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Achtung, Social-Proof-Verhalten: "Das sagen doch ganz viele!" | BR24

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Es ist eine typische Verhaltensweise, in die wahrscheinlich jeder schon einmal getappt ist: Social Proof - die soziale Bewährtheit.

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Achtung, Social-Proof-Verhalten: "Das sagen doch ganz viele!"

Es ist eine typische Verhaltensweise, in die wahrscheinlich jeder schon einmal getappt ist: Social Proof – die soziale Bewährtheit. Wir verlassen uns bei Entscheidungen auf Bewertungen von anderen. Warum ist das so? Und welche Folgen kann dies haben?

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Von
  • Maren Hellwege-Beck

"Das wird schon stimmen!", "Das sagen doch ganz viele!" Wer hat nicht schon einmal so gedacht? Aber Achtung! Das ist ein typisches Verhaltensmuster. Genannt: "Social Proof", auf Deutsch "soziale Bewährtheit".

Social Proof ist ein psychologisches und soziales Phänomen, bei dem sich Menschen bei der Beurteilung von Verhalten, Informationen, Situationen auf die Bewertungen von anderen verlassen. Man macht gerne das, was andere auch machen. Man denkt gerne das, was andere auch denken. Man kauft gerne das, was andere auch kaufen. So vertraut man gerne Empfehlungen von Internetnutzern. Vor allem, wenn es sich um viele handelt. Man entscheidet sich gerne für etwas, für das sich schon viele andere entschieden haben, schaut etwa in einem Download-Shop darauf, wie viele User eine App schon heruntergeladen haben.

Warum ist das so?

Die Welt ist komplex, unser Wissen begrenzt. Darum verlassen wir uns in vielen Bereichen auf das Wissen anderer – und müssen das in gewissen Bereichen auch.

Dazu kommt: Diese Art zu Denken liegt unter anderem an unserer evolutionären Vergangenheit, schreibt etwa Rolf Dobelli in seinem Buch "Die Kunst des klaren Denkens". Da war nachahmendes Verhalten zum Teil überlebenswichtig. Wenn alle vor einem gefährlichen Tier wegrennen, ist es für mich eher von Nachteil, wenn ich erst überlege, ob die Situation wirklich gefährlich ist. Dieses Verhaltensmuster ist tief in uns verankert. Und wir wenden es auch heute noch oft an. Auch wenn es nicht ums Überleben geht.

Werbung, Talkshows, Falschinformationen

Das weiß die Werbung. Sie baut sehr oft auf Social Proof, nutzt bestimmte Labels: "Bestseller", "meistverkauft". Oder sie zeigt Menschen wie du und ich, von denen es also sehr viele dieser Art gibt, mit dem Ziel, dass wir denken: "Wenn sie das nutzt, dann wird es gut sein." Auch legt Werbung viel Wert auf gute Bewertungen im Internet. Auch hier die Hoffnung, dass der mögliche Kunde denkt: "Wenn so viele das mit sehr gut bewertet haben, dann muss es ja gut sein."

Auch Talkshows oder Comedy-Sendungen nutzen dies. Sie spielen Lacher vom Tonband ein. Die Zuschauer animiert das, ebenfalls zu lachen und die Show eher als lustig zu empfinden.

Achtung: Häufiges Wiederholen macht etwas nicht richtiger

Auch bei der Verbreitung von Fehlinformation spielt Social Proof eine Rolle: Eine Nachricht wirkt legitimer, je mehr Aufmerksamkeit sie erhält, je weiter sie verbreitet ist. Durch ständiges Wiederholen werden falsche Informationen mit der Zeit weißgewaschen.

Fazit: Skeptisch bleiben und überlegen, ob ein Argument wirklich Sinn macht. Nur weil viele etwas behaupten, wird es dadurch nicht zur Wahrheit.

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