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"Achtung, Geisterfahrer!"- 50 Jahre Verkehrsmeldestelle Bayern | BR24

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Verkehrsfunk: Herbert Mair von der Bayern 3-Redaktion, 1972

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    "Achtung, Geisterfahrer!"- 50 Jahre Verkehrsmeldestelle Bayern

    Es war eine der kuriosesten Verkehrsmeldungen des BR: "Die Verkehrsmeldestelle der Polizei meldete Tiere auf der B 11, genauer gesagt, einen Elefanten. Wie sich herausstellte, ging dort der Elefantenführer eines Zirkus mit seinem Tier spazieren.

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    Von
    • Hermann Scholz

    Die Meldung vom Elefanten stammte von der Polizei, genauer der Verkehrsmeldezentrale Bayern. Am 1. April 1971 nahm die ihren Betrieb auf, vor genau 50 Jahren. Grund war das gestiegene Verkehrsaufkommen.

    Gefahrenmeldungen in Sekunden

    Am Anfang wurden Meldungen noch per Telefon weitergegeben, damals noch an die zur selben Zeit eingerichtete Servicewelle Bayern 3. Sehr schnell reichte das nicht mehr, Computer mussten her.

    Die Verkehrsmeldestelle besteht aus einem Raum im Gebäude des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim. Zwei Beamte überwachen hier Tag und Nacht den Verkehr in Bayern. Ihre Information bekommen sie von Polizeistreifen, den Überwachungskameras auf Autobahnen und Bundesstraßen, und von Floating Car Data , der ADAC liefert Bewegungsdaten von Millionen Freiwilligen, die auf den Straßen unterwegs sind. Außerdem sind die Polizisten mit den Verkehrszentralen in den anderen Bundesländern, in Österreich, der Schweiz und Südtirol vernetzt. Dazu kommen Daten von den Straßenbaubehörden und dem Wetterdienst.

    Gemeldet wird alles, was den Verkehr beeinflusst: Baustellen, Staus, überfüllte Parkplätze. Und Geisterfahrer, die hier Falschfahrer heißen.

    "Beim Falschfahrer sind wir sehr, sehr schnell. Das, was am längsten dauert, ist, die Information vom Mitteiler zu erfragen. Wenn sie dann mal im System ist, geht’s in Sekundenschnelle in die Informationssysteme der Fahrzeuge auf dem technischen Wege, gleichzeitig aber auch in die Verkehrsredaktionen der Rundfunksender, die dann über ihre eigenen Systeme den Moderator im Studio verständigen", so Michael Bungert, Polizeihauptkommissar, Verkehrsmeldestelle Bayern

    Von Rosenheim in die Welt

    Von der Verkehrsmeldestelle werden die Daten digital an Navigationsgeräte oder Autoradios weitergegeben, und vor allem an Rundfunksender wie den Bayerischen Rundfunk. Dort werden die Meldungen noch einmal nachrecherchiert. Der BR hat auch Zugriff auf Daten eines Navigationsgeräteherstellers, das erlaubt es, minutengenau Verzögerungen durch Staus auszurechnen.

    Stimme schlägt Navi

    Daniela Rembold aus der BR Verkehrsredaktion erzählt, einmal habe sich eine Dame sogar bedankt für eine Geisterfahrer-Meldung. "Sie hat die Meldung gehört und kurz darauf kam ihr tatsächlich dieser Geisterfahrer entgegen, und aufgrund dessen, dass sie es bei uns eben rechtzeitig gehört hat, war sie halt eben vorbereitet, und hat eben gesagt: sie ist sich sicher, sie hat nur deswegen so vernünftig und ruhig und sicher reagieren können, weil sie die Meldung bei uns gehört hat", schildert Rembold.

    Autofahrer vertrauen übrigens der Stimme des Radiomoderators bei den Verkehrsmeldungen immer noch mehr als den Daten ihres Navigationsgerätes. Daniela Rembold zitiert eine Studie, die vor kurzem belegt hat: 80 Prozent der Autofahrer bevorzugen Verkehrsmeldungen, die ihnen ein Mensch vorliest.

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