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Roswitha Mayr ist seit 38 Jahren Schulweghelferin in München
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Roswitha Mayr ist seit 38 Jahren Schulweghelferin in München

7.15 Uhr im Münchner Stadtteil Untermenzing. Roswitha Mayr steht ganz in neon-gelb gehüllt neben einer Ampel. Hunderte Grundschüler müssen hier über eine schmale Straße. Das Problem: der Autoverkehr.

"Die Autofahrer sind wirklich rücksichtsloser geworden. Sehr sogar. Selbst wenn ich auf der Straße stehe, fahren noch welche durch." Roswitha Mayr, Schulweghelferin

Mit ihrer weiß-roten Kelle begleitet Roswitha die Kinder über die Straße. Vier Mal am Tag. Und das seit 38 Jahren. Für die Eltern ist Frau Mayr ein Segen. Besonders in Großstädten wie München, wo der Autoverkehr immer mehr zunimmt, sind Schulweghelfer wie Roswitha Mayr laut Polizei unerlässlich.

"Durch Ihre Warnkleidung und durch ihre Anwesenheit haben sie zwei Funktionen. Einmal sammeln sie natürlich die Schüler und achten darauf, dass sie nicht unachtsam über die Straße gehen (...) Und zum anderen signalisieren sie natürlich auch den Autofahrern. ‘Achtung: Hier ist eine gefährliche Stelle, hier gehen Schüler drüber.’ Und tatsächlich ist es so, dass da, wo die Schulweghelfer sich an neuralgische Punkte stellen, dass dort in den letzten Jahrzehnten kein tödlicher Unfall mehr passiert ist.“ Michael Reisch, Polizei München

Schulweghelfer dringend gesucht

Damit gehören die ehrenamtlichen Schulweghelfer zu den effektivsten Lösungen, um Schulwegunfälle, vor allem tödliche, zu vermeiden. Das Problem: Die Schulweghelfer werden weniger. Vor zehn Jahren waren es bayernweit noch über 31.000, mittlerweile sind es nur rund 28.000. Und dieser Trend spiegelt sich auch bei den Unfallzahlen wieder. Im vergangenen Jahr gab es 707 Schulwegunfälle — ein Anstieg von knapp vier Prozent. Vier Schüler sind dabei in Bayern ums Leben gekommen.

50 Jahre Aufklärungsarbeit zum sicheren Schulweg

Anfang der 70er Jahre starben in Bayern allerdings noch bis zu 35 Kinder pro Jahr auf ihrem Schulweg. Das diese Zahl deutlich gesunken ist, ist auch ein Verdienst der großen Aufklärungskampagne „Sicher zur Schule – Sicher nach Hause“, die heuer 50 Jahre alt wird.

Die Aktion wurde vom BR mitgegründet und arbeitet mit verschiedenen Partnern zusammen wie Verkehrswacht, Polizei, ADAC und TÜV. Das Ziel: Mit Öffentlichkeitsarbeit, Seminaren und Plakat-Aktionen die Verkehrsteilnehmer sensibilisieren und die Sicherheit auf den Schulwegen erhöhen.

Stadt München bleibt Risiko-Gebiet

In der wachsenden Stadt München ist die Lage allerdings problematisch, dort gab es 2018 eine deutliche Steigerung um 40 Prozent auf 119 Schulwegunfälle. Obwohl es hier 540 Schulweghelfer gibt - im prozentualen Vergleich ist das recht viel - würde man sich deswegen noch mehr wünschen, so Daniela Schlegel vom Kreisverwaltungsreferat München.

Verschärft wird das Problem laut Schlegel vor allem dadurch, dass Eltern, die es wahrscheinlich gut mit den Kindern meinen, für noch mehr Autoverkehr vor Schulen sorgen.

„Wir haben bereits jetzt schon vor vielen Schulen ein Problem mit den sogenannten Elterntaxis, also Eltern, die ihre Kinder aus den unterschiedlichsten Gründen zur Schule bringen. Und uns wäre es natürlich am liebsten, dass so viele Kinder wie möglich zu Fuß zur Schule kommen oder zumindest die letzten 100 oder 200. Für die Kinder ist es einfach wichtig, dass sie eigene Erfahrungen sammeln können.“ Daniela Schlegel, Kreisverwaltungsreferat München.

Diese Erfahrungen, so Schlegl, sind spätestens dann entscheidend, wenn die Kinder auf weiterführende Schulen gehen. Denn dann sind sie meist auf sich alleine gestellt.

"Einfach den Kindern zuliebe"

Im Münchner Stadtteil Untermenzing wird die 78-jährige Roswitha Mayr weiter vier Mal pro Tag Kindern über die Straße helfen. Nach 48 Jahren Ehrenamt weiß sie, warum sie es tut.

"Einfach den Kindern zuliebe - und mir gibt’s ja auch ein gutes Gefühl: Da denk ich mir einfach, ich hab zumindest etwas Gutes gemacht." Roswitha Mayr, Schulweghelferin