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Dorfansicht Raiten mit Flatterband
© Bayerischer Rundfunk 2019

Autoren

Christine Haberlander
© Bayerischer Rundfunk 2019

Dorfansicht Raiten mit Flatterband

Räumung im Landkreis Traunstein: Wegen akuter Lawinengefahr haben die Einwohner im Schlechinger Ortsteil Raiten ihre Häuser verlassen müssen. Das teilte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd mit. Etwa 100 Menschen wurden in Notunterkünften untergebracht. Teilweise sind die betroffenen Bewohner bei Familienangehörigen, Freunden und Bekannten untergekommen. Für alle anderen organisieren Landratsamt und Gemeinde eine Notunterkunft. Die Räumung ist inzwischen beendet, wie das Landratsamt Traunstein am Mittwochabend mitteilte.

Es sei "eine ganz schwierige Lage", sagte Landrat Siegfried Walch in einer Video-Botschaft auf Facebook und YouTube. "Ich verstehe schon, wenn die Leute nicht aus ihren Häusern herauswollen." Man habe den Schritt aber genau überlegt. Er sei nötig, "weil der Ortsteil von einer Staublawine getroffen werden kann". Sicherheit habe oberste Priorität.

Ein Hubschrauber mit Mitgliedern der Lawinenkommission hatte beim Überflug der Chiemgauer Alpen auf der Hochplatte tiefe Risse in einem Schneehang entdeckt. Die Experten sahen den Ortsteil bedroht und gaben eine Empfehlung für die Räumung der Häuser.

100 Bürger nach Unterwössen gebracht

250 Menschen sind in Raiten mit Hauptwohnsitz gemeldet. 100 wurden von den Einsatzkräften angetroffen und nach Unterwössen gebracht. Sie werden dort versorgt. Auch wurde die Verbindungsstraße zwischen Unterwössen und Raiten gesperrt.

Auf dem Hang oberhalb von Raiten, der mit dem vielen Schnee abzurutschen droht, ging 2009 schon einmal eine Lawine ab. Damals wurde der ganze Wald weggerissen, bis auf wenige Bäume. Deshalb fehlt nun eine natürliche Lawinen-Sperre. Bedroht sei in Raiten die Wasserversorgung und die Wohnbebauung, sagte Bürgermeister Sepp Loferer. Er betonte, dass die Bürger für die angeordnete Räumung Verständnis gehabt und besonnen reagiert hätten.

Hohe Lawinengefahr in Bayern

Zwar hat sich die Wetterlage in Südbayern nach den heftigen Schneefällen der vergangenen Tage entspannt, aufgrund des Tauwetters ist die Lawinengefahr aber weiterhin hoch. In den bayerischen Alpen ist sie laut Lawinenwarndienst erheblich (Stufe 3 von 5), in den Hochlagen groß (Stufe 4 von 5).

In den Landkreisen Miesbach, Berchtesgadener Land und Traunstein gilt weiterhin der Katastrophenfall. Aufgehoben wurde er am Dienstag in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen.

Viele Straßen und Bahnstrecken wieder frei

Tausende Helfer waren in Südbayern tagelang im Schnee-Einsatz. Und noch immer wird auf den Dächern geschaufelt, um die Schneelast wegzubringen. Allein 1.300 Hilfskräfte kämpfen im Landkreis Traunstein weiter gegen die Schneemassen.

Die Bahn und die verschiedenen Verkehrsunternehmen in Südbayern setzen heute und morgen die meisten gesperrten Strecken wieder in Betrieb. Auch auf den Straßen entspannt sich die Lage. Der Fernpass zwischen Deutschland und Österreich ist wieder geöffnet. Zahlreiche Bundesstraßen in Bayern sind aber noch gesperrt. Über den aktuellen Stand der Sperrungen können Sie sich hier informieren.