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Allgäuer Tierskandal: Erster Landwirt reagiert auf Vorwürfe | BR24

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Allgäuer Tierskandal: Erster Landwirt reagiert auf Vorwürfe

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Allgäuer Tierskandal: Erster Landwirt reagiert auf Vorwürfe

Ein in den Allgäuer Tierskandal verwickelter Großbauer hat dem BR ein exklusives Interview gegeben und darin Fehler eingeräumt. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber will die Kontrollen für Großbauern reformieren.

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Zum ersten Mal hat einer der in den Bad Grönenbacher Tierskandal verwickelten Großbauern im BR-Interview zu den Vorwürfen gegen seinen Hof Stellung genommen. Bei den monierten Verstößen gegen den Tierschutz geht es vor allem um nicht behandelte kranke Kälber, die zum Teil verendet sind.

Der Landwirt gab zu, er habe Fehler gemacht, vor allem aber zu viele Kälber von Händlern preisgünstig angekauft. Seine Idee sei es gewesen, die Tiere großzuziehen, um dann Geld mit ihnen zu verdienen. In relativ kurzer Zeit habe er so 200 Kälber zusätzlich auf seinem Hof gehabt.

Landwirt: Gekaufte Kälber waren schon krank

Bei dem erworbenen Kälbern habe es sich aber vor allem um "aussortierte" schlechte Tiere anderer Bauern gehandelt – etwa ein Drittel von ihnen sei krank gewesen. Kranke Kälber sind jedoch, rein wirtschaftlich betrachtet, für Landwirte ein massives Problem: Denn oft kostet der Tierarzt mehr, als das Kalb wert ist.

Die Kosten hätten sich zeitweise auf 2.000 Euro pro Woche belaufen, dies habe er schlicht nicht mehr stemmen können, so der Landwirt. Er will nun die Milchviehhaltung aufgeben. Von ursprünglich 400 Rindern sind inzwischen nur noch 140 Tiere auf seinem Hof.

Erneut kranke Kälber

Zuvor waren neue Verstöße gegen den Tierschutz auf diesem Bad Grönenbacher Betrieb bekannt geworden. Nachdem dort im April und Mai 2019 über 50 Kälber verendet waren, gab es im Juni wieder kranke Kälber, die noch dazu kein sauberes Trinkwasser und nicht genug Futter hatten.

Allein für den Monat August zählt der entsprechende Bericht des Ministeriums, der BR24 vorliegt, über 60 Tierschutz-Verstöße auf.

Von Brunn: "Das halte ich schon für ein Staatsversagen"

Der SPD-Abgeordnete Florian von Brunn kann nicht verstehen, dass ein Betrieb immer wieder auffällig wird und die Behörden die Misstände nicht abstellen.

"Offensichtlich – und das halte ich schon für ein Staatsversagen – gelingt es unseren Behörden nicht, Tierschutz durchzusetzen gegen so einen Tierquäler, gegen so einen Intensivtäter in diesem Bereich. Und das kann so nicht sein." Florian von Brunn, SPD

Das Landratsamt Unterallgäu als zuständige Behörde schreibt dazu in einer Stellungnahme, man habe "in allen Fällen die Missstände beanstandet und Maßnahmen ergriffen, um die Mängel schnellstmöglich abzustellen. Zum Teil hat der Landwirt diese umgesetzt, zum Teil hat er gegen Anordnungen vor dem Verwaltungsgericht Widerspruch eingelegt. Vertreter des Landratsamts sind immer wieder vor Ort, um die Zustände im Betrieb zu kontrollieren."

Glauber: "Tierquälerei nicht hinnehmbar"

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) will aus den Vorfällen Konsequenzen ziehen. Dem Bayerischen Rundfunk sagte er am Donnerstag, Betriebe dieser Größenordnung bräuchten angepasste Kontrollstrukturen. Dazu will der Minister die neue Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) stärken, dort sollen 25 neue Stellen geschaffen werden. Glauber habe bereits "entsprechende Reformpläne vorgelegt".

"Tierquälerei ist nicht hinnehmbar. Der Sachverhalt muss jetzt umfassend aufgeklärt und bewertet werden. Wer Tiere hält, ist für sie verantwortlich." Thorsten Glauber, Bayerischer Umweltminister (FW)
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Ein Großbauer aus Bad Grönenbach im Allgäu hat am Abend Stellung zu den Vorwürfen gegen seinen Hof bezogen. Das Umweltministerium hat in seinem Hof zahlreiche Verstöße gegen den Tierschutz festgestellt. Vor allem Kälber waren betroffen.