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Allgäuer Tierskandal: Viele Kühe waren krank oder verletzt | BR24

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Nach den Tierquälerei-Vorwürfen gegen Verantwortliche eines großen Allgäuer Milchviehbetriebs wird gegen neun Verdächtige ermittelt.

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Allgäuer Tierskandal: Viele Kühe waren krank oder verletzt

Wegen der Tierquälerei-Vorwürfe gegen einen Milchviehhof im Allgäu wird gegen neun Verdächtige ermittelt. Den Behörden zufolge kam bei Kontrollen kürzlich heraus, dass es vielen Tiere auf dem Hof schlecht ging - zwölf mussten sofort getötet werden.

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Im Skandal um einen Allgäuer Milchviehbetrieb ermittelt seit eineinhalb Wochen eine 30-köpfige Sonderkommission der Polizei Kempten. Die Ermittlungen wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz richten sich konkret gegen neun Personen, sechs davon gehören dem Milchviehbetrieb an, drei weitere sind Tierärzte.

Durchsuchung von 21 Objekten

Bis zum Mittag lief heute eine Razzia auf dem Hof in Bad Grönenbach (Lkr. Unterallgäu). Laut Michael Haber, Leiter der Sonderkommission "Fundus", waren dabei mehr als 160 Beamte im Einsatz und durchsuchten den Hof, Wohnungen und Tierarztpraxen – insgesamt 21 Objekte. Zudem waren elf Staatsanwälte und vier Veterinäre des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) bei den Durchsuchungen vor Ort. Diese fanden laut Staatsanwaltschaft Memmingen in den Landkreisen Unterallgäu, Oberallgäu, Ravensburg, Weilheim-Schongau, Haßberge und in der Stadt Kempten statt.

Zwölf Tiere mussten eingeschläfert werden

Laut Martina Sedlmayer vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wurden nach Bekanntwerden der Vorwürfe Anfang Juli zwei Kontrolltermine durchgeführt, um den Zustand der insgesamt rund 2.850 Tiere des Milchviehbetriebs zu kontrollieren. Bei ungefähr der Hälfte der Tiere habe es Auffälligkeiten gegeben, das sei ein relativ hoher Wert.

Einige der Milchkühe und Kälber lahmten oder hatten Verletzungen, etwa am Auge, andere litten an eitrigen Gelenkserkrankungen oder Eutererkrankungen. "Beim ersten Kontrolltermin mussten vier Tiere aufgrund ihres schlechten Zustands notgetötet werden", so Sedlmayer. Beim zweiten Termin wenige Tage später hätten noch weitere acht Tiere getötet werden müssen.

Video von Tierschützern brachte die Behörden auf die Spur

Bei den Durchsuchungen heute dokumentierten die Polizisten ihren Rundgang mit Foto und Videokameras. Sichergestellt wurden laut Soko-Leiter Haber vor allem Unterlagen und elektronische Datenträger mit Material zu möglichen Vergehen gegen das Tierschutzgesetz. Zudem konnten die Beamten heute zwei Standorte aus dem vorliegenden, belastenden Videomaterial zuordnen, das eine Tierschutzorganisation (Soko Tierschutz) aufgezeichnet hatte und das die Beamten seitdem sichten und auswerten.

Insgesamt liegen laut Staatsanwaltschaft 400 Stunden Videomaterial vor. Es gebe keinen Grund, an der Echtheit des Materials zu zweifeln, so Thomas Hörmann, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Memmingen.

Milchviehbetrieb bekommt Auflagen

Das Landratsamt Unterallgäu erklärte, dass der Betrieb nun Auflagen bekomme, aber zunächst nicht geschlossen werde. "Unter anderem muss der Landwirt einen Tierschutzbeauftragten einsetzen", sagte eine Sprecherin. Dieser solle überwachen, dass Tierschutzgesetze eingehalten werden. Zudem sei dem Betrieb das Töten von Rindern bis auf Weiteres untersagt. Vor einem Transport zu einem Schlachthof müssen Tiere überdies von einem amtlichen Tierarzt untersucht werden. "Eine Betriebsschließung kommt im vorliegenden Fall zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Betracht", sagte die Sprecherin. "Dadurch wäre auch den Tieren nicht geholfen."

Ermittlungen auch wegen möglicher Straftaten gegen die Hofbetreiber

Ermittelt wird auch aufgrund von Bedrohungen und Beleidigungen gegen den Großbauern, zudem gab es Sachbeschädigungen. In den vergangenen Wochen sei es bereits zu mehr als 30 Straftaten gekommen, darunter Bedrohungen mit dem Messer, Flaschenwürfe und aufgeschlitzte Reifen.

Bernhard Kerler, Bürgermeister von Bad Grönenbach, kritisierte im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk den Umgang der Öffentlichkeit mit den Beschuldigten. Der Hof würde teilweise regelrecht belagert, Kinder bzw. Enkelkinder würden gemobbt, die Belastung für die betroffene Familie sei riesig: "Es ist sicherlich keine gute Situation derzeit", so Kerler.

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Vor drei Wochen war in einem Milchviehbetrieb im Unterallgäu die mutmaßliche Misshandlung von Kühen aufgedeckt worden. Heute nun kam die Polizei auf den Hof in Bad Grönenbach - zu einer großangelegten Hausdurchsuchung.