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Abtreibungs-Notstand in Ostbayern | BR24

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Wird eine Frau in Ostbayern ungewollt schwanger, ist es schwer, einen Arzt zu finden, der eine Abtreibung vornimmt. Obwohl Abtreiben in Deutschland bis zur zwölften Schwangerschaftswoche legal ist.

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Abtreibungs-Notstand in Ostbayern

Wenn eine Frau schwanger wird und das Kind nicht behalten möchte, kann sie in Deutschland bis zur zwölften Schwangerschaftswoche abtreiben. In Bayern ist das allerdings nicht immer möglich. Gerade in ländlichen Regionen fehlen Ärztinnen und Ärzte.

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Wird eine Frau ungewollt schwanger, kann sie ihr Ungeborenes bis zur zwölften Schwangerschaftswoche abtreiben. So erlaubt es das deutsche Gesetz. Doch dass es generell geht, bedeutet nicht, dass es überall in Bayern möglich ist. Gerade in ländlichen Regionen fehlen Ärztinnen und Ärzte, die den Eingriff durchführen. Besonders schlecht versorgt ist Ostbayern.

Pro Familia: "Unzumutbare Belastung"

Viele Frauen aus Niederbayern und der Oberpfalz müssen nach München oder Nürnberg fahren, um ihre Schwangerschaft abbrechen zu können. Eine unzumutbare Belastung, findet Thoralf Fricke, Landesgeschäftsführer von Pro Familia: "Es ist medizinisch problematischer, es könnten Komplikationen auftreten. Und es ist finanziell aufwendiger. Und sie müssen es organisatorisch hinkriegen. 60 Prozent der Frauen sind Mütter, müssen das hinkriegen, da zweimal zu einem Arzt nach München zu fahren, um diesen Termin wahrnehmen zu können."

Nur für Frauen, die ihre Schwangerschaft früh bemerken, gibt es bei Landshut und in Regensburg die Möglichkeit, mit Medikamenten abzubrechen. Aber das reicht nicht, findet Fricke: "Es kann nicht sein, dass in ganz Niederbayern und der Oberpfalz kein einziges Krankenhaus, also keine einzige stationäre Versorgung sichergestellt ist. Und dann stellt sich der Freistaat Bayern hin und sagt, er kommt seiner gesetzlichen Verpflichtung nach. Also sorry. Aber wo denn dann."

Gesundheitsministerium verweist auf Liste

Ein Bundesgesetz verpflichtet die Länder, für Schwangerschaftsabbrüche ein ausreichendes Angebot ambulanter und stationärer Einrichtungen sicherzustellen. Das Angebot sei doch da, argumentiert das Bayerische Gesundheitsministerium und verweist auf eine Liste, auf der alle Ärztinnen und Ärzte, die eine Weiterbildung für Abbrüche gemacht haben, aufgeführt sind. Solche Ärzte arbeiten auch am städtischen Klinikum Passau. Doch was nicht berücksichtigt wird: Hier dürfen Mediziner gar keine Abbrüche durchführen - ein Stadtratsbeschluss verbietet es ihnen.

Versorgungslücke in Passau

1998 und 2007 versuchte Stadträtin Erika Träger, das Verbot zu kippen - ohne Erfolg. "Das kann ja gar nicht angehen. Wir haben ein Klinikum in Passau, das ein sehr großes, ein sehr gutes Klinikum ist. Wir wollen in Passau einen medizinischen Campus. Wir sagen, wir wollen ein Maximalversorger-Klinikum, und dann muss ich feststellen: Das ist einfach eine Versorgungslücke", sagt Erika Träger, vierte Bürgermeisterin der Stadt.

Ganz egal, ob Passaus Stadtrat irgendwann das Verbot aufhebt. Für Pro Familia ist das Problem damit nicht gelöst. Der Gesetzgeber müsste von den Ländern mehr einfordern, der Freistaat seine Universitätskliniken verpflichten, fordert Thoralf Fricke. Dann gäbe es in Regensburg die Möglichkeit. Und auch für Passau gibt es Pläne, dass aus dem Klinikum ein Uniklinikum wird. "Die Kliniken wären verpflichtet, dann in der Personalauswahl dafür zu sorgen, dass auch ausreichend Personal da ist, das die Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Das wäre schon mal ein erster Schritt."

Aktivistinnen demonstrieren für ihr Recht

In München und Passau demonstrieren Aktivistinnen für eine flächendeckende Versorgung. Eine von ihnen ist Anna. Die Studentin wusste von Anfang an, dass sie nicht schwanger bleiben will und auch kein Kind großziehen will. Als die Studentin aus Passau bemerkt, dass sie schwanger ist, ist sie schon fast in der zehnten Woche. In Deutschland sind Abbrüche bis zur zwölften erlaubt. Sie organisiert Termine bei Konfliktberatung und Ärzten. Zwei Wochen später treibt sie ab - gerade noch innerhalb der Frist. Das ist jetzt fünf Jahre her.

Heute hätte Anna in Passau keinen Arzt gefunden. Der Gynäkologe von damals hat aufgehört. In Niederbayern und der Oberpfalz gibt es keinen Arzt mehr, der auf Wunsch der Frau Abbrüche bis zur zwölften Woche durchführt. "Was sich geändert hat, ist, dass es auch Teil von meinem aktuellen Leben ist, mich dafür einzusetzen, und politisch dafür zu kämpfen, dass das eben möglich ist."

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