Der Unverpackt-Laden in Frammersbach im Landkreis Main-Spessart.
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Vor drei Jahren hat Julia Mill den Unverpackt-Laden in Frammersbach gegründet.

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Aktionsmonat gegen Plastik: Letzte Chance für Unverpackt-Laden?

Ein Viertel Umsatzeinbußen seit dem Ukraine-Krieg – auch der Unverpackt-Laden in Frammersbach im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart kämpft ums Überleben. Inhaberin Julia Mill sieht den Aktionsmonat des plastikfreien Julis als letzte Chance.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Heute beginnt der "plastic free July", der Aktionsmonat Juli für Klimabewusstsein und gegen mehr Plastikmüll. Die Australierin Rebecca Prince-Ruiz hatte diesen 2011 ins Leben gerufen – im vergangenen Jahr verzichteten weltweit 140 Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Monat lang auf Plastik. Auch im Laden von Julia Mill ist kein Plastik zu finden – und zwar dauerhaft. Sie hat vor drei Jahren den Unverpackt-Laden in Frammersbach im Landkreis Main-Spessart gegründet. Die 32-Jährige sieht den Juli als ihre letzte Chance, ihren Laden vor dem Aus zu retten.

Umsatzeinbruch seit Ukraine-Krieg

"Die aktuelle Situation ist schwierig, es ist einfach ein deutlicher Umsatzrückgang seit letztem Jahr zu vermerken. Deswegen werden wir jetzt nochmal gezielt kreativ, um die Leute, die noch nicht hier einkaufen, anzusprechen", sagt Mill. Die gelernte Erzieherin steht in hellblauer Schürze hinter der Kasse und beschriftet Pappschilder mit speziellen Aktionen für den Juli. Diese hängt sie anschließend in ihr Schaufenster. Seit Beginn des Ukraine-Krieges und der Inflation sind ihre Umsätze um ein Viertel zurückgegangen, vielen anderen bayerischen Unverpackt-Läden geht es ähnlich. Durchschnittlich 20 Kundinnen und Kunden kaufen in Frammersbach täglich ein, aber viele können sich aufgrund der Inflation und gestiegener Lebensmittelpreise weniger leisten, sie sparen an Nahrungsmitteln.

Spezielle Aktionen im Juli

Aber Mill hat ihren Optimismus noch nicht verloren. Im Juli möchte die 32-Jährige mit besonderen Aktionen die Werbetrommel rühren, damit ihr Unverpackt-Laden überleben kann. So gibt es etwa Rabatte, Führungen durch das Lager, eine Kleidertauschparty und eine Kundinnen-werben-Kundinnen-Aktion. Über 300 Produkte verkauft Mill unverpackt: Von Nudeln über Nüsse bis hin zu Trockenfrüchten und Shampoo.

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Ladenbesitzerin Julia Mill versucht im Juli, mit Aktionen neue Kundinnen und Kunden zu werben.

Jährlich 103 Kilogramm Verpackungsmüll pro Person

Kundin Isabel Staps kauft hier regelmäßig ein, an diesem Tag kurz bevor sie in den Urlaub fährt: "Zum einen natürlich, um Müll zu sparen. Da, wo es geht, muss man ja keine Ressourcen verschwenden. Und zum anderen, weil wir hier wissen, dass wir Produkte in guter Qualität kriegen und dass wir uns genauso viel kaufen können, wie wir gerade brauchen. Und dann nicht die Dinge im Vorratsschrank ranzig werden, weil wir zu große Packungen gekauft haben", sagt sie. Jede und jeder von uns in Deutschland produziert im Jahr durchschnittlich 103 Kilogramm Verpackungsmüll. Oft gelangen Plastiktüten ins Meer, dort brauchen sie zehn bis 20 Jahre, um sich zu zersetzen. Bei PET-Flaschen sind es rund 450 Jahre.

Unverpackt-Laden als Herzensprojekt

Es sind Daten wie diese, die Mill dazu gebracht haben, vor drei Jahren ihren Unverpackt-Laden zu gründen. Sie wollte auch ihrer Familie ermöglichen, plastikfrei einzukaufen. Mittlerweile bräuchten sie zu fünft keinen Gelben Sack mehr und so gehe es auch den Kundinnen und Kunden, sagt Mill: "Dadurch, dass es so einen Laden gibt, ist es möglich, plastikfrei einzukaufen. Wenn es diesen nicht gibt, dann gibt es auch die vollen gelben Säcke wieder, die wir ja versuchen, zu vermeiden." Ein Problem jedoch: Viele Menschen würden unverpackt automatisch als teuer abstempeln. Ein Großteil der Produkte sei zwar Bio, laut Mill aber nicht teurer als andere, mit Plastik verpackte Bio-Produkte. Auch darauf möchte Mill im Juli aufmerksam machen.

Laden schließen? Bilanz im Herbst

Bayernweit gibt es laut dem Verband der Unverpackt-Läden 85 beim Verband registrierte Geschäfte. Im Januar 2022 waren es noch über 120, die meisten von ihnen hätten in der zweiten Jahreshälfte des vergangenen Jahres geschlossen. Mill hofft, dass sie nicht die nächste sein wird und dass der plastikfreie Juli ihre Umsätze wieder erhöhen wird. Im September soll außerdem ein eigener Lieferservice des Unverpackt-Ladens dazukommen. Und im November wird Mill dann Bilanz ziehen, ob sie ihren Unverpackt-Laden schließen muss oder ob die Aktionen erfolgreich waren.

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