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Alles muss raus – Siemens räumt den Erlanger Himbeerpalast | BR24

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Schreibtische, Rollcontainer, Abfalleimer: In der ehemaligen Erlanger Siemenszentrale kommen 7.000 Einzelstücke unter den Hammer. Laut Auktionshaus ist es die größte Büromöbelauktion Deutschlands. Mehr als 50.000 Bieter gaben online ihr Gebot ab.

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Alles muss raus – Siemens räumt den Erlanger Himbeerpalast

Schreibtische, Rollcontainer, Abfalleimer: In der ehemaligen Erlanger Siemenszentrale kommen 7.000 Einzelstücke unter den Hammer. Laut Auktionshaus ist es die größte Büromöbelauktion Deutschlands. Mehr als 50.000 Bieter gaben online ihr Gebot ab.

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Die Siemensianer nehmen Abschied von ihrem liebgewonnenen Himbeerpalast, so nennen die Erlanger das altrosa Verwaltungsgebäude. Eigentlich wechselt die Siemensverwaltung nur vom gut 70 Jahre alten Gebäude in den neuen Siemens-Campus, der für eine halbe Milliarde Euro ein paar Kilometer weiter gebaut wird. Doch ein bisschen Wehmut schwingt schon mit und ein bisschen Jagdfieber. Denn das ein oder andere Schnäppchen konnte hier schon geschlagen werden.

Moderne Büroeinrichtungen – hochwertige Qualitätsmöbel

Höhenverstellbare Schreibtische nach dem neuesten Stand, ergonomische Bürostühle, augenfreundliche Halogenlampen – der Zustand der Büroeinrichtung ist in einem guten Zustand. Die Ausstattung ist stets modernisiert worden. Doch nun ziehen die Möbel nicht mit um, sondern wurden versteigert. Online, drei Tage übers vergangene Wochenende. Die Abholung ist nach einem festen Zeitlplan über mehrere Tage und mit einem klaren Hygienekonzept organisiert. Und so stehen im Innenhof regelmäßig mehrere Transporter. Ein Sprinter etwa mit einem Dutzend Schreibtischen und Zubehör ist auf dem Weg nach Köln in ein Büro. Daneben steht ein Familienvater, der eine Büroeinrichtung im Innenraum und auf dem Dachgepäckträger verzurrt. Seine neuen Errungenschaften gehen gerade so in den Kleinwagen. Tetris für Fortgeschrittene. Ziel: der Landkreis Amberg.

Zwei Konzertflügel aus dem Tagungscenter

Der 6. Stock des Himbeerpalasts ist die Konferenzebene, der große Saal hat Sitze wie im Kino. Die bleiben drin. Doch im Foyer steht ein Grotrian Steinweg Flügel. Für 3.000 Euro ging er weg. Noch hat der neue Besitzer ihn nicht abgeholt. Für den Abtransport muss er wohl noch ein paar Euro drauflegen. Ebenso wie für den Yamaha-Konzertflügel. Mit 16.550 Euro das teuerste Einzelstück der Auktion.

Der Schreibtisch fürs Home-Office – Polsterstühle für die Gartenlaube

Siemens-Beschäftigte haben ebenfalls mitgeboten, für sie entfielen sogar die Bearbeitungsgebühren des Auktionshauses. Doch die Versteigerung war für alle offen. Reiner Hübner aus Nürnberg hat 19 Stühle aus mehreren Konferenzräumen ersteigert. Für knapp dreihundert Euro. Eigentlich ein Schnäppchen, doch beim Verladen der Sitzgelegenheiten kommt er mit seinem Sohn ganz schön ins Schwitzen. Denn die Stühle sind so gut wie gar nicht stapelbar. Doch nach einer halben Stunde und mehreren Versuchen können die beiden dann mit ihrer Beute nach Hause fahren.

100 Prozent Verkaufsquote – fast 54.000 Gebote

Das Auktionshaus hat wirklich jedes Stück losbekommen. Die Räumungsauktion: Ein voller Erfolg. Siemens-Sprecher Berhard Lott ist von diesen Zahlen selbst ein wenig überrascht. "Doch wir sind froh, so auch ein Zeichen in Sachen Nachhaltigkeit zu setzen", erklärt er. Mit den Erlösen werde der Umzug in den neuen Siemens-Campus mitfinanziert, doch das stehe hierbei nicht im Vordergrund.

Zuschlag auch für Zimmerpflanzen

Aschenbecher, Aktenordner, Zierpflanzen – Schnäppchenjäger haben den Himbeerpalast leergekauft. Für so manche Büropalme ist es die Rettung in letzter Minute. Denn gegossen wurde in dem Großraumbüro schon lange nicht mehr. Die Weltkarte, das Polstersofa oder das abstrakte Gemälde – alle Gegenstände kommen nun in neue Hände. Wie viel davon in Privathaushalten oder bei Wiederverkäufern landet, das lässt sich nicht genau nachvollziehen. Doch das Ziel ist erreicht – Platz machen für den Nachfolger.

Himbeerpalast wird Unigebäude – gut zwei Jahre Sanierung

Im Dezember übergibt die Siemens AG das Gebäude offiziell an den Freistaat Bayern. Nachmieter ist die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. 2023 soll die philosophische Fakultät mit dem Fachbereich Theologie hier einziehen. Und auch die Musikpädagogik bekommt in Erlagen wohl ein neues Zuhause. Instrumente müssen dann aber neue angeschafft oder mitgebracht werden. Die beiden Konzertflügel sind ja bei der Versteigerung unter den Hammer gekommen.

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