Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Aiwanger kündigt Windkraft-Offensive an | BR24

© BR.de

Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger will mehr Windräder für Bayern - und plant eine Windkraft-Offensive. Er will noch heuer anfangen mit der Suche nach geeigneten Standorten.

59
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Aiwanger kündigt Windkraft-Offensive an

Der Ausbau der Windkraft ist in Bayern völlig zum Stillstand gekommen. Im ersten Halbjahr wurde kein einziges neues Windrad fertig. Der bayerische Wirtschaftsminister Aiwanger verspricht jetzt eine Trendwende. Doch die Branche bleibt skeptisch.

59
Per Mail sharen
Teilen

Bayerns Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger (FW) will ein Comeback der Energiewende im Freistaat. Er wünscht sich eigentlich mehrere hundert neue Windräder in Bayern. Im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk kündigt er eine Pro-Windkraft-Kampagne der Staatsregierung an:

"Die Aktion soll heuer noch beginnen: Standorte suchen, Bürgermeister ansprechen und denen lukrative Angebote machen, wie sie sich vielleicht doch für ein Windrad vor Ort entscheiden." Hubert Aiwanger, Bayerischer Wirtschafts- und Energieminister

Bayerische Windkraft-Sonderregel führt zu Stillstand

Der Zubau von Windrädern ist inzwischen bundesweit zurückgegangen. In Bayern war der Einbruch jedoch stärker und geschah schon früher. Hauptgrund dafür ist die bayerische 10H-Sonderregel für den Mindestabstand von Windkraftanlagen zur Wohnbebauung. Der muss das Zehnfache der Höhe des Windrads betragen – bei modernen Anlagen sind das fast zweieinhalb Kilometer. Ansonsten verliert das Windrad die so genannte Privilegierung im Baurecht. Das heißt: Die betroffene Gemeinde muss einen Extra- Bebauungsplan erstellen, wenn sie Windkraft erlauben will. Das Vorgehen ist aufwändig, provoziert oft Widerstand und wird kaum praktiziert.

Diese 10H-Regel hat die CSU im bayerischen Koalitionsvertrag extra noch einmal festschreiben lassen, genauso wie im Klimakompromiss der Bundesregierung: "Ich bin darüber nicht glücklich, trotzdem komme ich aus dem Koalitionsvertrag nicht heraus", sagt der Freie-Wähler-Chef Aiwanger. Man müsse nun eben versuchen, die Bürger vor Ort besser mitzunehmen und so auch trotz 10H wieder Windräder zu ermöglichen.

Windkraft-Branche bleibt skeptisch

Die Windkraft-Branche begrüßt Aiwangers Bemühungen. Sie bezweifelt aber, dass ein Durchbruch für die Windkraft in Bayern möglich ist, ohne die 10H-Abstandsregel anzutasten. "Ich denke, dass wir in geringem Maße neue Windräder sehen könnten. Aber was wir brauchen, nämlich zwei neue Windräder pro Landkreis und Jahr bis 2030, das werden wir so nicht erreichen", sagt Bernd Wust vom Landesverband Windenergie.

Wenn Windräder die 10H-Abstandsregel einhalten sollen, fallen mehr als 90 Prozent der potenziellen Standorte in Bayern weg, hat die Münchner Forschungsstelle für Energiewirtschaft errechnet. "Das ist erschreckend", so Wissenschaftler Tobias Schmid:

"Die verfügbaren Standorte, die dann noch bleiben sind insbesondere Waldgebiete in der Nähe von Naturschutzgebieten und ertragsschwach. Es sprechen also ökologische und wirtschaftliche Gründe gegen diese Standorte." Tobias Schmidt, Forschungsstelle für Energiewirtschaft

Regionale Planungsverbände könnten Windkraft wieder regeln

Der Landesverband Windenergie fordert, den Regionalen Planungsverbänden wieder eine größere Rolle bei der Suche nach Standorten für Windkraft zu geben. In den Regionalen Planungsverbänden sind die Gemeinden und Landkreise einer Region sowie die Bezirksregierung vertreten.

Man könne zum Beispiel bestimmen, dass die 10H-Regel in ausgewiesenen Windkraft-Vorrangflächen nicht gilt. Und wenn die Staatsregierung die 10H-Regel schon nicht ganz abschaffen wolle, könne sie es Gemeinden, die trotzdem Windräder auf ihrem Gebiet erlauben wollen, leichter machen. Ein einfacher Gemeinderatsbeschluss für einen Windpark statt eines extra Bebauungsplans reiche doch auch.

Ausschreibungen wären derzeit kein Problem

Der zweite Grund für die Windkraftflaute im Freistaat war die Einführung von Ausschreibungen durch die Bundesnetzagentur. Hier setzen sich die Windräder durch, die am billigsten produzieren. Projekte im windärmeren Süden Deutschlands hatten es anfangs schwer. Weil die Konkurrenz aus dem Norden aber schwächer geworden ist, wäre das derzeit kein Problem: Bei den Ausschreibungen bekam zuletzt jedes teilnehmende Projekt einen Zuschlag – aus Bayern waren aber keine dabei.

© BR24

Der Ausbau der Windkraft ist in Bayern völlig zum Stillstand gekommen. Im ersten Halbjahr wurde kein einziges neues Windrad fertig. Der bayerische Wirtschaftsminister Aiwanger verspricht jetzt eine Trendwende. Doch die Branche bleibt skeptisch.