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Ärger um App: Augsburger Fugger und Welser Museum reagiert | BR24

© Mario Kubina/BR

Die umstrittene App des Fugger und Welser Museums in Augsburg, wird nach heftiger Kritik überarbeitet.

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Ärger um App: Augsburger Fugger und Welser Museum reagiert

Eigentlich eine schöne Idee: Eine App soll durch die Geschichte der Fugger und Welser führen. Doch es gibt Kritik. Die App verharmlose die Sklaverei, und auch Rassismus-Vorwürfe stehen im Raum. Jetzt hat das Augsburger Museum die App deaktiviert.

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Mit einer App das Schicksal eines jungen Sklaven erlebbar machen: Das war die Idee des Augsburger Fugger und Welser Museums. So sollten vor allem junge Leute an die Geschichte der berühmten Kaufmannsfamilien herangeführt werden - auch an deren Schattenseiten. Denn zumindest die Welser haben unmittelbar vom Sklavenhandel profitiert. Die App ging im Januar an den Start. Doch schon bald meldeten sich Kritiker zu Wort - unter anderem mit Rassismus-Vorwürfen.

Dunkle Seiten der Augsburger Handelsgeschichte

"Perico" heißt der junge Sklave, an dessen Leben die App-Nutzer teilhaben konnten. Die Welser haben ihn im 16. Jahrhundert gekauft, verschleppt und wiederverkauft. Wer sich vor einem Besuch des Fugger und Welser Museums die App heruntergeladen hatte, konnte sich in den letzten Monaten digital durch die Ausstellungs-Räume lotsen lassen.

Dass das Museum so auch die dunkle Seite der Augsburger Handelsgeschichte beleuchten wollte, finden die Kritiker an sich gut. Aber: "Der reine Umfang des europäischen Versklavungshandels wird in dieser App in keinster Weise deutlich", meint Claas Henschel vom Lehrstuhl für Europäische Kulturgeschichte an der Universität Augsburg. "Dass dort bis zu zwölf Millionen Menschen aus ihrer Heimat gerissen, über den Atlantik transportiert, unter menschenunwürdigsten Bedingungen zu Tode gearbeitet wurden, kommt dort fast in keiner Form vor." Es sei lediglich die Geschichte eines jungen Mannes dargestellt, der als eine Art Haussklave von einem der Welser auf eine "Abenteuertour" mitgenommen werde.

Kritik am Blickwinkel der Museums-App

Das gehe dann doch an der historischen Realität vorbei, findet Henschel. Ihn stört auch, welche Perspektive die App den Nutzern seiner Meinung nach aufdrängt: "Man begleitet zwar den jungen Perico auf seiner Reise, wird dann aber zum Beispiel durch Aufgaben, wo man seinen Verkaufspreis in der Neuen Welt berechnen soll, eigentlich in die Perspektive eines Sklavenhalters gebracht. Der Fakt, dass hier ein Mensch verkauft wird – als Ware – kommt in dem Moment in keinster Weise vor."

Spielerisch über Geschichte der Sklaverei informieren?

Tatsächlich geht es an einer Station darum herauszufinden, wie viel Gewinn die Sklavenhalter mit dem Weiterverkauf von Perico gemacht haben. Wer die richtige Antwort anklickt, kann sich der nächsten Station widmen.

Ein spielerischer Zugang zum Sklavenhandel: Das geht auch Simone G. Bwalya zu weit. Sie ist bei der "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" aktiv: "Wie dieser Perico dargestellt wird - und diese Leichtigkeit, als wäre das alles easy peasy gewesen seinerzeit", so Bwalya. "Das ist zuviel!" Sie habe sich selbst umfangreich mit der Kolonialgeschichte beschäftigt - auch, weil sie selbst schwarz sei.

Vorurteile werden reproduziert

Für Simone G. Bwalya ist klar, dass ein solcher Umgang mit dem Thema Sklaverei Rassismus nicht bekämpfe, sondern seine Denkweisen reproduziere. Ein schwerer Vorwurf, mit dem sich Wiebke Schreier auseinandersetzen musste. Sie leitet das Fugger und Welser Museum. "Rassismus-Kritik trifft hart", so Schreier. "Da wollten wir uns sofort mit den Kritikern auseinandersetzen - das haben wir auch getan – und sind offen gewesen, die App zu überarbeiten." Schönfärberei? Diesen Vorwurf weist Schreier zurück: Das Fugger und Welser Museum sei ein "kritisches Haus".

App des Fugger und Welser Museums wird überarbeitet

Zugleich räumt Schreier Fehler ein: "Mit der App war es uns eigentlich ein Ansinnen, etwas für jugendliche Nutzer anzubieten, was uns scheinbar für diese Altersstufe so nicht gelungen ist." Die Konsequenz: Die App wird zunächst aus dem Verkehr gezogen und überarbeitet. Ob "Perico" auch in der neuen Version eine Rolle spielen wird, steht noch nicht fest.

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