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AKK sieht bei Führungsfrage "keinen Stress" - CSU erhöht Druck | BR24

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Nach dem angekündigten Rückzug von CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer dringt CSU-Generalsekretär Blume auf Mitsprache seiner Partei beim nächsten Kanzlerkandidaten. Er verlangte die Personalentscheidungen vor der Sommerpause zu klären.

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AKK sieht bei Führungsfrage "keinen Stress" - CSU erhöht Druck

Annegret Kramp-Karrenbauer will sich "keinen Stress" machen, um die Führungsfrage in der CDU zu klären. Die CSU gibt kräftig Kontra: Die Christsozialen halten die Pläne der scheidenden CDU-Chefin für "abwegig" und pochen auf schnelle Entscheidungen.

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Markus Söder hatte sich eine neue Harmonie in der Union auf die Fahnen geschrieben: Als neuer CSU-Chef wollte er nach dem erbitterten Asylstreit zwischen Horst Seehofer und Angela Merkel wieder ein Miteinander mit der CDU. Söder wurde nicht müde zu betonen, wie gut er mit der Annegret Kramp-Karrenbauer zusammenarbeite. Und die CDU-Chefin schwärmte: "Wir beide bilden eine Achse."

Nachdem AKK ihren Rückzug angekündigt hat, scheint die Achse wieder brüchig: Die CSU läuft Sturm gegen Kramp-Karrenbauers Plan, sich mit der Regelung ihrer Nachfolge noch bis Jahresende Zeit zu lassen.

Scharfe Kritik von Dobrindt

Am Montagabend hatte Söder seine Kritik am AKK-Zeitplan noch diplomatisch verpackt, mittlerweile hat die Wortwahl der CSU-Führungsriege deutlich an Schärfe gewonnen. Den Anfang machte am Vormittag der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Dobrindt: Der Zeitplan von Kramp-Karrenbauer sei "abwegig" und ohne Chance auf Umsetzung, kritisierte er in Berlin. "Krisenhafte Situationen bewältigt man nicht durch das Zelebrieren der Krise, sondern durch Handeln." Offene Führungsfragen müssten schnell geklärt werden, betonte der CSU-Landesgruppenchef.

CSU-Generalsekretär: Erst CDU-Vorsitz klären, dann Kanzlerkandidatur

In München trat CSU-Generalsekretär Markus Blume vor die Mikrofone und warnte die Schwesterpartei eindringlich vor einer "monatelangen Hängepartie". "Selbstbeschäftigung über einen langen Zeitraum führt automatisch nach unten", sagte er. Die offenen Folgen müssten rasch geklärt werden.

Während Kramp-Karrenbauer der Meinung ist, die CDU sollte zunächst einen Kanzlerkandidaten küren und diesen dann auch zum Parteichef machen, pocht Blume auf die umgekehrte Reihenfolge: "Es ist ganz offensichtlich, dass die CDU zunächst mal ihre Führungsfrage klären muss: Das ist die Frage des Parteivorsitzes." Erst danach würden CDU und CSU gemeinsam die Frage der Kanzlerkandidatur entscheiden.

Söder lehnt langes Verfahren ab

Ähnlich äußerte sich vor den bayerischen CSU-Landtagsabgeordneten auch Söder. In einer CSU-Fraktionssitzung sagte er nach Teilnehmerangaben, es dürfe kein langes Verfahren geben. Zunächst müsse die Frage des CDU-Vorsitzes geklärt werden, dann die Kanzlerkandidatur - zusammen mit der CSU. Schon am Montag hatte er im BR-Interview klargestellt, die Union müsse früher als nur im Lauf des Jahres einen Entscheidungsweg finden. Die CDU warnte er vor einem halbjährigen "Schönheitswettbewerb".

Bereits zu Jahresbeginn hatte Söder verlangt, dass die Union die Frage ihres Kanzlerkandidaten nicht erst im Herbst oder Winter klären sollte, sondern schon im Sommer - gleichzeitig mit der von ihm geforderten Umbildung des Bundeskabinetts.

Kritik auch aus der CDU

Auch in der CDU werden die Rufe nach einer schnellen Nachfolgeregelung immer lauter. Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus sagte, eine zu lange Personaldiskussion könnte die Sacharbeit der Union überlagern. Für die Fraktion bestehe "die Gefahr, dass wir uns jetzt elendiglich lange mit Personaldebatten beschäftigen". Die Personallösung solle zügig gefunden werden.

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier mahnte, seine Partei könne sich jetzt nicht ein halbes Jahr mit sich selbst beschäftigen. Niedersachsens CDU-Chef Bernd Althusmann warnte im "Weser-Kurier": "Monatelanges Zögern birgt wieder die Gefahr einer Zerreißprobe".

Kramp-Karrenbauer: "Wir müssen uns keinen Stress machen"

Kramp-Karrenbauer zeigt sich von diesen Stimmen bisher unbeeindruckt. In einer Sitzung der Unionsfraktion in Berlin sagte sie Teilnehmern zufolge, die CDU sei nicht unter Druck, einen neuen Vorsitzenden zu finden. Sie wurde mit den Worten zitiert: "Wir müssen uns keinen Stress machen."

Eine Kompromissline zwischen Söder und Kramp-Karrenbauer zeichnet sich damit vorerst nicht ab.

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Nach der Rückzugsankündigung von CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer stehen der Union turbulente Zeiten bevor. Jetzt geht es darum einen Nachfolger zu bestimmen. Zudem ist der Posten des Kanzlerkandidaten wieder frei und es geht um einen genauen Zeitplan.

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