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Ärzte warnen vor unkritischem Einsatz von Gesundheits-Apps | BR24

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2020 sollen Kassenpatienten besseren Zugang zu Apps erhalten, die bei der Bewältigung von Krankheiten helfen sollen. Von bayerischen Ärzteverbänden gibt es aber Warnungen vor einem leichtfertigen Umgang mit den digitalen Gesundheitshelfern.

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Ärzte warnen vor unkritischem Einsatz von Gesundheits-Apps

2020 sollen Kassenpatienten besseren Zugang zu Apps erhalten, die bei der Bewältigung von Krankheiten helfen sollen. Von bayerischen Ärzteverbänden gibt es aber Warnungen vor einem leichtfertigen Umgang mit den digitalen Gesundheitshelfern.

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Viele gesetzliche Krankenkassen erstatten schon seit längerem die Kosten für Computer- oder Smartphone-Apps, die Patienten bei verschiedenen Gesundheitsproblemen helfen sollen. So bezahlen einige etwa für Apps, die Menschen mit Tinnitus dabei unterstützten sollen, die lästigen Störgeräusche im Ohr loszuwerden. Auch Programme, die helfen sollen, mit Depressionen zurechtzukommen, werden von einzelnen Kassen erstattet

Gesundheits-Apps für jeden

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will dafür sorgen, dass künftig alle Kassenpatienten Zugang zu Gesundheits-Apps bekommen. Voraussetzung soll dabei sein, dass sich die Entwickler vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bestätigen lassen, dass ihre Produkte tatsächlich einen Nutzen bringen.

"Das ist weltweit einmalig, dass Apps genauso wie Arzneimittel oder wie Physiotherapie auf Rezept für Patienten verfügbar sein sollen, wenn sie für die Versorgung einen positiven Unterschied machen." Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, CDU

Skepsis bei Ärzteverbänden

Viele Ärzte sehen es aber mit Skepsis, wenn Patienten – ohne engmaschige Betreuung – mit Online-Produkten Gesundheitsprobleme bewältigen sollen. Claudia Ritter-Rupp vom Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) warnt vor Sicherheitsrisiken. Wenn beispielsweise ein Diabetiker seine Zuckerwerte mit einer App kontrolliere, und die entsprechenden Programme würden von Kriminellen gehackt, könnte das bedrohliche Folgen haben, warnt sie.

Bedenken gegen Psycho-Apps

Für besonders problematisch hält die KVB-Vorständin Apps, die Menschen mit psychischen Problemen helfen sollen. Bei Depressionen oder Psychosen könne es schnell passieren, dass Patienten in eine tiefe Krise rutschen, wenn sie alleine auf Unterstützung durch ein Online-Programm setzen, ohne sich gleichzeitig auch von einem Arzt oder Psychotherapeuten helfen zu lassen.

"Es gibt Menschen, die haben leichte Depressionen und womöglich hilft denen eine App, die nichts weiter als ein Selbstmanagement-Programm ist. Wenn aber jemand eine Depression hat, die vielleicht sich auch krisenhaft zuspitzt, dann wäre es fatal, ihm eine App auszuhändigen." Claudia Ritter-Rupp, Vorstand Kassenärztliche Vereinigung Bayerns

Warnung von der Ärztekammer

Auch bei der Bayerischen Landesärztekammer gibt es die Sorge, Patienten könnten sich durch den falschen Umgang mit Gesundheits-Apps schaden. Der Kammer-Vize Andreas Botzlar warnt davor, Patienten mit den Apps alleine zu lassen. Denn dann bestehe die Gefahr, dass sie nicht richtig angewendet werden.

"Es sollte der Arzt immer dabei sein." Andreas Botzlar, Vizepräsident Bayerische Landesärztekammer

Bislang ist von der Bundesregierung vorgesehen, dass die Kassen nur für Apps bezahlen, die von Ärzten verordnet sind. Bei der Ärztekammer gibt es aber Sorgen, diese Vorgabe könnte aufgeweicht werden.

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