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Ärger über Masken-Atteste an Realschule Roding | BR24

© dpa

Symbolbild: Unterricht mit Maske

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    Ärger über Masken-Atteste an Realschule Roding

    Weil sie per Attest von der Maskenpflicht befreit wurden, werden Schüler der Realschule Roding in ein getrenntes Klassenzimmer geschickt. Die Arztpraxis, die offenbar für Eltern auch außerhalb des Landkreises Atteste ausstellt, wird jetzt geprüft.

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    An der Konrad-Adenauer-Realschule Roding im Landkreis Cham müssen sechs Kinder aus verschiedenen Klassen, die mit ärztlichem Attest von der Maskenpflicht befreit sind, in einem eigenen Klassenzimmer bleiben, getrennt von ihren eigentlichen Klassen. Diese Maßnahme gilt seit dem gestrigen Montag und ist die Konsequenz des Schulleiters Alexander Peintinger auf die Zunahme solcher Atteste in den letzten Wochen. Das Landratsamt Schwandorf überprüft jetzt eine Arztpraxis, die offenbar für Eltern auch außerhalb des Landkreises Masken-Atteste ausstellt.

    Ohne Maske "aus gesundheitlichen Gründen"

    Vor allem die Art und Weise, wie ihm die Atteste präsentiert wurden, bemängelt der Schulleiter. "Die Atteste werden mir in Klarsichtfolie mit Abstand vor die Nase gehalten. Ich darf sie weder kopieren noch in die Hand nehmen, um sie zu prüfen," so Peintinger zum BR. Die Atteste befreien das jeweilige Kind "aus gesundheitlichen Gründen", wie es dort heißt, "ab sofort und zeitlich unbegrenzt" vom Tragen jeglicher Form von Mund-Nase-Bedeckung.

    Arztpraxis wird von Gesundheitsamt überprüft

    Dass sie zeitlich nicht begrenzt werden, sei völlig ungewöhnlich. Die Eltern hätten auch nie das Gespräch über die genauen Gründe mit ihm gesucht. Auffällig sei außerdem, dass alle Atteste von derselben Praxis stammen, sagte Peintinger, einer Praxis im Nachbarlandkreis Schwandorf. Solche Atteste gebe es mittlerweile seines Wissens nach auch an anderen Schulen.

    Das Thema ist uns bekannt," sagte am Dienstag der Pressesprecher des Landratsamts Hans Prechtl dem BR auf Nachfrage. Man habe schon vor entsprechenden Medienberichten von Vorwürfen gegen die Arztpraxis erfahren. Das Gesundheitsamt Schwandorf gehe der Sache bereits nach. Die Prüfungen seien aber noch nicht abgeschlossen.

    Mögliche Beurfspflichtverletzung des Arztes

    Ebenfalls mit der Arztpraxis beschäftigten will sich die Bayerische Landesärztekammer. Ein Schulleiter aus Roding hatte sich beim Verband schriftlich über die Vorgehensweise der Arztpraxis beschwert und um Prüfung gebeten. Die Beschwerde sei an den zuständigen Ärztlichen Bezirksverband Oberpfalz weitergeleitet worden. Für "Beschwerden wegen einer möglichen Berufspflichtverletzung eines Arztes" sei immer der jeweilige Bezirksverband zuständig. Er bewerte "den jeweiligen Sachverhalt unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls".

    Die Bayerische Landesärztekammer verweist in dem Zusammenhang auf ihre früheren Aussagen zu Attesten, mit denen Personen von der Maskenpflicht befreit werden. Solche Atteste dürften generell nur ausgestellt werden, wenn "schwerwiegende medizinische Gründe" vorliegen. Der Arzt müsse die Person körperlich untersuchen und eine gründliche Anamnese erstellen. "Wer ohne die notwendige Sorgfalt oder gar aus Gefälligkeit ein Attest ausstellt," verstosse gegen die Berufsordnung und mache sich unter Umständen auch strafbar.

    Schulleiter verteidigt separates Klassenzimmer

    Der Schulleiter verteidigt die Maßnahme mit dem eigenen Klassenzimmer damit, dass er kein Risiko eingehen will. "Wir haben trotz 666 Schülerinnen und Schülern und rund 30 Lehrern bisher keinen positiven Fall an der Schule gehabt und ich möchte, dass das möglichst so bleibt." Die Maskenpflicht im Unterricht sei nun einmal momentan vorgeschrieben.

    Einzelfälle betrachten

    Der Landkreis Cham liege über der kritischen Marke von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner. Seit er die Maßnahme verhängt hat, hat eine Schülerin die Maske doch aufgesetzt und ist jetzt in ihre Klasse zurückgekehrt. Bei einem anderen Kind suche man eine Lösung, denn die Eltern hätten ihm jetzt erklärt, dass das Kind tatsächlich wegen seiner Krankenvorgeschichte keine Maske tragen kann. "Natürlich kann man dann über Lösungen reden, wenn man den Hintergrund kennt," sagte Peintinger.

    Schulleiter mit Klage gedroht

    Ein weiteres Kind wurde gestern sofort von der Mutter nach Hause geholt, da sie die Abtrennung von der Klasse nicht zumutbar findet. Der Schulleiter hat auch schon erste Anwaltsschreiben von Eltern, wo ihm eine Klage angedroht wird. Er hat inzwischen seinerseits Beschwerde über die Arztpraxis, die die Atteste ausstellt, bei der Bayerischen Landesärztekammer eingelegt, aber noch keine Antwort erhalten.

    Masken-Atteste auch an Mittelschule Roding

    Rund 15 Atteste aus derselben Arztpraxis gibt es auch für Kinder an der Grund- und Mittelschule Roding. Das sagte der stellvertretende Schulleiter Heinrich Achatz heute dem BR. Fast alle betreffen die Grundschule.

    Atteste an Grundschule ohne Konsequenzen

    Weil an der Grundschule sowie keine Maskenpflicht im Unterricht besteht, haben die Atteste derzeit keine Konsequenzen. Die zwei bis drei Fälle an der Mittelschule behandle man so, dass man die maskenbefreiten Kinder im jeweiligen Klassenzimmer sitzen lässt, aber deren Tische auf Abstand stellt.

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