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Selbstbeschäftigung auf dem AfD-Parteitag | BR24

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Die AfD in Bayern hat eine neue Führung: Die Bundestagsabgeordnete Corinna Miazga aus Straubing gewann die Wahl auf dem Landesparteitag in Greding. Miazga will angesichts der Flügelkämpfe in der Partei ausgleichend wirken.

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Selbstbeschäftigung auf dem AfD-Parteitag

Ein neues Gesicht an der Spitze, aber die alten Probleme bleiben: Bayerns AfD beschäftigt sich auf ihrem Parteitag ausschließlich mit sich selbst. Eine Analyse.

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Sogar auf dem Sportplatz stand Corinna Miazga auf der - aus AfD-Sicht - richtigen Seite: Ein Jahr lang habe sie in der ersten Football-Bundesliga gespielt, schilderte die 36-Jährige in ihrer Bewerbungsrede auf dem AfD-Landesparteitag in Greding, in der Verteidigung - "rechtsaußen". Mehr in die Mitte rücken wird die bayerische AfD auch mit ihrer neuen Chefin wohl nicht: Wie ihr Vorgänger Martin Sichert zählt auch Miazga zu den Unterzeichnern der "Erfurter Resolution" des völkischen "Flügels" um den Thüringer AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke.

Miazga ließ die Mitglieder im Saal wissen, dass sie nicht am Kurs der AfD, sondern an deren Außendarstellung feilen möchte. Sie stehe weder für die gemäßigtere "Alternative Mitte" noch für den "Flügel", sondern für die AfD. "Wir müssen an unserem Image arbeiten, nicht an unserem Programm. Nicht an unserer Haltung, aber an unserem Image."

Altbekannte Parolen

Aktuelle politische Fragen spielten nicht nur in Miazgas Bewerbungsrede, sondern auf dem gesamten Landesparteitag keine Rolle: Wie schon auf dem außerordentlichen Parteitag im Juli beschäftigte sich die bayerische AfD auch an diesem Wochenende in erster Linie mit sich selbst.

Garniert wurde die innerparteiliche Nabelschau - die einmal mehr offenbarte, wie spinnefeind sich Gruppierungen und einzelne Personen in der AfD sind - einzig durch scharfe Angriffe auf die politischen Gegner. Es gab die altbekannte Kritik an der Flüchtlingspolitik, an der "Klima-Hysterie" und überhaupt an den "Altparteien".

"Kein Raum" für Inhalte

Im BR-Interview verteidigte Miazga, dass es auf dem zweitägigen Parteitag nur um Personen und nicht um Programmatik ging. Es sei ein "Klärungs- und Organisationsparteitag" gewesen: "Wir müssen einfach unsere Strukturen aufbauen". Für aktuelle politische Themen sei in Greding einfach "kein Raum" gewesen. Eigene politische Schwerpunkte wollte Miazga auch auf Nachfrage nicht nennen - sondern verwies stattdessen auf bestehende AfD-Papiere.

Buhrufe und Ermahnungen

Im Gredinger Hippodrom ging es sehr emotional zu. Viel Zeit und Energie brachten die AfD-Mitglieder dafür auf, sich gegenseitig anzugreifen und Vorwürfe zu machen. Immer wieder wurden Redner durch Buhrufe oder lautstarke Zwischenrufe unterbrochen. Mehrfach mussten Parteitagsbesucher von der Versammlungsleitung ermahnt werden, sich zu mäßigen.

Immer wieder thematisierten Redner auf dem Podium die Differenzen zwischen den Lagern, die internen Netzwerke und Seilschaften. Im Saal war denn auch zu beobachten, wie die Landtagsfraktionschefin Katrin Ebner-Steiner in einer Ecke ihre Anhänger um sich scharte.

Niederlage für Ebner-Steiner

Letztlich nutzte es Katrin Ebner-Steiner nichts: Zwar schaffte sie es bei ihrer überraschenden Kandidatur um den Landesvorsitz in die Stichwahl, musste sich dort aber Miazga geschlagen geben. Hinter vorgehaltener Hand wertete der eine oder andere AfDler dies weniger als Überzeugungsvotum für Miazga, sondern eher als eine Sichert- und-Ebner-Steiner-Verhinderungswahl.

Miazga will nun in erster Linie die Führung und die Öffentlichkeitsarbeit der AfD professionalisieren. Dass sie für PR ein Händchen hat, zeigt ihr Youtube-Kanal. In nur zwei Jahren hat die AfD-Politikerin dort dreizehnmal so viele Abonnenten gewonnen wie der offizielle Youtube-Kanal der CSU in mehr als einem Jahrzehnt.

Arm in Arm fürs Gruppenfoto

Die neue Landeschefin hat nach eigenem Bekunden nicht vor, die Querelen und Grabenkämpfe der Vergangenheit aufzuarbeiten. "Ich diskutiere nicht über irgendwelche alten Themen", betonte Miazga. "Man muss einfach auch mal auf einen Neustart gehen."

Beim gemeinsamen Fototermin des Vorstands auf dem Podium wurde die angestrebte Eintracht zumindest optisch schon mal demonstriert: Arm in Arm posierte das neue Spitzengremium für ein Gruppenfoto. An dem insgesamt sehr zerstrittenen Eindruck, den die bayerische AfD auch dieses Mal in Greding hinterließ, ändert das aber nichts. Und auch nicht an der Tatsache, dass die selbsternannte Alternative für Deutschland es schafft, fast 18 Stunden lang nur über Personalien und Satzungsfragen zu sprechen.