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Allgäuer Alpen: Naturschützer befürchten Run auf die Berge | BR24

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Bildrechte: Naturpark Nagelfluhkette

Schneeschuhwandern oder Skitourengehen in den Allgäuer Bergen: Das ist auch im Teil-Lockdown erlaubt, könnte aber zum großen Problem werden.

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Allgäuer Alpen: Naturschützer befürchten Run auf die Berge

Kinos, Schwimmbäder, Sporthallen - alles zu. Schon in der vergangenen Saison zog es wegen des ersten Corona- Lockdowns viele in die Berge. Im Allgäu befürchtet man einen erneuten Ansturm von Ausflüglern - mit Folgen für Mensch und Natur.

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Von
  • Katharina Reichart
  • Mario Kubina

Max Löther ist zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Naturpark Nagelfluhkette. Er und seine Kollegen sind besorgt, wenn sie an den Sommer und die vielen Gäste zurückdenken. Sie befürchten, dass es im Winter so weitergeht. Löther rechnet damit, dass "wir jetzt im Winter nochmal komplett überrannt werden". Die Skigebiete seien geschlossen, Tagesausflüge nach Österreich seien auch nicht ohne Weiteres möglich, aber "die Leute wollen natürlich raus", so Löther.

Wintersportler können zur Gefahr für Wildtiere werden

Nach seiner Erfahrung beginnen die Probleme schon auf dem Parkplatz: Wenn die Ausgangspunkte für Touren vollständig belegt seien, würden die Ausflügler das Auto einfach irgendwo hinstellen und loslaufen. "Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß", sagt Löther, "dass die Leute durch Wald-Wild-Schongebiete laufen, um auf die Gipfel zu kommen".

Das hat Folgen für Wildtiere: Rothirsch, Gämse, Auerhuhn oder Birkhuhn beispielsweise müssen in der kalten Jahreszeit mit ihrer Energie haushalten. Werden sie aufgescheucht, kann das lebensbedrohlich für die Tiere sein.

Geschäft mit Tourenskiern im Allgäu läuft glänzend

Schon jetzt zeichnet sich ein großer Ansturm auf die Berge ab. Das zeigen die Tourenski-Verkaufszahlen. Christoph Schindele vom gleichnamigen Sportgeschäft in Ronsberg musste schon Nachschub bestellen: "Mittlerweile stehen alle Verkäufer nur noch an unserer Tourenskiwand, die Alpinskiwand existiert quasi nicht mehr." Er spricht von einem Zuwachs in Höhe von über 40 Prozent. Das Geschäft mit Alpin-Ski sei dagegen um etwa 80 Prozent eingebrochen.

Wer sich Tourenskier zulegt, muss in der Regel rund 2.000 Euro für die Erstausstattung hinlegen. Das Erlebnis sei es wert, sagt Schindele. Er gibt seinen Kunden aber auch eine Warnung mit: "Sobald man ins Gelände geht, ist es auch ein sehr risikobehafteter Sport." Daran erinnert auch Löther: Heuer gebe es besonders viele Anfänger unter den Tourengehern - und die Gefahr von Lawinen sei nun einmal vorhanden.

Mit Verhaltenstipps in die Wintersaison

Mit Blick auf den erwarteten Andrang wollen die Allgäuer Naturpark-Verantwortlichen mit anderen Naturschützern und dem Deutschen Alpenverein zusammenarbeiten. Naturpark-Geschäftsführer Rolf Eberhardt macht deutlich, dass es um Verhaltenstipps geht - nicht darum, niemanden mehr in die Berge zu lassen.

Ziel sei es, rechtzeitig zu informieren, wo mit einer Überfüllung zu rechnen sei. Und die Zusammenarbeit verschiedener Organisationen sei wichtig, weil das Thema für einen Naturpark oder eine einzelne DAV-Sektion einfach "zwei Nummern zu groß" sei.

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