Kultusminister Michael Piazolo beim Sonntags-Stammtisch
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Aiwangers Drag-Kritik: Piazolo fordert "Ruhe und Augenmaß"

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Aiwangers Drag-Kritik: Piazolo fordert "Ruhe und Augenmaß"

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo distanzierte sich beim BR Sonntags-Stammtisch von den Aussagen seines Parteivorsitzenden Hubert Aiwanger zu einer Drag-Lesung in München. Der Freie-Wähler-Politiker fordert mehr Gelassenheit bei dem Thema.

Über dieses Thema berichtet: Der Sonntags-Stammtisch am .

Am "Sonntags Stammtisch" wurde Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) mit der Kritik seines Parteivorsitzenden Hubert Aiwanger konfrontiert, der in der vergangenen Woche mit Äußerungen zu einer in München geplanten Drag-Lesung für Kinder für Aufsehen sorgte. Aiwanger wählte dabei drastische Worte: "Kleinkinder mit solchen Themen in dieser Form zu konfrontieren ist Kindswohlgefährdung", twitterte der stellvertretende Ministerpräsident. "Ein Fall fürs Jugendamt!"

Darauf angesprochen forderte Piazolo "Ruhe und Augenmaß bei solchen Dingen". Er äußerte Unverständnis über die Aufregung rund um die Lesung mit einem Dragking und einer Dragqueen: "Im Jahr vorher haben die beiden auch gelesen und es gab keinen Shitstorm." Er glaube, "wir tun uns als Gesellschaft leichter, wenn wir diese Themen nicht hoch emotionalisieren und kontrovers diskutieren." Darauf hingewiesen, dass er das mit seinem Parteivorsitzenden besprechen solle, antwortete er: "Das tue ich auch."

Piazolo räumt beim Lehrkräftemangel ein: "Es sind zu wenig"

Auf den Lehrkräftemangel angesprochen, entgegnete Piazolo zuerst, dass es in Bayern "so viel Lehrkräfte wie noch nie" gebe. Doch er räumte ein, dass es auch "so viele Herausforderungen wie noch nie" gebe – angesichts dessen seien es tatsächlich "zu wenig."

Von Stammgast Christian Neureuther darauf angesprochen, dass es laut Bayerischem Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) 4.000 unbesetzte Stellen gebe, entgegnete der Kultusminister schlicht: "Das stimmt nicht." Er mahnte zudem, man dürfe das deutsche Schulsystem "nicht schlechtreden". Zu den von Piazolo genannten Herausforderungen gehört auch die steigende Zahl von geflüchteten Kindern an den Schulen.

Trinkwalder: Integration "ein hartes Stück Arbeit"

So wurde am "Sonntags Stammtisch" auch über die Ergebnisse des jüngsten Flüchtlingsgipfels diskutiert. Die Sozialunternehmerin Sina Trinkwalder beschäftigt in ihrer Textilfirma Menschen aus 25 Nationen. Sie kritisierte, dass es Geflüchteten zu schwer gemacht werde, in Deutschland Arbeit zu finden. Abschlüsse aus dem Ausland würden in Deutschland viel zu oft nicht anerkannt – so kenne sie unter anderem einen geflüchteten Englischlehrer aus Syrien, der in Deutschland nicht an einer Schule unterrichten dürfe – trotz Lehrermangel.

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Sina Trinkwalder beim Sonntags-Stammtisch

Bayerns Kultusminister Piazolo erklärte daraufhin, dass eine "vierstellige Zahl" von ukrainischen Lehrerinnen bereits an Schulen unterrichte. Es gebe zudem "auch noch andere Geflüchtete, die bei uns tätig sind." Dafür müssten aber bestimmte Voraussetzungen und Qualifikationen – zum Beispiel beim Sprachniveau – erfüllt sein.

Laut Trinkwalder müssten Geflüchtete nach ihrer Ankunft in Deutschland sofort Zugang zu Sprachkursen bekommen – das passiere oft viel zu spät. Dabei sei Sprache "der Schlüssel" für Integration. Trinkwalder, die in ihrem Betrieb selbst ausbildet, kam zu dem Schluss: "Integration – nicht nur bei uns im Betrieb, sondern generell in der Gesellschaft, ist ein hartes Stück Arbeit." Kulturelle Vielfalt sei bereichernd, aber eben manchmal auch anstrengend. Dabei dürfe Integration aber keinesfalls mit "Assimilation" verwechselt werden.

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