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Aiwanger beharrt auf "Ersatz-Wiesn" - ohne Bierzelte | BR24

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Nach der coronabedingten Absage des Oktoberfestes hat Wirtschaftsminister Aiwanger sich Gedanken über eine "Ersatz-Wiesn" gemacht. Von der CSU gab es dafür Kritik. Im Sonntags-Stammtisch im BR Fernsehen konkretisierte Aiwanger seine Vorstellungen.

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Aiwanger beharrt auf "Ersatz-Wiesn" - ohne Bierzelte

Beim Sonntags-Stammtisch im BR erklärt Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, wie das Oktoberfest doch noch stattfinden könnte: ohne Bierzelte, mit Einbahnstraßen-System und Mundschutz für Bedienungen. Ähnliches sei auch im Kulturbereich denkbar.

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Direkt nach der Absage des diesjährigen Oktoberfestes hatte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) bereits eine "Ersatz-Gedenk-Wiesn" ins Spiel gebracht. Obwohl die CSU entsprechende Forderungen kategorisch ablehnt, hält Aiwanger an der Idee fest. Am "Sonntags-Stammtisch" im BR Fernsehen erklärte er, wie das im Detail aussehen könnte. Und wie ein ähnliches Konzept auch im Kulturbereich funktionieren könnte.

"Ersatz-Wiesn" mit Einbahnstraßen-System ohne Bierzelt

Laut Aiwanger könnte es im Herbst "eine Ersatz-Wiesn" geben, "eine Veranstaltung, die als Ersatz für das ausgefallene Oktoberfest kommt". Es sei nur eine Definitionsfrage, so der stellvertretende Bayerische Ministerpräsident. "Das ist halt dann ein Biergartenbetrieb mit ausreichendem Abstand, wo man sich im Einbahnstraßensystem nicht begegnet", erklärte er. "Die Bedienung hat die Maske auf. Man sitzt 1,50 Meter auseinander. Warum denn nicht?"

In ähnlicher Form könnten Biergärten auch "in den nächsten Wochen" überall in Bayern wieder öffnen, meinte Aiwanger. Während der Zeit, in der das Oktoberfest stattgefunden hätte, könnte man das auch auf der Theresienwiese umsetzen. Allerdings: "Ich gehe davon aus, dass das ohne Bierzelt stattfinden wird." Auch eine zahlenmäßige Begrenzung brachte er wegen der Corona-Ansteckungsgefahr ins Spiel, "einen Biergartenbetrieb mit tausend Gästen".

Gastronomen sollen "findige Ideen" anbieten

"Hoffentlich regnet es nicht", warf Kabarettistin Luise Kinseher in der Sendung sarkastisch ein. Ihrer Meinung nach gehöre zu jeder Form von Oktoberfest das Miteinander, entsprechende Abstandsregeln seien für die Wiesn ungeeignet. Auch die beiden Stammgäste am "Sonntags-Stammtisch", Hochschulpräsidentin Evelyn Ehrenberger und Ski-Legende Christian Neureuther, äußerten sich kritisch. Sie plädierten für Veranstaltungen in ganz Bayern zur Zeit des Oktoberfestes, statt sich auf die Theresienwiese zu konzentrieren. Moderator Hans Werner Kilz bezeichnete die Idee der "Ersatz-Wiesn" als "völlig absurd und abwegig".

Doch Wirtschaftsminister Aiwanger machte klar, dass er daran festhält.

Städte, Gemeinden und Gastronomen müssten jetzt darüber nachdenken, wie sie im Herbst wieder Veranstaltungen organisieren können. Er meinte: "Ich garantiere Ihnen, dass die Gastronomen findig genug sind, dem Publikum vernünftige Ideen anzubieten, die in fünf Monaten verantwortbar sind." Das sei wichtig für Wiesnwirte und Schausteller.

Es gehe ihm dabei nicht "um eine Retourkutsche" an Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Überhaupt gebe es keine Koalitionskrise, so Aiwanger. Er wolle nur seine Meinung äußern. "Man muss auch noch atmen dürfen", sagte er.

Konzept auch für Kunst und Kabarett

Ein ähnliches Konzept wie für die Biergärten könne laut Aiwanger auch im Kulturbereich funktionieren. In einem "größeren Freilufttheater" könnten Zuschauerinnen und Zuschauer in entsprechendem Abstand sitzen, Auftritte von Musikern oder Kabarettisten wären wieder möglich. Dabei brachte Aiwanger auch die Nutzung von Fußballstadien ins Gespräch und sagte: "Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt."

Dem widersprach Luise Kinseher, die auf Grund der Corona-Krise derzeit die Auftritte mit ihrem Kabarettprogramm "Mamma Mia Bavaria" absagen muss. "Mein Beruf lebt davon, dass ich mit meinem Publikum und das Publikum mit mir interagieren. Ich weiß, wie das ist, wenn man in halb vollen Sälen spielt: Das ist schon schwierig, da kommt keine Stimmung auf." Deshalb sei sie für ihre Branche "nicht optimistisch".

Aiwangers Ärger über die Wissenschaft

Der Chef der Freien Wähler wiederholte in der Sendung jedoch immer wieder, dass es jetzt um "intelligente Antworten" gehe und er offen sei für "kreative Lösungen". Auch Fußballspiele kann er sich mit entsprechenden Corona-Schnelltests vorstellen. Es sei eine Frage der Zeit, bis auch Ringer wieder ihren Sport betreiben können: "Wenn ich weiß, die sind beide clean, dann können sie raufen meinetwegen."

In der typischen Rubrik "Freude und Ärger der Woche" äußerte er Kritik an der Wissenschaft: Sein Ärger der Woche sei, dass es teilweise sehr widersprüchliche Aussagen von Wissenschaftlern zu bestimmten Themen gebe, wie zum Beispiel im Diskurs um die Hitzeverträglichkeit des Coronavirus. "Da sieht man schon eine Kakophonie der Wissenschaft."

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Sonntags-Stammtisch im BR Fernsehen über die Wissenschaftler geärgert. Diese würden in der Corona-Krise oft ihre Meinung geändert. Das mache es für die Politik schwierig, zu entscheiden.

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