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Markus Söder vertraut Alexander Dobrindt in Berlin.

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    Alexander Dobrindt – Söders Mann in Berlin

    Der Oberbayer Alexander Dobrindt war CSU-Generalsekretär, Bundesverkehrsminister und ist seit vier Jahren Chef der Bundestags-CSU. Als Spitzenkandidat soll er der CSU ein gutes Ergebnis bei der Bundestagswahl sichern.

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    Von
    • Eva Lell

    Manchmal hat es in der Politik keinen Sinn, Dinge schön zu reden. Dann etwa, wenn alle sich noch gut daran erinnern, wie es wirklich war. Dessen war sich CSU-Chef Markus Söder wohl bewusst, als er Mitte Juni für Alexander Dobrindt als CSU-Spitzenkandidat warb: "Wir beide waren vor Beginn meiner Zeit als Parteivorsitzender nicht automatisch schon geborene beste Freunde." Eine nette Umschreibung dafür, dass Dobrindt im Machtkampf zwischen Horst Seehofer und Markus Söder klar an Seehofers Seite stand. "Nicht geborene beste Freunde" ist eine durchaus beschönigende Beschreibung.

    Lounge statt Wirtshaus

    Schnell fügt Söder allerdings an, dass sich die beiden mittlerweile schätzen gelernt hätten. Dobrindt ist Söders Mann in Berlin, er kennt das bundespolitische Parkett, begleitet Söder in Koalitionsrunden. Nun führt er die CSU in die Bundestagswahl. Noch fehlt den Christsozialen ein Wahlkampfknaller a la Ausländermaut, mit dem Horst Seehofer 2013 die Bierzelte in Wallung brachte.

    Überhaupt ist Dobrindt nicht der leutselige Bilderbuch-CSU-Abgeordnete im Trachtenjanker, den man vermeintlich vor allem in Bierzelten und an Stammtischen trifft. Zu Dobrindt passt eher eine Lounge oder eine Cocktailbar. Als CSU-Generalsekretär führte er moderne Veranstaltungsformate ein. Dobrindt wirkt im Gespräch oftmals distanziert, gilt vielen aber als talentierter Stratege, der eine hippe CSU verkörpert, zugleich aber konservative Positionen vertritt.

    Schützenkönig, Generalsekretär, Minister

    Dobrindt ist seit knapp 20 Jahren Bundestagsabgeordneter. Als der damalige CSU-Chef Seehofer ihn zum Generalsekretär ernannte, war das eine Überraschung. Viele Journalisten ergoogelten damals für eilig geschriebene Porträts, dass er Schützenkönig in seiner Heimatgemeinde Peißenberg war. Heute ist er nur noch passives Mitglied, für den aktiven Sport bleibt zu wenig Zeit.

    Als Generalsekretär trat Dobrindt – der Jobbeschreibung entsprechend - mit lauten Parolen an die Öffentlichkeit: die FDP nannte er 2010 eine "Gurkentruppe", die Grünen einen "Protestsekte". Zur Aufgabe eines Generalsekretärs gehört neben Lautsprechen auch die Organisation der Partei und von Wahlkämpfen. Die Landtags- und die Bundestagswahl 2013 waren aus Sicht der CSU erfolgreich. Wie anderen vor und nach ihm führte der nächste Karriereschritt ins Bundeskabinett – als Verkehrsminister.

    Alexander Dobrindt, die Maut und der Abgasskandal

    Dass er als Bundesminister mit der PKW-Maut für Ausländer, die er als Generalsekretär gemeinsam mit Seehofer zum Wahlkampfschlager 2013 gemacht hatte, und dem Abgasskandal zu kämpfen hatte und harscher Kritik aus den Reihen der Opposition ausgesetzt war, das haben viele vergessen. Diese Themen verbinden die meisten mit Dobrindts Nachfolger an der Spitze des Bundesverkehrsministeriums Andreas Scheuer (CSU).

    Dobrindt scheint sich in seiner Rolle als Landesgruppenchef wohlzufühlen. In dieser Funktion kann er seine strategischen Fähigkeiten ausspielen, kann auch ab und an wie in seiner Zeit als Generalsekretär den Haudrauf geben, kann aber gleichzeitig auch hinter den Kulissen wirken.

    Basis skeptisch bis wohlwollend

    Wer sich in der Partei umhört, findet Menschen, die Dobrindt gewogen sind. Sie sagen Dinge wie: "Es gibt immer die Aushängeschilder und die im Maschinenraum. Im Maschinenraum macht er keinen schlechten Job." Er mache einen guten Job, löse aber im Volk keine Jubelstürme aus. Ein Kabinettsmitglied formuliert es so: "Er ist einer der leistungsstärksten und klügsten Köpfe, die wir haben. Aber er kommt erstmal nicht rüber."

    Ähnlich klingt ein CSU-Mann, der bedauert, dass Dobrindt nicht vermittelt, wie fleißig, fundiert und zugänglich er ist. Die Skeptischen attestieren ihm immerhin "vernünftiges Management", bemängeln aber fehlendes Charisma und ein inhaltliches Projekt. "Er hat sich Akzeptanz erarbeitet, beliebt ist er nicht", sagt ein Parteivorstandsmitglied. Es gibt auch die, die sehr wenig von Dobrindt halten und lieber CDU-Politiker für den Wahlkampf vor Ort einladen als den eigenen Spitzenkandidaten.

    Zukunft für Dobrindt in Berlin – aber in welcher Rolle

    Was wird aus dem Spitzenkandidaten Dobrindt nach der Bundestagswahl? Fragt man Parteifreunde, rechnen alle damit, dass er Chef der Bundestags-CSU bleiben und nicht ins Bundeskabinett wechseln möchte.

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