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Alleinerziehende sollen mehr Hilfen bekommen | BR24

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In Bayern leben rund 200.000 Alleinerziehende, 80 Prozent davon sind Frauen. Für sie ist es besonders schwierig, Beruf und Familie zu vereinbaren. Bayerns Sozialministerin Schreyer will für sie eine stärkere finanzielle Entlastung durchsetzen.

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Alleinerziehende sollen mehr Hilfen bekommen

200.000 Alleinerziehende jonglieren in Bayern täglich Job und Kinder und müssen oft auf jeden Euro schauen. Sozialministerin Kerstin Schreyer will die Ein-Eltern-Familien besser unterstützen – zum Beispiel durch steuerliche Entlastungen.

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Romana Knorr ist Künstlerin im Multitasking. Die 41-Jährige aus Kissing bei Augsburg hat zwei Kinder, einen Job und ist alleinerziehend. Schwierig wird es für sie vor allem, wenn sie Spätschicht hat. Dann muss die zweifache Mutter eine Babysitterin finden und sie auch bezahlen. Fünfzehn Euro pro Stunde. Kosten, die Romana Knorr als Versicherungskauffrau dann wieder reinarbeiten muss.

Ein Problem, das viele betrifft. In Bayern leben rund 200.000 Alleinerziehende. Die meisten davon Frauen. Und sie sind besonders armutsgefährdet, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen.

Steuerliche Entlastung für Geringverdiener

Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer möchte die Ein-Eltern-Familien daher finanziell stärken. Im Kern ihrer Offensive stehen steuerliche Entlastungen, insbesondere für Geringverdiener. "Wenn ich einen hohen Steuersatz wie 45 Prozent habe, dann habe ich die Situation, dass ich mit 860 Euro entlastet werde und wenn ich einen geringeren Steuersatz habe mit 14,15 Prozent, werde ich nur um 200 Euro entlastet", erklärt Schreyer. Diese aktuelle Regelung hält sie für falsch:

"Kinder haben immer die gleichen Bedarfe und deswegen ist es wichtig, dass wir sie auch gleich entlasten." Kerstin Schreyer, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales

Die bayerische Sozialministerin fordert daher einen festen Abzugsbetrag von der Steuerschuld, der dann auch Geringverdiener stärker entlastet.

Mehr Geld vom Staat für Alleinerziehende

Außerdem sollen Alleinerziehende, die Unterhaltsvorschuss vom Staat beziehen, künftig 100 Euro mehr überwiesen bekommen. Und die Förderanträge für getrennt lebende Eltern, die Hartz IV beziehen, will die Sozialministerin unbürokratischer machen. Ein weiterer großer Punkt in Schreyers so genannter "Offensive für Ein-Eltern-Familien": Neben finanziellen Hilfen, soll es auch um mehr Unterstützung am Arbeitsmarkt gehen.

Ausbildung in Teilzeit: junge Alleinerziehende sollen profitieren

In Bayern sind derzeit mehr als 10.000 Alleinerziehende arbeitslos, meldet die Bundesagentur für Arbeit. Viele von ihnen haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Sie brauchen die Möglichkeit einen Beruf in Teilzeit zu erlernen.

Sozialministerin Schreyer verweist auf bereits laufende Modellprojekte im Freistaat. Und: Alleinerziehende brauchen besondere Beratungsangebote in den Jobcentern – etwa wenn es um die Rückkehr in den Beruf nach einer längeren Elternzeit geht, fordert Schreyer. Hier müsse der Bund nachsteuern und mehr Personal zur Verfügung stellen.

SPD sieht viele unerledigte Hausaufgaben in Bayern

Die sozialpolitische Sprecherin der SPD im Landtag, Doris Rauscher wirft der CSU-Sozialministerin vor, nur in Richtung Berlin zu schielen anstatt selbst in Bayern anzupacken. Dabei gebe es auch hier viel zu tun. Die SPD im Landtag schlägt ein Gutscheinsystem für haushaltsnahe Hilfen für Ein-Eltern-Familien vor. Das könnten Gutscheine für eine Putzhilfe sein oder Hilfen im Krankheitsfall. Nachholbedarf sieht SPD-Politikerin Rauscher auch bei den Betreuungsplätzen. Immer noch fehlten im Freistaat viele Krippen- und Hortplätze.

Kinder-Betreuung: Tagespfleger für die Randzeiten

Die von der Staatsregierung versprochenen 2.000 neuen Tagespfleger hält Rauscher für einen Tropfen auf den heißen Stein. "Die Ankündigung kam bereits im Sommer 2018 und es ist bis heute nicht eine Tagesmutter in einer Kindertageseinrichtung angekommen", kritisiert die Landtagsabgeordnete der SPD.

Die neuen Tagespfleger will die Staatsregierung einsetzen, um auch in den Randzeiten Betreuung zu ermöglichen. Für die alleinerziehende Mutter aus Kissing wäre das ein erster, aber sehr wichtiger Schritt. Romana Knorr freut sich über alles, was ihr das Hin und Her zwischen Kindern und Beruf erleichtert. Aber es müsste noch mehr an die Mittelschicht gedacht werden, fordert sie. Während Geringverdiener viele Zuschüsse bekämen, sei sie mit ihrem mittleren Einkommen auf sich allein gestellt, ärgert sich die zweifache Mutter.

Alleinerziehende sieht die Mittelschicht als großen Verlierer

"Da denk ich mir oft, wenn ich nicht arbeiten würde, hätte ich unterm Strich genauso viel, aber ich hätte viel mehr Zeit. Für die Kinder, die mich brauchen, ich hätte mehr Lebenszeit. Ich würde meine Gesundheit mit weniger Stress schonen und hätte trotzdem mein finanzielles Auskommen." Nicht zu arbeiten kommt für Romana Knorr dennoch nicht in Frage. Sie hat Angst vor Altersarmut und will den Kindern ein Vorbild sein. Den Politikern, egal ob in München oder in Berlin will sie daher mit auf den Weg geben:

"Mich würde jeder Cent mehr in meinem Geldbeutel entlasten und da hab‘ ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sie vielleicht auch mal an den Mittelstand denken." Romana Knorr, alleinerziehende Mutter
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Schreyers Offensive für Alleinerziehende