit ihm im Kinosaal gesessen hatten. Und plötzlich hatten viele Angst, genau dieses Kino zu betreten, obwohl der Corona-Patient ja schon lange wieder fort war.

Ausmaß wurde erst allmählich klar

"Tatsächlich haben sich Handwerker am nächsten Tag schon geweigert, unser Haus zu betreten", erinnert sich Sailer. "Wir hatten eine terminierte Reparatur im Keller. Da wurde mir bewusst, dass uns eine schwere Zeit bevorsteht, wenn die Menschen so reagieren."

Tatsächlich kommen ab dem Tag, an dem der Fall bekannt wird, schon 30 Prozent weniger Besucherinnen und Besucher ins Neu-Ulmer Kino – als Kinos in Bayern noch ganz regulär geöffnet haben. Auch das Neu-Ulmer Landratsamt sieht sich zum ersten Mal mit dem konfrontiert, was einige Wochen später zum neuen Alltag wird: Kontakte nachverfolgen und Fragen zu "diesem neuen Coronavirus" beantworten.

"Wir haben Ende Februar vielfach die Einschätzung geteilt, dass es sich um eine relativ heftige Grippe-Erkrankung handelt", sagt Neu-Ulms Landrat Thorsten Freudenberger heute. "Und erst in den Tagen, in den Wochen danach kam auf, dass die eigentliche Problematik in einer Überlastung der Gesundheitsverwaltung und auch bei schweren Verläufen in einer Überlastung der Gesundheitssysteme, insbesondere der Intensivversorgung liegt. Das war uns Ende Februar so noch nicht bewusst."

Wie könnte eine Öffnungsstrategie aussehen?

Im Kino hat sich durch diesen ersten Patienten niemand angesteckt – das bestätigte das Landratsamt bereits im Mai 2020. Das Kino der Familie Sailer in Neu-Ulm hat die Krise bisher einigermaßen überstanden – wie in vielen anderen Häusern gab es auch dort im Sommer Open-Air-Veranstaltungen. Für dieses Jahr wünscht sich Sailers Sohn Roman vor allem eines: "Das Allerwichtigste ist ein einheitlicher Eröffnungstermin in ganz Deutschland und zu diesem Termin ein einheitliches Hygienekonzept, das auch dem Risiko entsprechend ist."

Denn nur, wenn alle Kinos gleichzeitig öffnen, wird es auch wieder Filme über die Filmverleihe geben, so Sailer. Zudem fordert er, dass Kinos keinen Nachteil haben sollten, was die Infektionsschutzmaßnahmen angehe und nicht mehr leisten müssen als etwa der öffentliche Nahverkehr oder die Gastronomie.

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