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Aktion "Gedeckter Tisch": Gastgewerbe protestiert gegen Lockdown | BR24

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Seit fast vier Monaten im Lockdown, das heißt für Restaurants und Hotels kaum oder gar keine Einnahmen. Wann sie wieder öffnen dürfen, ist unklar. In vielen Betrieben geht es um die Existenz.

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Aktion "Gedeckter Tisch": Gastgewerbe protestiert gegen Lockdown

Während Friseure, Baumärkte und Blumenläden in Bayern wieder öffnen dürfen, müssen Restaurants, Bars und Hotels weiter geschlossen bleiben. Die Branche leidet und hat ihrem Ärger nun mit einer landesweiten Protestaktion Luft gemacht.

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Von
  • BR24 Redaktion
  • David Donocik
  • Renate Rossberger
  • Inga Pflug
  • Andi Ebert

Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband Dehoga hatte seine Mitglieder am Montag zu der landesweiten Protestaktion "Gedeckter Tisch & gemachtes Bett" aufgerufen - ein stiller Protest, mit dem auch das bayerische Gastgewerbe auf seine immer bedrohlichere Lage angesichts des Corona-bedingten Lockdowns aufmerksam machen will.

Stiller Protest in Oberbayern

So haben etwa am Paradeplatz in Ingolstadt mehrere Betriebe über 20 Betten und teils aufwendig gedeckte Tische aufgestellt, um ein Zeichen zu setzen. Den Unternehmern gehe es nicht um Öffnungen um jeden Preis oder gar auf Kosten der Gesundheit, betonte der Verband Dehoga. Vielmehr wolle man die Forderung nach verlässlichen Perspektiven und verantwortbaren Szenarien unterstreichen, auf die sich die Betriebe vorbereiten könnten.

Sorge in vielen Tourismusorten in Niederbayern

In Bodenmais im Landkreis Regen wurden ebenfalls Tische und Betten aufgestellt - symbolträchtig vor dem Rathaus. Unterstützung bekamen die Gastronomen und Hoteliers von ihrem Bürgermeister Joli Haller (CSU). Er schließt sich der Forderung nach einer Öffnungsperspektive an. Der Ort, der fast ausschließlich vom Tourismus lebt, spürt den nun schon seit vier Monaten dauernden Lockdown auch in der eigenen Gemeindekasse und sorgt sich um die Betriebe.

Man fühle sich von der Politik komplett vergessen, so Hotelier Franz Adam: "Wir werden ja nicht mal mehr genannt". Dabei sei der Tourismus die Branche, die im November als erste schließen musste, aber nun noch immer kein Ende des Lockdowns genannt bekomme. Zu den bisher vier Monaten "Winterlockdown" kämen fast drei Monate im Frühjahr 2020, die man verkraften müsse.

Man könne als Betrieb auch nicht ewig von Schulden leben, die man irgendwann auch wieder zurückzahlen müsse. Auch das Personal könne die lange Kurzarbeit nicht durchstehen. Die staatlichen Hilfen für die Betriebe kämen viel zu langsam und zögerlich. Manche hätten noch nicht einmal die Novemberhilfe erhalten, so Adam.

Gastgewerbe im Allgäu unter Druck

Auch im Allgäu ist der Unmut in den Hotel- und Gastronomiebetrieben groß. Bereits am Wochenende hatte es dort Proteste gegeben. Heute nun beteiligte sich die Region auch an der Aktion "Gedeckter Tisch & gemachtes Bett". Laut der Dehoga ist der Tourismus im Allgäu einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren.

Auch Franken setzt ein Zeichen

An der Aktion beteiligten sich ebenso Hoteliers und Gastronomen in Franken. So wollte etwa eine Gastwirtin in Muhr am See, im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, ein Bett mit Nachttisch und Blumen aufstellen, und auch auf dem Zirndorfer Marktplatz im Landkreis Fürth, sollten heute gedeckte Tische und gemachte Betten stehen.

In Mittelfranken habe nach Angaben der Dehoga sogar in jeder Kreisstadt mindestens ein Tisch gestanden - etwa in Nürnberg und auch im oberfränkischen Coburg - dort befanden sich die Tische und Betten auf dem Marktplatz und vor dem Landratsamt.

Der stille Protest solle darauf aufmerksam machen, dass die Hygiene-Konzepte der Branche im vergangenen Frühjahr und Sommer funktioniert hätten, sagte Barbara Glauben, stellvertretende Dehoga-Kreisvorsitzende in Coburg. Die momentane Perspektivlosigkeit mache den Betreibern und den Angestellten schwer zu schaffen.

Der Termin für die heutige Protestaktion sei bewusst gewählt, so Glauben. Die Gastronomen und Hoteliers wollen vor den nächsten Bund-Länder Beratungen am kommenden Mittwoch nicht vergessen werden.

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Angesichts des anhaltenden Lockdowns haben sich Hoteliers und Gastronomen an einer bayernweiten Protestaktion beteiligt.

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Mit der Protestaktion "Gedeckter Tisch" macht der Hotel- und Gaststättenverband in ganz Bayern auf seine schwierige Lage aufmerksam.

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