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Ärger um Park-Abzocke in Marktheidenfeld | BR24

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Vor der Postfiliale im unterfränkischen Marktheidenfeld gibt es mächtig Park-Ärger. Die bisher kostenfreien Parkplätze wurden nun privat angemietet und mit einem "Parken verboten"-Schild ausgestattet. Falschparken kostet 140 Euro.

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Ärger um Park-Abzocke in Marktheidenfeld

Auf dem Parkplatz vor einer Postfiliale in Marktheidenfeld werden Falschparker massiv zur Kasse gebeten: Einmal Paket abgeben kann dort gleich 140 Euro kosten.

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Auf dem Parkplatz vor einer Postfiliale in Marktheidenfeld herrschen raue Sitten: Seit Wochen werden hier Falschparker massiv zur Kasse gebeten. Grundsätzlich rechtens, aber die feine Art ist das nicht. 140 Euro für einmal Paket abgeben – das klingt nach Abzocke. Bis vor zwei Jahren verfügte die Post in der Karbacher Straße über 14 Kundenparkplätze. Selbst das wurde zu Stoßzeiten schon eng. Dann verkaufte der Eigentümer sein Geschäftshaus, in dem sich früher eine Bäckerei und eine Metzgerei befanden, zusammen mit neun der Parkplätze an einen Investor. Die Kunden merkten davon nichts, parkten munter weiter auf der gesamten Fläche, was dem neuen Eigentümer verständlicherweise ein Dorn im Auge war. Schließlich lebe er davon, seine Immobilien zu vermieten, erklärte er gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Und wenn sich schon für das Gebäude kein Interessent gefunden habe, wolle er nun wenigstens seine neun Stellplätze zu Geld machen.

Plötzlich wird Parken zum Hausfriedensbruch

Im Juni dieses Jahres tauchten dann plötzlich Schilder auf: "Privatparkplatz" stand darauf und "videoüberwacht". Unberechtigt parkende Fahrzeuge würden kostenpflichtig abgeschleppt. Kein unüblicher Vorgang. Allerdings hatte der neue Mieter nicht nur die Schilder und eine Videokamera angebracht. Er leitete die überführten Falschparker auch per App an die Firma Park & Collect weiter. Und das löste in den vergangenen Wochen einen Sturm der Entrüstung aus. Denn jetzt im September erhielten etliche Marktheidenfelder gleichlautende Briefe von Park & Collect.

140 Euro zahlen, um sich juristische Scherereien zu ersparen

Im Auftrag des Mieters unterbreitet Park & Collect den per Videokamera ertappten Falschparkern ein "Einigungs-Angebot". Mit der Zahlung von rund 140 Euro könne man juristische Konsequenzen vermeiden, heißt es darin. Schließlich liege hier, so wörtlich "Besitzstörung in Verbindung mit verbotener Eigenmacht" vor.

Betroffene legen Widerspruch ein

Egal, wen man auf dem Parkplatz anspricht: das Thema ist allen vertraut. Viele sind selbst von arglosen Postkunden zu "Besitzstörern" geworden, haben entweder bezahlt oder bereits rechtliche Schritte eingeleitet, wie etwa Silvia Gress. Sie steigt aus ihrem Auto, das sie diesmal auf der richtigen Seite abgestellt hat und wedelt mit einem Briefumschlag. Das hier sei der Widerspruch, sagt sie. Ihr Anwalt habe ihr geraten, sich gegen die Forderung zu wehren. Er halte sie für unzulässig. Auch Tatjana Thäns bekam vor ein paar Tagen eine Zahlungsaufforderung und hat inzwischen Widerspruch dagegen eingelegt. Das sei einfach unverschämt, schimpft sie. Einen Strafzettel hätte sie akzeptiert. Schließlich war ihr das neue Schild "Privatparkplatz" und die Abschleppdrohung aufgefallen. Aber sie habe ja nicht lange parken wollen, nur kurz was in der Post erledigen. Aber gleich 140 Euro zahlen zu sollen, das sehe sie nicht ein.

Ein Marktheidenfelder Anwalt nimmt schon keine Mandanten mehr an, so viele haben sich bei ihm gemeldet. Auf Nachfrage erklärt er lediglich, es seien inzwischen deutlich mehr als 100 Betroffene bei ihm oder anderen Kollegen vorstellig geworden.

In der Post "geht die Post ab"

In der Postfiliale bekommt man natürlich den Unmut der Kundschaft auch zu spüren. Mitarbeiterin Silvia Engelhard musste sich schon einiges anhören. Die Leute beschweren sich über die horrende Geldforderung und denken, die Post sei dafür verantwortlich. Dabei habe man mit der Sache ja gar nichts zu tun.

Warum allerdings der Betreiber der Postfiliale die Parkplätze nicht selber mietet, wenn er sie schon verkaufen musste, das bleibt sein Geheimnis. Der neue Eigentümer jedenfalls behauptet, er habe sie ihm angeboten, was der Mann von der Post wiederum bestreitet.

Ein Fall für die Juristen

Immerhin herrscht momentan eine Art Burgfriede auf dem Parkplatz. Der Mietvertrag sei aufgelöst, sagt der Investor. Er nutze die Fläche jetzt selbst fürs Wohnmobil und zwei Anhänger. Doch der Hahnenkampf hinter den Kulissen tobt weiter. Der ehemalige und der aktuelle Eigentümer rüsten juristisch gegeneinander auf. Ein Streit mit teuren Folgen für die Postkunden. Ob das Videoüberwachen und Abkassieren rechtens ist, müssen nun die Gerichte klären. Schlechter Stil ist es allemal, meint ein Kunde. Er empfinde die Zahlungsaufforderung nicht nur als unangemessen, sondern sogar als Drohung. Wer nicht gleich zahlt, muss später noch tiefer in die Tasche greifen oder landet vor Gericht. Das komme ihm vor wie eine Art moderne Mafia!

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