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Der Lockdown in Deutschland zeigt noch nicht die erhoffte Wirkung. 1.129 Todesfälle wurden dem Robert-Koch-Institut binnen 24 Stunden übermittelt - darunter viele Nachmeldungen. Auch die Zahl der Neuinfektionen bleibt mit 22.459 auf hohem Niveau.

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Ärger über Impfstoff-Mangel: Geht Bayern vorerst leer aus?

Die Impfungen sind angelaufen. Aber es gibt Probleme: Immer mehr Bundesländer klagen über ausbleibende Impfstoff-Lieferungen des Bundes - auch Bayern. Gesundheitsministerin Huml ist verärgert. Vermutlich gibt es in den nächsten Tagen keine Dosen.

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Von
  • Ilanit Spinner
  • BR24 Redaktion

Wie das bayerische Gesundheitsministerium heute nach eigenen Angaben erfahren hat, wird Bayern in der ersten Januar-Woche – entgegen der bisherigen Zusage – voraussichtlich keine Impfstofflieferung vom Bund erhalten. Die Gesundheitsministerin Melanie Huml sieht das kritisch: "Es ist für mich unverständlich, wie gerade bei derartig hohen Infektionszahlen eine komplette Lieferung einfach entfallen kann. Die eigentlich zugesagten Impfdosen waren in unseren Impfzentren bereits fest eingeplant." Am Abend will sich Huml im BR Fernsehen äußern.

Aussagen von Bund und Land widersprüchlich

Inzwischen meldete sich das Bundesgesundheitsministerium zu Wort. Wörtlich teilte das Ministerium auf Twitter mit: "Wir haben mit #BioNTech vereinbart, dass die nächste Impfstoff-Lieferung von 670.000 Dosen - wie ursprünglich geplant - doch bereits nächste Woche, am 8. Januar 2021 erfolgen wird." Allerdings ist der 8. Januar erst der Freitag kommende Woche - und streng genommen der Beginn der zweiten Januar-Woche. Damit deutet vorerst nichts daraufhin, dass Bayern bis dahin weitere Dosen erhält.

Das Bundesgesundheitsministerium erklärte zudem der Nachrichtenagentur AFP, dass die Lieferungen insgesamt wie vorgesehen stattfänden. "Wie geplant, wurden bis Ende des Jahres 1,3 Millionen Impfstoffdosen an die Bundesländer ausgeliefert", erklärte der Sprecher. "Die heutige Lieferung deckt nach den Planungen von Biontech auch die erste Januarwoche ab." Hier gibt es also einen Widerspruch zwischen der Darstellung des Bundes und der des bayerischen Gesundheitsministeriums, welches eben von einer absehbaren Lieferlücke in den nächsten Tagen spricht.

Aus dem bayerischen Gesundheitsministerium hört man: Spahn habe die Impfstofflieferung wohl vorgezogen vom 11. auf den 8.1., um sagen zu können: die Lieferung komme ja doch in der ersten Januarwoche. Das Problem ist aber: Die nächste Lieferung kommt dann erst am 18. Januar. Also wird die Lücke nur größer durch das Vorziehen auf den 8.1. Im bayerischen Gesundheitsministerium herrscht Unmut über das Berliner Kommunikationsverhalten. Man vermisse Planungssicherheit in München.

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Zeitweise war unklar, ob es in Bayern in der ersten Woche des kommenden Jahres genügend Corna-Impfstoff geben würde. Nun wurde eine weitere Lieferung für den 8. Januar angekündigt.

Engpässe in allen Bundesländern

Einem Bericht des Magazins "Business Insider" zufolge betreffen die Lieferprobleme alle Bundesländer, vor allem auch Brandenburg. Das Magazin beruft sich auf einen internen Bericht des Bundesgesundheitsministeriums. Deutschlandweit stünden derzeit knapp 1,34 Millionen Dosen des Biontech-Impfstoffes zur Verfügung, zitiert das Magazin aus dem Bericht. Die nächste Lieferung könne aber erst wieder am 11. Januar stattfinden. Auch Huml spricht von einer nächsten Lieferung wohl erst ab diesem 11. Januar. Inwieweit das mit Spahns Ankündigung, wonach ab dem 8. Januar neue Dosen kommen, zusammengeht - das ist noch nicht klar.

Holetschek: "Stark verbesserungswürdig"

Der Koordinator der Taskforce Corona-Pandemie des bayerischen Gesundheitsministeriums, Klaus Holetschek, äußert Kritik am Bund: "Die Informationspolitik des Bundes ist hier stark verbesserungswürdig, denn bislang erreichen uns die benötigten Informationen leider nur sehr zögerlich und meist kurzfristig."

Für die Impfzentren in Bayern gibt es nach Worten Holetscheks schon mehr als 8.000 Terminvormerkungen. Insgesamt zeigte sich Holetschek mit dem Impfstart in Bayern aber zufrieden, auch wenn es einige kleinere Probleme gegeben habe. "Wir haben eigentlich keinen schlechten Start hingelegt", sagte er.

Schon 17.000 Menschen in Bayern geimpft

In der Zwischenzeit sind in Bayern zahlreiche weitere Menschen gegen Corona geimpft worden. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml betonte in München: "Bis heute Mittag gab es nach den Meldungen der Impfzentren insgesamt rund 17.000 Corona-Impfungen im Freistaat. Die meisten davon erfolgten in Senioren- und Pflegeeinrichtungen." Huml fügte hinzu: "Außerdem sind am heutigen Mittwoch weitere 107.500 Impfdosen in Bayern eingetroffen. Diese Lieferungen gehen an alle bayerischen zentralen Lagerstandorte. Von dort aus werden sie weiterverteilt."

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Kein Impfstoff in der ersten Januar-Woche - wie sind die Reaktionen auf diese Botschaft aus dem bayerischen Gesundheitsministerium? Welche Folge hat es auf die Impfstrategie? Eine Einschätzung von Johannes Reichart aus der BR-Redaktion Landespolitik.

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