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Ärztemangel auf dem Land: So ist die Lage in Bayern | BR24

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Kabinett beschließt Landarztgesetz zur besseren medizinischen Versorgung

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Ärztemangel auf dem Land: So ist die Lage in Bayern

Im Freistaat gibt es eine vergleichsweise gute Abdeckung mit Haus- und Fachärzten - aber das gilt nicht für alle Regionen. Nun hat die Staatsregierung eine Landarzt-Quote angekündigt. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Eggenfelden-Nord in Niederbayern, Dinkelsbühl in Mittelfranken oder Tirschenreuth in der Oberpfalz - das sind bayerische Regionen, in denen eine hausärztliche Unterversorgung droht. Das jedenfalls geht aus Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) hervor. Die Zahlen zeigen aber auch: In den allermeisten Gegenden im Freistaat gibt es laut den offiziellen Kriterien ausreichend Hausärzte.

Dennoch beschäftigt das Thema Landärzte die bayerische Politik seit langem. Am heutigen Dienstag hat das Kabinett eine Landarzt-Quote für Medizinstudenten auf den Weg gebracht.

Was plant die Staatsregierung genau?

Um den Ärztebedarf in ländlichen Regionen abzudecken, sollen die Zulassungsbedingungen zum Medizinstudium teilweise gesenkt werden. Je nach Bedarf werden künftig ungefähr 90 Studienplätze im Rahmen der sogenannten Landarzt-Quote vergeben. Für die Bewerber ist demnach nicht allein die Abiturnote entscheidend. Wer "praktisch bereits in einem Gesundheitsberuf qualifiziert ist" oder ehrenamtlich tätig ist, hat ebenfalls Chancen.

Ab dem Wintersemester 2020/2021 sollen dann bis zu 5,8 Prozent der Medizin-Studienplätze für Studenten reserviert sein, die später als Hausärzte im ländlichen Raum arbeiten wollen. Mit der Annahme des Studienplatzes verpflichten sie sich, mindestens zehn Jahre in einer Region zu arbeiten, die unterversorgt oder von Unterversorgung bedroht ist (siehe Info-Grafik).

Wie wird der Bedarf künftig festgestellt?

Laut Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) werden die Planungsbereiche kleinteiliger. Als Beispiel nennt Huml den Bereich Bamberg. Hier sollen aus einem Niederlassungsbereich fünf werden. "Und plötzlich können sich Ärzte dort wieder niederlassen, wo man vorher gesagt hat: 'Ihr seid überversorgt!'"

Was erwartet die Neu-Landärzte?

Laut Huml müssen die angehenden Landärzte damit rechnen, "dorthin geschickt zu werden, wo sie gebraucht werden". Es soll auch verhindert werden, dass sich Bewerber über die Landarzt-Quote lediglich einen Studienplatz erschleichen. Wer nicht wie zugesagt zehn Jahre in einer Bedarfsregion bleibt, muss demnach 250.000 Euro Vertragsstrafe zahlen.

Aber es gibt auch Anreize - etwa in Form eines Stipendien-Programms. Dabei erhalten angehende Landärzte während des Studiums 600 Euro pro Monat. Im Gegenzug verpflichten sie sich, ihre Weiterbildung im ländlichen Raum zu absolvieren und im Anschluss weitere fünf Jahre als Landarzt oder -ärztin zu arbeiten. Bislang wurden mit dem Programm laut Staatskanzlei 221 Studierende unterstützt.

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Zur Deckung des Ärztebedarfs auf dem Land wird für einen Teil der Medizinstudienplätze die Zulassungshürden gesenkt. Abhängig vom prognostizierten Bedarf werden zum Wintersemester 20/21 rund 90 Studienplätze im Rahmen der Landarztquote vergeben.

Welche Reaktionen gibt es auf die Landarzt-Quote?

Das neue Landarzt-Gesetz wird auch von Kommunalverbänden oder der Opposition größtenteils begrüßt. Gemeindetags-Präsident Uwe Brandl spricht von "deutlich positiven Mosaiksteinen". Er sehe, dass man auf lange Sicht eine stabile Grundversorgung für die ländlichen Räume entwickeln wolle. SPD-Gesundheitspolitiker Volkmar Halbleib begrüßt die Landarzt-Quote ebenfalls. Er befürchte nur, dass die Staatsregierung "zu kurz springt, dass zu wenig Plätze dabei rumkommen."

Was planen Krankenkassen und KVB?

Auch die Krankenkassen und die KVB (als Interessenverband der Ärzte) versuchen, durch eigene Förderprogramme Nachwuchs für Landarzt-Praxen zu gewinnen. Wer sich etwa dazu entschließt, sich als Hausarzt im oberpfälzischen Tirschenreuth niederzulassen, kann aktuell mit einem Zuschuss von bis zu 60.000 Euro für die Praxis-Gründung oder -Übernahme rechnen.

Wie sieht es auf dem Land mit Fachärzten aus?

Auch hier ist die Versorgung in Bayern im bundesweiten Vergleich relativ gut. Dennoch gibt es auch bei den Fachärzten zwei Regionen, in denen es laut KVB eine Unterversorgung gibt (Stand: Ende Mai 2019). Demnach praktizieren im unterfränkischen Landkreis Haßberge zu wenig HNO-Ärzte, während im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen (Mittelfranken) ein Mangel an Augenärzten herrscht.

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Wo sich Hausärzte in Bayern niederlassen können (Stand: Mai 2019). "Planungsbereich gesperrt" bedeutet: Hier gibt es ausreichend Hausärzte.

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Zahl der Hausärzte in Bayern (Stand: Ende 2018)