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Die Maskenpflicht gilt in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens: Jeder muss hier einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Aber es gibt Ausnahmen: Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen befreit sind. Und die fühlen sich mittlerweile oft diskriminiert.

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Attest statt Maske: Asthmatiker kämpfen oft gegen Vorurteile

Die Mund-Nasen-Maske ist aus dem Alltag nicht wegzudenken. Asthmatikern fällt das Atmen aber dadurch schwer. Die vermeintliche Lösung: ein ärztliches Attest, das von der Maskenpflicht befreit. Doch das stellt wiederum Geschäfte vor ein Problem.

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Von
  • Sebastian Grosser

Andrea Breu sitzt in ihrem Wohnzimmer. Vor ihr auf dem Tisch breiten sich die Tablettenboxen und Sprühdosen aus. Die 54-jährige aus Regenstauf braucht die Medikamente gegen allergisches Asthma. Für Momente, wenn ihr das Atmen wieder schwer fällt. Das passiert auch, wenn sie eine Mund-Nasen-Maske trägt.

"Das löst bei mir richtige Angstgefühle aus", erzählt Breu. "Sie müssen sich das so vorstellen: Das ist, als wenn mir jemand Nase und Mund gleichzeitig zuhält."

Ärztliches Attest hilft in Geschäften nur wenig

Andrea Breu hat daher ein ärztliches Attest, dass sie von der Maskenpflicht befreit. Allerdings hilft ihr das Schreiben des Doktors wenig. Immer wieder wird sie aus Geschäften hinausgebeten.

"Ich habe das Gefühl, dass man direkt als Maskenverweigerer hingestellt wird", so Breu. "Dass kranke Menschen es wahnsinnig schwer haben, eben, weil es leider Gottes auch schwarze Schafe gibt, die sich illegal Atteste besorgen. Aber ich sage: Die Menschen sind nicht alle gleich. Es gibt ja auch wirklich Menschen, die sind krank."

Laut Deutscher Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin leiden rund fünf Prozent der Deutschen an Asthma. "Bei der übergroßen Mehrheit handelt es sich aber um leichte und mittelschwere Asthmaformen", so Professor Dr. Marek Lommatzsch. Bei schweren Asthma-Formen kann das längere Tragen von Masken für Patienten sehr unangenehm und belastend sein.

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Die Mund-Nasen-Maske ist aus dem Alltag nicht wegzudenken. Asthmatikern fällt dadurch aber das Atmen schwer. Die vermeintliche Lösung: ein ärztliches Attest, das von der Maskenpflicht befreit. Doch das stellt wiederrum Geschäfte vor ein Problem.

"Jeder muss sich und andere schützen"

Im Supermarkt von Barbara Unger in Lappersdorf trägt jeder Kunde und jeder Mitarbeiter eine Maske. Als ein älterer Herr den Laden ohne Maske betritt, hält ihm die Chefin eine Standpauke. Schnell zieht er die Maske wieder auf. Er hat sie schlichtweg vergessen.

99 Prozent ihrer Kunden würden sich an die Maskenpflicht halten, so Unger. Nur ein kleiner Teil mache ihr Ärger. Doch auch jene Kunden, die keine Maske tragen dürfen oder wollen, müssen sich und andere schützen, fordert Barbara Unger. Dafür liegen an der Kasse extra sogenannte "Face-Shields" bereit. Das ist eine Art Plexiglas-Visier, welches das ganze Gesicht abdeckt.

Kunden drohen mit Anwalt und Anzeigen

"Aber ganz häufig ist es so, dass diese Angebote ausgeschlagen werden. Es wird sogar dann ausfällig. Es wird uns mit Anwalt, Anzeigen gedroht. Und auf Rechte gepocht, die so real gar nicht existieren. Was für uns sehr frustrierend ist, weil wir haben ja die Gesetze nicht gemacht. Sondern wir sind dazu angehalten, uns daran zu halten. Wie jeder andere auch", sagt Unger.

Die Maskenpflicht dient allen Menschen und insbesondere auch Patienten mit chronischen Erkrankungen, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Ausgenommen sind Asthmatiker von der gesellschaftlichen Verantwortung nicht.

"Daher sollten Patienten mit schwereren Asthma-Formen lieber den Aufenthalt in Innenräumen mit größeren Menschenansammlungen aktuell zeitlich begrenzen, statt auf eine generelle Befreiung von der Maskenpflicht zu drängen", so Professor Lommatzsch.

"Krankheit gegen Maske eintauschen"

Als Maskenverweigerin will Andrea Breu nicht verstanden werden. Nur würde sie sich wünschen, dass die Diskussion darüber, offen und vorurteilsfrei bleibt. Sie sagt: "Mir geht es darum, dass einfach mehr Rücksicht aufeinander genommen wird, dass die Menschen sensibilisiert werden, dass nicht alle aus gesundheitlichen Gründen eine Maske tragen können. Wenn ich könnte, würde ich die Krankheit gegen eine Maske eintauschen."

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Supermarktbesitzerin Barbara Unger: "Man muss sich und andere schützen".

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Tabletten und Sprühdosen von Andrea Breu - sie hat Asthma und braucht viele Medikamente.

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