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Beliebt bei Wanderern und Mountainbiker: Das Karwendelhaus oberhalb von Scharnitz an der Grenze zwischen Tirol und Bayern.

Beliebt bei Wanderern und Mountainbiker: Das Karwendelhaus oberhalb von Scharnitz an der Grenze zwischen Tirol und Bayern.

Bildrechte: Karwendelhaus/ Andreas Ruech
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    Alpenvereinshütten: Reservieren und stornieren in den Bergen

    Seit sechs Jahren gibt es auf vielen Hütten das länderübergreifende Online-Buchungssystem der Alpenvereine. Das zeigt Wanderern freie Betten an und erleichtert auch den Wirten die Arbeit. Schwarze Schafe in puncto Absagen gibt es aber trotzdem noch.

    Von
    Elisabeth TyrollerElisabeth Tyroller
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    190 bewirtschaftete Hütten hat der Deutsche Alpenverein (DAV), ungefähr die Hälfte von ihnen verwenden mittlerweile das Online-Buchungssystem. Andreas Ruech vom Karwendelhaus und Thomas Jauernig von der Tutzinger Hütte nutzen das System seit Jahren und sind zufrieden damit.

    "Die Online-Reservierung nimmt uns viel Arbeit ab, und ich kann nur an jeden appellieren, es zu benutzen. Es zeigt die verfügbaren Plätze an und sobald jemand storniert, werden auch kurzfristig freie Plätze angezeigt. Für uns ist es wirklich eine massive Erleichterung", sagt Andreas Ruech. Seine DAV-Hütte, das Karwendelhaus, liegt oberhalb von Scharnitz an der Grenze zwischen Tirol und Bayern.

    Online-Buchung: Hohe Verbindlichkeit für die Hüttenwirte

    Auch Hüttenwirt Thomas Jauernig von der Tutzinger Hütte am Fuß der Benediktenwand nutzt das System. "Wir haben einen super Überblick über die Reservierungen, was vor allem am Wochenende wichtig ist. Im Grunde ist das System analog zu den Systemen von Hotel- und Ferienwohnungsbuchungen." Man sehe, ob noch Betten frei sind, ob es Zimmer oder Lager sind, und kann sich dann einbuchen.

    Ein großer Vorteil sei vor allem die hohe Verbindlichkeit, sagt Miriam Roth, die beim DAV für die Hütten zuständig ist. "Wir haben auch ein Modul, bei dem man per Kreditkarte reserviert." Dabei werde die Kreditkarte nicht belastet, sondern als Sicherheitsleistung hinterlegt. "Erst wenn man nicht rechtzeitig absagt, dann werden die Stornogebühren automatisch von der Kreditkarte abgezogen", so Roth.

    "Unsitte der Doppelbuchungen Einhalt gebieten"

    Bis zu fünf Tage vorher können Gäste ihren Schlafplatz auf Alpenvereinshütten kostenlos stornieren, danach wird eine Gebühr von zehn Euro fällig.

    Das Buchungssystem wurde länderübergreifend entwickelt, gemeinsam mit dem Österreichischen Alpenverein (ÖAV), dem Alpenverein Südtirol (AVS) und dem Schweizer Alpen-Club (SAC). Insgesamt sind mittlerweile über 350 Hütten dabei.

    Doch weil die Online-Reservierung auf den Hütten noch nicht flächendeckend eingeführt ist, gebe es gerade bei telefonischen Buchungen schwarze Schafe. Plätze werden oftmals nicht abgesagt oder sogar unter falschem Namen gebucht, bemängelt Rainer Schlattinger, Geschäftsführer des Alpenvereins im österreichischen Vorarlberg. "Wir haben in den letzten Jahren bemerkt, dass das Buchungsverhalten der Gäste zu wünschen übriglässt. Deshalb müssen beim ÖAV bis zum 1.1.2023 alle Hüttenpächter das Reservierungssystem haben. Dann kann man der Unsitte der Doppelbuchungen Einhalt gebieten."

    Ziel: Ein flächendeckendes Buchungssystem auf den Hütten

    Soweit ist der Deutsche Alpenverein noch nicht. Aber auch dort wird verbandsintern daran gearbeitet, dass das Buchungssystem für alle Hütten verpflichtend werden soll. Denn: Für Wanderer bedeute ein flächendeckendes Buchungssystem viel mehr Möglichkeiten, sagt Miriam Roth vom Deutschen Alpenverein. "Es gibt auch eine Kooperation mit dem ÖAV, die heißt "Bettencheck".

    Dort kann man die Verfügbarkeiten online nachfragen, und das ist vor allem für Mehrtagestouren sehr interessant. Als Gast kann man eine Tour eingeben, und dann sieht man sofort: Wo sind Kapazitäten frei, muss ich mein Anreisedatum noch verschieben. Ein weiterer Vorteil ist auch: Es entfallen die Anrufe von Hütte zu Hütte."

    Kurzfristige Stornos bei Wolken und leichtem Regen

    Aber auch mit Buchungssystem leiden die Wirte unter späten Absagen, telefonieren den Gästen sogar hinterher, wie Thomas Jauernig von der Tutzinger Hütte sagt. "Das ist hauptsächlich ein Schlechtwetterphänomen." Gerade wenn es regne, gebe es immer wieder kurzfristige Stornos. Das sei teilweise verständlich. "Aber für uns ist es natürlich schwierig, wenn jemand kurzfristig absagt, gerade an den Wochenenden, an denen mehr Personal da ist und sich auch die Küche darauf eingestellt hat", sagt Jauernig. "Von dem her wäre es natürlich immer schön, wenn die Leute, die gebucht haben, auch kommen oder rechtzeitig Bescheid sagen."

    Also: Frühzeitig den gebuchten Platz freigeben oder vielleicht einfach auch mal bei Regenschauer und Wolken am Himmel auf die Hütte gehen. Denn es ist schon was Wahres dran an dem Satz: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.

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