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Ärger über verschlampte Uni-Prüfungen: Student startet Petition

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Ärger über verschlampte Uni-Prüfungen: Student startet Petition

Eine Abschlussprüfung ist für Berufsanfänger oft die maximale Belastungsprobe - umso mehr wenn die Unterlagen verloren gegangen sind. Zum Frust vieler, passiert das gar nicht so selten. Ein Lehramtsstudent hat dagegen nun eine Petition gestartet.

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Von
  • Florian Falzeder

Eigentlich hat Florian Schwing es geschafft. Die große Abschlussprüfung, die jeder angehende Lehrer durchmachen muss: das erste Staatsexamen. Er hat es dieses Jahr geschrieben. Und, wie die anderen, auf die Ergebnisse gewartet.

Fassungslosigkeit und Zukunftssorgen

Dann kam der Brief vom Kultusministerium. "Die erste Reaktion war nicht Wut tatsächlich, sondern einfach Fassungslosigkeit", erinnert sich Schwing. Das Kultusministerium informiert "mit außerordentlichem Bedauern": Schwings schriftliche Prüfung ist nicht mehr auffindbar.

"Dann ist es losgegangen, ich habe überlegt: Was bedeutet das? Ich muss wieder lernen. Ich muss Termine absagen. Ich muss meinen Urlaub stornieren. Komme ich überhaupt ins Ref?" Das Referendariat, also die beiden Jahre der praktischen Ausbildung an einer Schule nach dem Ersten Staatsexamen.

BLLV: Wahl zwischen Wiederholung oder Note 6

Doch der 28-Jährige ist nicht der einzige. Mindestens 17 Fälle sind ihm und dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband BLLV bekannt, erklärt dessen Präsidentin Simone Fleischmann: "Und dann kriege ich die Botschaft, dass es weg ist, erst sehr spät, sehr kryptisch. Da steht dann zum Beispiel drin: Naja, wir geben dir jetzt mal zwei Möglichkeiten. Entweder du akzeptierst die 6, oder du holst die Prüfung nach."

Keine wirkliche Wahl, weil die Note über die Zukunft eines angehenden Lehrers entscheidet: Wo kriegt er welche Stelle? Also schreibt er die Prüfung noch mal. Immerhin: Er darf sein Referendariat antreten, auf Bewährung. Die Option hat das Ministerium diesmal eingeräumt. Ausnahmsweise, wegen der besonderen Umstände, und weil es wegen Corona schon andere Sonderregelungen gibt.

Prüfungen gehen anscheinend öfter verloren

Die Thematik sei jedoch bekannt meint Fleischmann. Man habe das 2018 schon an einer Universität beobachten können. Das Kultusministerium antwortet auf die Anfrage des BR aus Zeitgründen – so knapp vor dem Schuljahresbeginn – nur schriftlich: "Am Prüfungs- und Korrekturprozess sind viele Personen beteiligt. Fehler und damit unter Umständen verbundene Verluste können daher nie gänzlich ausgeschlossen werden."

Man bemühe sich aber, die Fälle zu reduzieren und habe eine zusätzliche Kontrollstufe eingeleitet, schreibt das Ministerium weiter. Den BLLV überzeugt die Antwort nicht: "Wie wäre es denn mal, wenn man das Staatsexamen digitalisiert? Die ganze Prüfung digital abhält? Dann aber Laufzettel konzipiert: Wo ist die Prüfung jetzt? Wo ist sie dann?"

Petition umfasst vier Forderungen

Genau das fordert Schwing auch: Digitalisierung. Außerdem mehr Transparenz, bessere Kommunikation – und, sollte mal etwas schieflaufen und eine Prüfung verloren gehen, dürften die Betroffenen nicht benachteiligt werden. Mit den vier Forderungen hat er jetzt eine Petition gestartet.

"Wir werden für uns, für unseren Jahrgang nichts mehr erreichen können", meint Schwing. "Aber wir wollen, dass die Folgejahre das nicht mehr erleiden müssen und, dass wir wirklich die letzten sind, denen das passiert. Deswegen haben wir die Petition gestartet und wir hoffen, dass sich letztlich was bewegt."

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Ein Albtraum: Geschriebene Klausuren gehen verloren. So jüngst geschehen mit den 1. Staatsprüfungen fürs Lehramt. Die Studierenden müssen nun die Prüfung nachschreiben. Und das ist nicht der erste Fall dieser Art. Jetzt wurde eine Petition gestartet.

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