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Absage wegen Corona: Oberammergau trauert um die Passionsspiele | BR24

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Das Passionsspiel in Oberammergau wurde wegen der Corona-Krise auf 2022 verschoben. Ein großer Verlust für das ganze Dorf, denn fast die Hälfte der Bewohner wirkt mit. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, jetzt aber wird die Bühne abgebaut.

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Absage wegen Corona: Oberammergau trauert um die Passionsspiele

Das Passionsspiel in Oberammergau wurde wegen der Corona-Krise auf 2022 verschoben. Ein großer Verlust für das ganze Dorf, denn fast die Hälfte der Bewohner wirkt mit. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, jetzt aber wird die Bühne abgebaut.

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Ausgerechnet in der Karwoche mussten die Oberammergauer mit dem Abbau der Freilichtbühne beginnen. Für Mitte Mai war die Premiere des Passionsspiels geplant, die wegen der Corona-Krise aber auf 2022 verschoben wurde. Für viele sehr traurig.

"Man war in den Proben drin. Man hat an den Texten gearbeitet. Man wollte hier ja fast eine halbe Million Besucher aus der ganzen Welt im Passionstheater empfangen. Und die kommen jetzt alle nicht. Das tut einem natürlich total weh." Frederik Mayet, Jesus-Darsteller Passionsspiel Oberammergau

Vorbereitungen waren fast abgeschlossen

Besonders hart trifft die Absage die vielen Mitwirkenden, weil die Vorbereitungen fast komplett abgeschlossen waren. Wie etwa in der Schneiderei, wo mehr als zweitausend Kostüme gefertigt wurden. Die Schneiderinnen rechnen damit, dass sie wegen der Verschiebung rund ein Drittel der Kleider neu anfertigen müssen. Denn die Konfektionsgrößen könnten sich bei einigen Darstellern in der Zwischenzeit ändern.

Rückabwicklung der Passionsspiele

Auch im Büro des Regisseurs ist die Stimmung angespannt. Seit 1990 führt Christian Stückl die Regie in Oberammergau. Zum ersten Mal muss er sich nun um die Rückabwicklung der ganzen Produktion kümmern. 95 Prozent der Tickets waren schon verkauft. Nun müssen sie entweder rückerstattet oder umgebucht werden. Auch um sein Team macht sich der Regisseur Christian Stückl Sorgen.

"Manche haben sich von Arbeitgebern fürs Passionsspiel beurlauben lassen. Sie kriegen jetzt gar keine Arbeit. Für viele, die mit dabei waren vom Orchester, über die Sänger, über die Spieler ist das jetzt ein ganz eigenartiger Punkt." Christian Stückl, Regisseur Passionsspiel Oberammergau

Passionsspiel ist wichtiger Wirtschaftsfaktor

Gastwirt Benedikt Fischer hat vor einigen Jahren sein Restaurant direkt vor dem Passionstheater komplett saniert - auch im Hinblick auf das Passionsspiel 2020. Jetzt ist es wegen Corona geschlossen. Wie lange noch, weiß er nicht.

"Für viele werden es wahrscheinlich zwei lange Jahre. Ich könnte es mir durchaus vorstellen, dass der eine oder der andere jetzt schlechter schläft. Ich hoffe natürlich, dass es alle irgendwie gut weiterbringen. Natürlich gibt es viele Betriebe, die jetzt viel investiert haben oder die Fassade haben neu machen lassen." Benedikt Fischer, Gastronom Oberammergau

Positives in Absage sehen

In der Töpferei von Barbara Lampe läuft die Arbeit noch. Die Produktion der 130 Tonkrüge für das Passionsspiel geht weiter. Auf der Bühne wird Jesus sie alle bei der Vertreibung der Händler aus dem Tempel zerbrechen. Ohne diesen Auftrag hätte auch Barbara Lampe keine Arbeit. Auch sie ist Darstellerin, trotzdem sieht sie auch Positives in der Absage. Die Aufführung 2022 könnte nun noch überzeugender werden.

"Es macht die Botschaft noch wichtiger. Wir nehmen die Texte ganz anders wahr. Und auch die Zuschauer werden wissen, was wirklich gemeint ist. Ich bin überzeugt davon, dass es ganz anders wird, als wenn wir es jetzt gespielt hätten." Barbara Lampe, Töpferin Oberammergau

Berührende Momente an Karfreitag

Am Karfreitag haben die Hauptdarsteller die Auszüge der Passion im Online-Gottesdienst vorgetragen - ein kleiner und tröstlicher Ersatz.

"Was bleibt, ist natürlich die Zuversicht und die Hoffnung, dass wir in zwei Jahren das alles auf die Bühne bringen." Frederik Mayet, Jesus-Darsteller Passionsspiel Oberammergau

Auch auf die Passionsmusik mussten die Oberammergauer trotz Gottesdienstverbots nicht verzichten. Dieses Mal kam die Musik aus den Lautsprechern des Kirchturms. Ein trauriger und doch Mut machender Klang für die Oberammergauer.

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