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Das Recycling-Unternehmen Walch recycelt Abfälle aus der Lithium-Ionen-Akku-Herstellung.

Das Recycling-Unternehmen Walch recycelt Abfälle aus der Lithium-Ionen-Akku-Herstellung.

Bildrechte: BR24/Annika Svitil
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Akkus und seltene Erden: Verringert Recycling die Abhängigkeit?

Nach zwei Jahren Pandemie muss die Industrie noch immer mit Lieferengpässen leben. Doch Rohstoffe wie seltene Erden sind essentiell für die Auto- und Elektroindustrie und immer begehrter. Ein Unternehmen in Mittelfranken recycelt diese Stoffe.

Von
Annika SvitilAnnika Svitil
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Es begann mit Telefonsteckern in der Garage vor über 25 Jahre. Doch die Zeiten und auch der Abfall, den die Menschen produzieren, ändern sich. Heute ist Recycling Walch aus Baudenbach im Landkreis Neustadt Aisch/Bad Windsheim eines der wenigen bayerischen Unternehmen, die seltene Erden und Lithium-Ionen-Batterien recyceln.

Ein Drittel Lithium-Ionen-Batterien

In Baudenbach werden hauptsächlich Buntmetall, Elektronikschrott aus der Medizintechnik und Rohstoffe aus Lithium-Ionen-Batterien recycelt. Vor allem letzteres ist zunehmend gefragt. Der Grund: Es sind immer mehr Batterien und Akkus im Einsatz. Egal, ob beim Akkuschrauber, in E-Bikes oder in der Automobilindustrie, erklärt Geschäftsführer Matthias Walch.

Für Batterie-Recycling belächelt

Seit 2009 recycelt die Firma Walch Batterien. Das wurde jahrelang von Kollegen belächelt, sagt Matthias Walch heute grinsend. Als die ersten Elektro-Autos auf den Markt kamen, bezweifelten andere Recycling-Unternehmen, dass sich diese auf dem Markt durchsetzen würden. Gleichzeitig dachte man nicht, dass die Produktion jemals nach Europa kommen würde. Diese Denkweise änderte sich ab 2019. Da hatte Walch schon genug Erfahrung und das Recycling-Verfahren so weiterentwickelt, dass Vorgänge bereits effektiv und wirtschaftlich abliefen.

Am Recyclinghof Walch in Baudenbach im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim werden auch Lithium-Ionen-Batterien recycelt.

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Nachfrage nach seltenen Erden steigt

Das Landesamt für Umwelt bestätigt, dass es sehr wichtig ist, seltene Erden und Stoffe für Batterien zu recyceln. Das sind zum Beispiel Nickel, Lithium, Grafit oder Kobalt. Sina Scherer vom Ressourceneffizienz-Zentrum des Landesamts für Umwelt erklärt, dass sich das weltweite Vorkommen von seltenen Erden auf wenige Länder konzentriert. So stellen beispielsweise nur drei Länder 90 Prozent des weltweiten Angebots an Lithium, Australien allein ist mit 50 Prozent dabei. Das Problem ist, dass Lithium aktuell nicht ersetzt werde, so Scherer. Bei Kobalt ist man noch eingeschränkter: Hier kommen 69 Prozent allein aus der Demokratischen Republik Kongo.

Seltene Erden werden gebraucht

"Der Bedarf ist groß, wir brauchen seltene Erden für zukunftsrelevante Bereiche wie Batterieentwicklung, Brennstoffzellen, für die Elektromobilität und die Hightech-Branche," fasst Sina Scherer vom Ressourceneffizienz-Zentrum das Dilemma zusammen. Weil Unternehmen von Importen abhängig sind, müssen sie je nach Verfügbarkeit auch hohe Preisschwankungen hinnehmen. Aktuell kommen Lieferengpässe durch die Corona-Pandemie dazu. Hier gibt es auch bei der Fracht große Preisunterschiede. Matthias Walch nennt ein aktuelles Beispiel: Die Frachtkosten für Grafit sind derzeit teurer als das Material selbst.

Seltene Erden Schürfen ist nicht umweltfreundlich

Jedes Gramm, dass an Edelmetallen und seltenen Erden wiedergewonnen wird, zählt, sagt Matthias Walch ernst. Denn der Aufwand, Erz aus der Erdkruste zu schürfen, ist sehr hoch und vor allem sehr umweltschädlich. In einer Tonne geschürftes Erz stecken zehn Gramm Gold, in einer Tonne recycelten Platinen 30 bis 80 Gramm. Damit ist Recycling nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch effizienter.

Problem der Wirtschaftlichkeit

Objektiv betrachtet gibt es keinen Grund, der gegen Recycling solcher Rohstoffe spricht. Doch so einfach ist es nicht, sagt das Landesamt für Umwelt. Für viele Recycling-Unternehmen ist das Verfahren einfach zu teuer. Sina Scherer bezieht sich auf eine Umfrage unter produzierenden Unternehmen aus dem Jahr 2016, die das bestätigt. Dabei sei herausgekommen, dass nur drei bis acht Prozent der verwendeten seltenen Erden wirklich recyceltes Material waren.

Das Unternehmen Walch hat über Jahrzehnte versucht, Prozesse effizienter zu machen und eigene innovative Lösungen entwickelt. Die Firma arbeitet inzwischen wirtschaftlich und wurde auch durch Forschungsprojekte über den Umweltpakt Bayern unterstützt.

Recycling wichtig, aber nicht genug

Doch selbst wenn mehr bayerische Unternehmen seltene Erden recyceln würden, würden die Rohstoffe für die Produktion in Bayern und Deutschland nicht reichen. Die Nachfrage ist laut Sina Scherer einfach zu hoch. Allerdings könne man seinen Teil dazu tun und müsse vor allem mehr tun.

Ausblick in die Zukunft

Sina Scherer bleibt hoffnungsvoll. Man sei in Bayern in Sachen Forschung auf einem guten Weg. Durch ihre Arbeit im Ressourceneffizienz-Zentrum werden Unternehmen bei der Verwendung von recyceltem Material unterstützt. Da geht es für Scherer allein beim Produktdesign los. Denn durch bestimmte Formen und Bauweisen kann der Recycling-Prozess begünstigt werden.

In alten Röntgenröhren sind rund zehn wertvolle Rohstoffe enthalten.

Bildrechte: BR24/Annika Svitil

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