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Alpakas helfen Forensik-Patienten | BR24

© BR/Sarah Beham

Sie haben Straftaten begangen und sind dafür verurteilt worden. Am Bezirksklinikum Mainkofen (Lkr. Deggendorf) setzt man auf eine eher ungewöhnliche Therapie für die Patienten: Alpakas kommen zum Einsatz.

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Alpakas helfen Forensik-Patienten

Sie haben Straftaten begangen und sind dafür verurteilt worden. Am Bezirksklinikum Mainkofen (Lkr. Deggendorf) setzt man auf eine eher ungewöhnliche Therapie für die Patienten: Alpakas kommen zum Einsatz.

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Seit ein paar Wochen helfen elf flauschige Alpakas verurteilten Straftätern, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen und ihnen wieder eine Lebensaufgabe zu geben. Bei der tiergestützten Therapie am Bezirksklinikum Mainkofen (Lkr. Deggendorf) kommen Forensik-Patienten täglich zu den Tieren und kümmern sich um die Alpakas am Gutshof in Mainkofen. Sie misten aus, füttern die Tiere und gehen mit ihnen spazieren.

Ein Stück Normalität

Die Patienten sind verurteilte Straftäter, die wegen ihrer psychischen Erkrankung nicht im Gefängnis, sondern in der Forensik sind. Eigentlich werden sie von der Öffentlichkeit abgeschirmt - in Mainkofen aber dürfen einige Forensik-Patienten zu den Alpakas auf das Gelände. Wie Herr G., ein 43-jährige Patient. Warum er seit über einem Jahr in Mainkofen ist, will er nicht sagen. Die Therapie hilft ihm aber, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen:

"Es ist ruhig, eine Abwechslung zum Stationsalltag. Man kann seinen Gedanken freien Lauf lassen, man denkt an was anderes, man ist unter Tieren. Man ist ein Teil von den Tieren. Man denkt anders nach über seine Sachen, was man angestellt hat und es gibt dem Leben einen anderen Sinn. Ich habe früher mit Stress Probleme gehabt und jetzt ist die Stressbewältigung anders geworden in meinen Augen. Man muss gegenüber den Tieren ein anderes Verhalten an den Tag legen, als es früher war." Herr G., Patient in Mainkofen
© BR/Sarah Beham

Ein Forensik-Patient im Winter bei den Alpakas

Patienten vertrauen den Tieren - und andersrum

Der 43-Jährige ist einer von mehreren Patienten, die Lockerungen haben und die forensische Einrichtung verlassen dürfen. In diesem Fall für die tiergestützte Therapie mit den Alpakas. Immer mit dabei ist Sozialpädagogin Silke Lederbogen. Sie hatte die Idee für das Alpaka-Projekt. Die Patienten vertrauen den Tieren, öffnen sich, meint Lederbogen. Die Tiere seien die Brücke zu den Menschen. Ziel ist die Resozialisierung, die mithilfe der Alpakas gelingt, so Lederbogen:

"Nachdem wir auch auf dem Gelände spazieren gehen und diese forensischen Patienten sonst gar keinen Kontakt zu anderen Menschen haben, sind sie nach dem dritten Mal geschniegelt und gestriegelt zum Abmisten gekommen. Da war ich ganz überrascht und habe gefragt: Warum das denn, wir gehen nur zum Abmisten! Dann haben sie gesagt: Wenn wir danach wieder auf das Gelände gehen ist das so peinlich, weil wir werden danach so viel angesprochen, da möchten wir ordentlich aussehen." Silke Lederbogen, Sozialpädagogin

Tierbesuch als täglicher Höhepunkt

Lederbogen betont, wie pünktlich die Forensik-Patienten sind, wie hilfsbereit und offen sie für neue Projekte sind. Höhepunkt sind die täglichen Sparziergänge der Patienten mit den Alpakas in Mainkofen. Hier treffen sie immer wieder auf Leute, die Interesse an den Tieren zeigen und denen sie mehr zu den Alpakas erklären können. Deswegen sieht Lederbogen die Alpaka-Therapie auch als inklusive Therapie an. Mithilfe der Tiere kommen die Patienten mit anderen Menschen in Kontakt