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Afrikanische Schweinepest: Schwarzwildjagd soll verstärkt werden | BR24

© picture alliance / Reiner Bernhardt

Wildschwein im Wald (Symbolbild)

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    Afrikanische Schweinepest: Schwarzwildjagd soll verstärkt werden

    Die Afrikanische Schweinepest rückt näher. Deshalb hat Landwirtschaftministerin Michaela Kaniber (CSU) ein Maßnahmenpaket für die Schwarzwildjagd vorgestellt. Der Einsatz von Nachtsichttechnik und die Fangjagd sollen unbürokratischer möglich sein.

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    Von
    • Doris Fenske

    Seit etwa zwanzig Jahren steigt die Zahl der Wildschweine in Bayern an. Umgewühlte Äcker und Schäden für die Landwirtschaft sind die Folge. Schon deshalb schießen die Jäger immer mehr Schwarzwild. In Zeiten der Afrikanischen Schweinepest wird die Reduktion des Schwarzwildbestandes noch wichtiger, denn die Seuche kommt Deutschland immer näher. In Tschechien konnte nach einem Ausbruch die Ausbreitung zwar erfolgreich bekämpft werden, in Polen dagegen mussten erst kürzlich wieder 24.000 Hausschweine in einem Zuchtbetrieb getötet werden, weil dort Tiere infiziert waren.

    Haupt-Infektionsgefahr geht von Lebensmittelresten aus

    Nahe der polnisch-deutschen Grenze wurden auch knapp 150 infizierte Wildschweinkadaver entdeckt. Schutzzäune zwischen Brandenburg bzw. Sachsen und Polen sollen die Ausbreitung in Richtung Deutschland verhindern. Je mehr Wildschweine es gibt, desto leichter könnten sie sich gegenseitig mit der Tierseuche anstecken und desto schneller geht die Verbreitung. Die Afrikanische Schweinepest ist zwar für Menschen ungefährlich, aber für Schweine tödlich.

    Die größte Gefahr geht nicht von der gegenseitigen Infektion aus, sondern von infizierten Essensresten, wenn Wildschweine diese fressen und sich anstecken. Besonders wichtig ist es deshalb, Essensreste nicht aus dem Autofenster zu werfen oder beim Wandern im Wald liegen zu lassen. Ein Ausbruch der Schweinepest wäre vor allem für bayerische Bauern fatal. Hauptexportländer wie etwa China oder Südkorea würden sofort die Einfuhr deutschen Schweinefleischs stoppen.

    Maßnahme eins: Nachtsichttechnik erweitern

    In ihrem Maßnahmenpaket setzt Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber unter anderem auf Nachtsichttechnik. Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bayerischen Landtag, hält diese Technik für tierschutzgerecht, weil dadurch Streifschüsse vermieden werden können, nach welchen Tiere vor dem Tod noch länger leiden müssen. Der Landtag hat die Nachtzieltechnik im Waffenrecht bereits ermöglicht. Die Jagdbehörden der Landkreise müssen aber die Ausnahmen genehmigen.

    "Da sehen wir ganz große Unterschiede, je nach Landrat. Der eine möchte das eher. Der andere möchte das nicht und die Ankündigung der Ministerin ist für mich eher so ein Hilferuf an die Landratsämter. Das Ministerium hat verstanden: wir müssen anders Schwarzwild jagen. Bitte setzt das vor Ort gescheit um, damit die Bestände nach unten gehen." Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen im Bayerischen Landtag

    Maßnahme zwei: Saufang

    Auch die Fangjagd soll nach dem Willen von Ministerin Kaniber unbürokratischer möglich sein. Das sieht die Opposition allerdings kritisch. Nach Genehmigung durch die Untere Jagdbehörde können ganze Rotten in einem Saufang gefangen und dann erschossen werden. So ein Saufang ist ein Bau im Wald, in den die Schweine mit Futter gelockt werden. Da die gefangenen Tiere darin nach und nach erschossen werden, geraten die länger Überlebenden leicht in Panik, wenn sie sehen, wie ihre Artgenossen getötet werden. Das ist nicht im Sinne des Tierschutzes, kritisiert Ludwig Hartmann.

    Weitere Maßnahmen: revierübergreifende Bewegungsjagden

    Bewährte Jagdmethoden wie die revierübergreifende Drückjagd mit Treibern oder die Erntejagd sollen ebenfalls intensiviert werden. Bei der Erntejagd wird beispielsweise ein Maisfeld vor dem Dreschen von Jägern umstellt und häufig können dann viele darin verborgene Wildschweine erlegt werden.

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