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Aktion für Barrierefreiheit: Würzburger Verein baut Legorampen | BR24

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Der inklusive Verein "WüSL - Selbstbestimmt Leben Würzburg" setzt sich für mehr Rollstuhlrampen im Stadtgebiet ein. Dafür sammelt er nun Legosteine, um ein buntes Signal an die Gesellschaft zu senden.

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Aktion für Barrierefreiheit: Würzburger Verein baut Legorampen

Es ist ein Signal für mehr Barrierefreiheit. Der Würzburger Verein WüSL baut Rampen aus Legosteinen und will sie an Schwellen installieren, die für Menschen mit Rollstuhl Problemstellen sind. Jetzt ist die erste Rampe fertig und war im Praxistest.

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Manchmal sind es fünf, manchmal zehn Zentimeter: Bordsteine und Schwellen vor Cafés, Läden, Büros oder Arztpraxen. Für Michael Gerr aus Würzburg sind diese vermeintlich kleinen Hürden ein großes Problem, das er ohne Hilfe oft nicht überwinden kann. Denn Michael Gerr sitzt im Rollstuhl. Und weil er sich in seiner Stadt möglichst barrierefrei bewegen möchte, hat er gemeinsam mit anderen Aktiven des Vereins "WüSL - Selbstbestimmt Leben Würzburg" ein Projekt mit Signalwirkung gestartet: Legorampen für die Innenstadt.

Inklusiver Verein bittet um Legostein-Spenden

Seit Juli sammelt der Verein Legostein-Spenden für die Aktion. An verschiedenen Orten der Stadt sind Sammelbehälter aufgestellt, in einem Café in der Zellerau oder im Eingangsbereich der Umweltstation etwa. Demnächst soll ein Behälter in der Stadtbücherei folgen. So richtig viele Steine seien zwar noch nicht eingeworfen worden, erzählt Michael Gerr. Aber es gab auch Geldspenden für das Projekt. Deshalb habe man sich ein paar Steine zugekauft, um ab sofort ganz konkret an der Barrierefreiheit in Würzburg mitzubauen.

© BR/Jochen Wobser

Es ist ein Signal für mehr Barrierefreiheit. Der Würzburger Verein WüSL baut Rampen aus Legosteinen und will sie an Schwellen installieren, die für Menschen mit Rollstuhl Problemstellen sind. Jetzt ist die erste Rampe fertig.

Legorampen-Vorbilder in Köln und Hanau

Und so sind die Büroräume der WüSL-Beratungsstelle in der Spiegelstraße seit einigen Tagen eine Legorampen-Werkstatt. Einige hundert Steine werden pro Rampe verbaut. Das brauche schon seine Zeit, erzählt Michael Gerr. "Wir haben jetzt zwei Rampen fertig, das nimmt schon einige Stunden in Anspruch. Aber man muss die Schichten eben sorgfältig aufbauen, die Rampen sollen ja auch stabil sein." Entscheidend sei, dass die Steine versetzt auf die Grundplatte gesteckt werden, damit sich bei Belastung der Druck optimal verteile, ergänzt Julian Wendel von WüSL. Der junge Mann im Elektro-Rollstuhl hat die Bauanleitungen aus dem Internet genau studiert.

Aktion soll Barrierefreiheit in den Fokus rücken

Vorbild für die Aktion sind Städte wie Hanau oder Bielefeld, wo bereits Legorampen im Stadtgebiet installiert sind. Der Würzburger Verein ist derzeit im Gespräch mit der Stadt, um die Bürokratie für das Anbringen der Rampen zu klären. Sicherheitsbedenken seien völlig unnötig, sagt Julian Wendel. "Diese Rampen sind wetterfest und stabil, da könnte auch ein Auto drüberfahren." Dennoch verstehen die Aktiven von WüSL ihre Legorampen als vorübergehende Lösung. "Die Rampen sollen natürlich befahrbar sein, aber in erster Linie wollen wir die Aufmerksamkeit auf das Thema Barrierefreiheit lenken. Wir hoffen, dass unsere Rampen eines Tages durch bauliche Maßnahmen ersetzt werden."

© BR/Jochen Wobser

Behälter für Legostein-Spenden in der Würzburger Innenstadt

Erster Praxistest erfolgreich - Fortsetzung folgt

Zehn Rampen will der Verein nun innerhalb eines Jahres bauen und im Stadtgebiet anbringen. Kontakte mit Ladeninhabern gebe es bereits, sagt Michael Gerr. Der erste Praxistest an einem Bordstein in der Herzogenstraße verläuft jedenfalls nach Plan. Dank der knapp zehn Zentimeter hohen Legorampe meistern Michael Gerr und Julian Wendel die Hürde ohne Hilfe. Und noch ein Pluspunkt der Rampen zeigt sich bei der Anwendung im öffentlichen Raum. Die bunten Rampen sind ein Blickfang. "Die Leute schauen, sie lächeln, sie fragen nach", sagt Julian Wendel. "Das ist genau, was wir wollen: Mit Menschen ins Gespräch kommen und dafür sensibilisieren, dass Barrierefreiheit nicht für alle selbstverständlich, aber für alle wichtig ist."

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