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Airbus-Hubschrauberflüge in Augsburg – Lärm ärgert Anwohner | BR24

© Abendschau – Der Süden

Am Augsburger Flughafen werden zukünftig Piloten Einweisungsflüge für neu erworbene Hubschrauber von Airbus Helicopter Deutschland vornehmen. In den Umlandgemeinden regte sich deswegen bereits jetzt Widerstand.

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Airbus-Hubschrauberflüge in Augsburg – Lärm ärgert Anwohner

Airbus Helicopters nutzt den Flugplatz in Augsburg vermehrt, um Piloten seiner Kunden in die Bedienung neuer Helikopter einzuweisen. Die Bürger aus den Anrainergemeinden stört der Lärm der Hubschrauber, doch das Unternehmen sieht sich im Recht.

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Von
  • Barbara Leinfelder

Als Flughafenanwohnerin ist Karin Mitterbauer im Affinger Ortsteil Mühlhausen hart im Nehmen und lebt seit Jahren mit Fluglärm. Aber was aktuell passiere, sagt sie, das gehe für sie zu weit. Die Helikopter würden stundenlang über dem Ort fliegen: "Die Rotoren sind der Wahnsinn. Wenn du permanent dieses Geräusch hast, du wirst aggressiv, du sagst, bitte hör jetzt einfach auf", schildert Mitterbauer ihre Eindrücke. Ein Bürger aus Mühlhausen sagte dem BR, viele Anwohner seien fassungslos, dass es vorab keinerlei Informationen über die verstärkten Hubschrauberflüge von Airbus gegeben habe.

Luftamt Süd: keine zusätzliche Genehmigung für Hubschrauber-Flüge nötig

Hubschrauber-Piloten üben am Augsburger Flugplatz Starts und Landungen, Notfallmanöver, Abseilaktionen und mehr. Laut Airbus und dem zuständigen Luftamt Süd der Regierung von Oberbayern sind alle Flüge durch die Betriebserlaubnis des Flugplatzes gedeckt. Airbus brauche keine extra Genehmigungen für die Einweisungsflüge. Außerdem, so Airbus, gebe es Zusatz-Vereinbarungen, wonach keine Ortschaften überflogen werden sollen und die Nutzung des Augsburger Platzes durch Airbus-Helikopter maximal drei Stunden pro Tag erfolgt. Augsburg werde ohnehin nur angeflogen, wenn an den Flugplätzen in Manching oder Lagerlechfeld kein Platz sei. Laut Airbus laufen die Einweisungsflüge vor allem auf den Modellen H135 und H145. Die Helikopter mit den charakteristischen Heckrotoren gelten als verhältnismäßig leise und können zivil wie auch militärisch genutzt werden.

Lärmschutzkommission sieht kaum Spielraum für Einschränkungen

Auch wenn die Anwohner unter dem Lärm leiden: Für Roland Eichmann, den Bürgermeister der Stadt Friedberg, deren Gebiet an den Flughafen angrenzt, ist die Sache klar. Eichmann ist Vorsitzender der Lärmschutzkommission. Diese ist vom Luftamt Süd bestellt und soll Bürgermeister und Bürgerinitiativen rund um den Flughafen informieren, etwa über neue Nutzungen. Er sieht kaum Spielraum für Lärmbegrenzungen. Der Planfeststellungsbeschluss für den früheren Verkehrsflughafen Augsburg sei "äußerst großzügig" gewesen und gelte weiterhin. "Rechtlich sind uns da völlig die Hände gebunden", sagt Eichmann.

Friedbergs Bürgermeister wirbt zudem für mehr Verständnis bei den Anwohnern. Schließlich würden die neuen Hubschrauber auch an Polizei, Rettungsdienste und an Nato-Partner gehen. "Die müssen ja auch irgendwo ihr Handwerk lernen", sagt Eichmann.

Anwohner fürchten mehr militärische Nutzung durch Airbus

In Affing und rund um den Flughafen wächst jedoch der Unmut. Anwohner beobachten immer mehr Flugbewegungen und befürchten sogar, dass ihnen Informationen möglicherweise vorenthalten werden. So auch Karin Mitterbauer: "Ja, ich habe Angst, dass es immer mehr wird, und dass es militärisch wird", sagt sie. Mitterbauer befürchtet auf Dauer einen Verkauf des Flugplatzes an Airbus, weil der für die Stadt ein Zuschussgeschäft ist.

Augsburgs Wirtschaftsreferent will an "City Airport" festhalten

Die Stadt stützt den Flughafen bislang. Es habe in der Vergangenheit immer wieder diverse Interessenten gegeben, so Wolfgang Hübschle, Wirtschaftsreferent der Stadt Augsburg. Letztendlich aber habe die Stadt entschieden, den Flughafen nicht zu verkaufen, sondern unter der Marke "City Airport Augsburg" weiterzuentwickeln.

Dagegen haben die Grünen, die jetzt mit in der Stadtregierung sitzen, kein großes Interesse, den Airport weiterhin zu finanzieren: "Wir Grüne betrachten Regionalflughäfen grundsätzlich nicht als zukunftsfähige Infrastruktur und haben uns daher schon in der Vergangenheit entschieden gegen einen Ausbau des Augsburger Flughafens positioniert", so Sophia Winiger von den Augsburger Grünen auf Anfrage des BR.

Debatte um Hubschrauberlärm im Gemeinderat von Affing

Viele Fragen sind daher noch offen, die jetzt mit den Behörden neu diskutiert werden sollen, fordert Gemeinderat Gerhard Faltermeier aus Affing: "Wir müssen für unsere Anwohner entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen. Denn das, was hier läuft, das passt nicht zu dem, was mal ursprünglich geplant war an diesem Flughafen." Im Gemeinderat von Affing ist das Thema Hubschrauberlärm für heute Abend kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt worden.

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