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"Alpine Rummelplätze" mit staatlichen Fördergeldern? | BR24

© BR/Georg Bayerle

Naturschutzverbände schlagen Alarm: Bayern fördert mit bis zu 30 Prozent Seilbahnanlagen, Lifte und Kunstschneeanlagen. Damit werden allerdings meist nicht bestehende Anlagen renoviert, sondern neue gebaut - oft samt Funpark-Elementen.

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"Alpine Rummelplätze" mit staatlichen Fördergeldern?

Naturschutzverbände schlagen Alarm: Bayern fördert mit bis zu 30 Prozent Seilbahnanlagen, Lifte und Kunstschneeanlagen. Damit werden allerdings meist nicht bestehende Anlagen renoviert, sondern neue gebaut - oft samt Funpark-Elementen.

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Der Freistaat leistet sich ein spezielles Förderprogramm, mit dem Seilbahn-Modernisierungen, aber auch Kunstschnee-Anlagen gefördert werden - meist mit rund 30 Prozent. Das führt allerdings zu zahlreichen kostspieligen Neubauten.

Bund Naturschutz fordert Reform der Seilbahnförderung

Nun soll das Programm wieder für drei Jahre fortgeschrieben werden. Das Ganze läuft in einem schriftlichen Verfahren quasi hinter verschlossenen Türen ab. Der Bund Naturschutz aber fordert eine öffentliche Diskussion darüber.

Thomas Frey, der Alpenexperte im Bund Naturschutz, verweist auf das öffentliche Interesse der Debatte. Die Förderung von Beschneiungsanlagen sollte generell gestrichen werden, fordern die in der Alpenschutzkommission Cipra zusammengefassten Verbände in einem Brief an das zuständige Bayerische Wirtschaftsministerium. Dort ist man allerdings anderer Meinung: "Der Einsatz künstlicher Beschneiungsanlagen ist ein Instrument, um den Veränderungsprozess im Wintersport-Tourismus für die betreffende Region verträglich zu gestalten." Zum Verfahren insgesamt verweist das Wirtschaftsministerium darauf, dass es nach der bayerischen Haushaltsordnung nicht öffentlich sei.

Schneekanonen staatlich gefördert - auch in Zeiten des Klimawandels

Seit 2009 wurden 40 entsprechende Vorhaben mit staatlichen Mitteln gefördert. Auch aus diesen bisherigen Erfahrungen heraus fordert der Bund Naturschutz eine neue Beurteilung des Programms, auch weil bei geförderten Seilbahnen immer eine Kapazitätssteigerung mitläuft. So gibt es im Oberallgäu Anträge, die Kapazität um das Doppelte zu steigern. Gerade in Zeiten von Overtourism stellt sich da die Frage, ob das wirklich sinnvoll ist.

Der Förderung geschuldet: "Alpine Rummelplätze"

Eine kritische Debatte, wieviel Tourismus ein Berg verträgt, wird bisher aber erst an wenigen Orten wie in Berchtesgaden oder Bad Kohlgrub geführt. Das Seilbahn-Förderprogramm setzt noch weitere falsche Anreize, erklärt der Alpenexperte vom Bund Naturschutz. Modernisierungen müssen nun wegen des Klimawandels auch explizit dem Sommertourismus dienen, aber das läuft dann meistens so, dass um die Seil- oder Sesselbahn herum diverse Abenteuer- und Outdoor-Installationen geplant werden und dann ein alpiner Rummelplatz entsteht.

Wirtschaftsministerium will keine öffentliche Debatte

Am heftigsten umstritten sind die derzeitigen Planungen am Grünten im Allgäu, wo ein Investor einen Freizeitpark am Berg errichten will. Die einfache Sanierung einer bestehenden Anlage wird hier nicht gefördert. Es gäbe also durchaus einigen Diskussionsbedarf. Für die Verwendung der durchaus beträchtlichen Fördergelder hätte Thomas Frey vom Bund Naturschutz auch noch andere Verwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel für eine nachhaltige energetische Sanierung.

Aus dem Wirtschaftsministerium heißt es, dass die Eingaben der Naturschutzverbände evaluiert werden. Es sei geplant, Modernisierungsvorhaben nicht nur mit Umweltbelangen, sondern auch mit den regionalen Planungsverbänden besser abzustimmen. An eine öffentliche Debatte über die Kriterien und deren etwaige Nachjustierung aber wird nicht gedacht.