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Bildrechte: BR, Regina Kirschner

Bio-Schweinehalter fürchten drastische Maßnahmen beim Ausbruch der Schweinepest in Bayern.

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Afrikanische Schweinepest: Biobauern befürchten Stallpflicht

Sollte die Afrikanische Schweinepest auch in Bayern bei toten Wildschweinen nachgewiesen werden, befürchten Bio-Schweinehalter eine drastische Maßnahme, die ihre Existenz bedrohen könnte: eine Stallpflicht für ihre Tiere.

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Von
  • Christine Schneider

Hubert Heigl ist nicht nur Vorsitzender der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern, kurz LVÖ. Er hält auf seinem Betrieb in Kallmünz in der Oberpfalz auch 80 bis 90 Muttersauen - in Außenklimaställen.

Ein Außenklimastall kann nicht einfach geschlossen werden

Eine große Zahl der Öko-Schweineställe in Deutschland ist nach diesen Systemen gebaut, bei dem Innen- und Außenbereich nicht nachträglich getrennt werden können, da sich wichtige Funktionsbereiche in den Ausläufen befinden – wie zum Beispiel die Tränken oder Fütterungseinrichtungen.

Sollte nun die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Bayern ausbrechen, befürchtet Hubert Heigl, dass die Behörden – wie in Sachsen geschehen – eine sogenannte Aufstallpflicht vorschreiben könnten, also die Tiere im geschlossenen Stall bleiben müssen. Genau das wäre für Heigl und andere Bio-Schweinehalter existenzbedrohend:

"Es ist in diesen Haltungsformen vielfach nicht möglich, die Tiere in den Gebäuden zu halten, weil wichtige Funktionsbereiche einfach im Außenbereich liegen – das wäre das Ende der Bio-Tierhaltung." Hubert Heigl

Öko-Mastschweine haben dreimal so viel Platz wie ihre konventionell gehaltenen Artgenossen, die nach dem gesetzlichen Mindeststandard gehalten werden.

Die Schweinepest-Verordnung sieht eigentlich keine Aufstallpflicht vor, auch vom zuständigen Bayerischen Umweltministerium hat der LVÖ-Chef noch nichts von entsprechenden Planungen gehört – und doch ist er skeptisch:

"Ich sehe die Gefahr schon konkret, dass das kommt, weil die Veterinärbehörden vor Ort dann am Tag x aus Sicherheitsgründen einfach überreagieren." Hubert Heigl

Schweinepestverordnung "orientiert sich am Export, nicht an Biobauern"

Nach Einschätzung von Hubert Heigl orientiert sich die Schweinepest-Verordnung stark an den Interessen der Fleischexport-Industrie – mit maximalen Lösungen solle ein großer wirtschaftlicher Schaden verhindert werden. Seiner Einschätzung nach genügen die Hygiene-Konzepte, die bereits von den Landwirten, die Schweine in Ausläufen am Stall halten, auf den Weg gebracht wurden.

"Wir haben Geld investiert, Elektrozäune gebaut und sämtliche Bio-Sicherheitsmaßnahmen erfüllt. Damit müsste diese Art der Tierhaltung auch in Zeiten einer ASP-Gefahr weiterhin möglich sein."

Der Öko-Landwirt meint damit ausdrücklich keine Weidehaltung – sondern Außenklimaställe.

Auch beim Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) betont man, es sei schon in vergangenen Seuchen-Szenarien gelungen, durch entsprechende Umzäunung jeglichen Kontakt der Nutztiere mit Wildtieren, aber auch mit unbefugten Personen zu unterbinden.

Gefahr durch Afrikanische Schweinepest besonders hoch

Auch bei der Aujeszkyschen Krankheit, einem gefährlichen Herpesvirus, das immer schon in Wildschwein-Populationen vorkommt, gelinge es, die Hausschweinebestände davon frei zu halten.

Allerdings sei die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest tatsächlich sehr groß – und Tierhaltung im Freien deshalb ein Risiko, so die Einschätzung von Dr. Martina Hudler, an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf für Jagdlehre und Wildtiermanagement zuständig:

"Wir wissen, dass sich das Virus auch in der freien Natur hält, dass es sich auch an Nahrungsmitteln hält und dort über mehrere Tage oder Wochen sogar überleben kann, d.h. wir müssen besonders gut aufpassen und Zäune sind kein Garant, dass die Wildschweine von den Hausschweinen irgendwie ferngehalten werden."

Ob Corona oder Schweinepest: "Lernen, mit dem Virus zu leben"

Bio-Schweinehalter Hubert Heigl ist sich sicher, dass ihm mit seinem Hygiene-Konzept das gelingt – denn sonst wären genau die Ställe von einer Schließung bedroht, die die Gesellschaft in Umfragen immer fordert: Die mit Auslauf und Frischluft fürs Schwein. Er fordert, was viele Virologen auch beim Thema Corona verlangen: "Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben!"

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