Coronavirus - Weihnachtsmarkt in München

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Absage der Weihnachtsmärkte: "Schwere Katastrophe"

Absage der Weihnachtsmärkte: "Schwere Katastrophe"

Vielerorts stehen die Buden schon - trotzdem hat Ministerpräsident Söder wegen der hohen Corona-Inzidenz die Reißleine gezogen. Für die Marktleute ist das ein finanzielles Desaster. Die Reaktionen schwanken zwischen Wut, Verzweiflung und Verständnis.

Nach der Absage der Weihnachtsmärkte durch die Staatsregierung kochen die Emotionen hoch. In vielen Kommunen sind die Buden und Stände schon fertig aufgebaut und warten auf Kundschaft. Der Pressesprecher des Bayerischen Landesverbands der Marktleute und Schausteller für Nordbayern, Werner Baumeister, bezeichnet die Entscheidung als "schwere Katastrophe" für seine Zunft – und für nicht nachvollziehbar.

Komplette Absage "nicht nachvollziehbar"

Anfang November habe Ministerpräsident Söder noch angekündigt, die Weihnachtsmärkte würden abgehalten und seien sicher. Die Marktleute hätten dies geglaubt, ihren Betrieb hochgefahren "und mächtig Kosten produziert. Auf diesen Kosten sitzen wir jetzt." So lagerte bei vielen Marktleuten verderbliche oder modische Ware, "die praktisch nach der Saison für die Mülltonne ist", so der Pressesprecher der Marktleute. Dabei sind laut Baumeister die an der frischen Luft stattfindenden Märkte die "sichersten Einkaufsmöglichkeiten überhaupt". Deshalb sei für ihn die komplette Absage aller Märkte auch "nicht nachvollziehbar". "Die Kollegen sind am Boden zerstört. Manche davon sind seit Dezember 2019 ohne Umsätze. Und die angekündigten Hilfen haben bei sehr vielen nicht die gewünschte Wirkung gezeigt." Die psychische Belastung sei immens. Er selber habe die letzten anderthalb Wochen "schlaflose Nächte" gehabt: "Ich wache um 2 Uhr nachts auf und kann nicht mehr einschlafen – weil du diese Zukunftsängste immer massiver hast."

Würzburg: "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht"

Das von Söder heute angekündigte Überbrückungsgeld für Marktleute und Schausteller sei dringend notwendig, betont Baumeister, der normalerweise selbst einen Mandel- und einen Glühweinstand auf dem Würzburger Weihnachtsmarkt betreibt: "Jetzt liegt es wirklich an der Regierung, wirklich mal echte Hilfen zu leisten." Man habe "an die Versprechen der Politik geglaubt", ärgert sich der Pressesprecher der nordbayerischen Marktleute. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. In meinen Augen hat klipp und klar die Politik versagt. Alles, was uns versprochen wurde… die Freiheit für die Geimpften, die fehlt mir."

Nürnberg: "Das ist ein riesiger finanzieller Verlust"

"Es ist traurig. Aber gut, es ist landesweit die Entscheidung gefallen, die müssen wir hinnehmen", sagt Michael Fraas, Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg und dort Christkindlesmarkt-Beauftragter. Bitter sei es für die Händler, die schon den Markt aufgebaut hätten, da gehe es um Existenzen. Die Händler selbst sind sauer. "Jetzt können wir wieder einpacken. Das ist ein riesiger finanzieller Verlust", sagt Händler Rainer Rudolf. "Hätten sie sich das nicht eher überlegen können?", fragt Petra Albrecht. Sie bleibt auf bereits bestellten Lebensmitteln sitzen. Der Frust ist groß: Denn Wochen vor der eigentlichen Eröffnung hatten die Schausteller, Händler und die Stadt Nürnberg ein Hygienekonzept erarbeitet und den Markt entzerrt. Genützt hat es nichts.

Landshut: Auch Glühweinstände müssen schließen

"Die von der Staatsregierung getroffene Entscheidung war zwar mit Blick auf die kritische Infektionslage zu erwarten, kommt aber sehr spät“, kritisiert auch der Landshuter Oberbürgermeister Alexander Putz (parteilos). Folglich seien die Vorbereitungen auch in Landshut bis heute weitergelaufen. "Der wirtschaftliche Schaden für die Beschicker ist enorm", sagt Putz und: "Sie müssen vom Freistaat eine angemessene Entschädigung erhalten." Die Stadt Landshut wiederum wird es bei der Absage des Christkindlmarkts nicht bewenden lassen. "Wir werden am morgigen Samstag eine Allgemeinverfügung erlassen und auch alle weihnachtsmarktähnlichen Angebote im gesamten Stadtgebiet ab Sonntag untersagen", so Putz. Damit müssen sämtliche Glühweinstände schließen. "Die Infektionsgefahren, die von solchen Angeboten für die Besucher und die Allgemeinheit ausgehen, sind mit Sicherheit nicht geringer als das Risiko, das wir mit einem strengstens reglementierten und gut kontrollierbaren Christkindlmarkt eingegangen wären", betont der OB. Deshalb sei es nur konsequent und im Sinne des Gleichbehandlungsgrundsatzes geboten, auch Glühweinstände und Ähnliches zu schließen.

Rothenburg ob der Tauber wird Weihnachtsstadt

Das sieht man in Rothenburg ob der Tauber im Landkreis Ansbach anders. Der Rothenburger Reiterlesmarkt wird zur Weihnachtsstadt, teilt das Tourismusamt mit. Man bedauere die Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung, akzeptiere sie aber – die Gesundheit der Gäste habe Priorität. Unter strengen Hygiene- und Abstandsregeln sollen Besucherinnen und Besucher trotzdem ein weihnachtliches Gefühl vermittelt bekommen. Dementsprechend sind Einzelhändler und Gastronomiebetriebe dekoriert und haben auch ein weihnachtliches Angebot. "Statt an einer Bude kann man sich seinen Glühwein dieses Jahr an einem der zahlreichen bewirteten Plätze innerhalb der Altstadt schmecken lassen“, sagt Oberbürgermeister Markus Naser. Dabei gelte – wie es am Freitag beschlossen wurde – mindestens eine 2G-Regelung.

Coburg setzt auf reinen Warenmarkt

Auch die Stadt Coburg möchte nach der Absage aller Weihnachtsmärkte für Ersatz sorgen. Derzeit prüfe man "Plan B". Um Schausteller zu unterstützen, könnte beispielsweise ein reiner Warenmarkt den geplanten Weihnachtsmarkt ersetzen. Da die Aufbauarbeiten für den Markt bereits fast abgeschlossen und die Verträge mit den Schaustellern unterschrieben seien, könnte diese Lösung den beteiligten Menschen helfen "einen kleinen Teil der dringend benötigten Einnahmen zu generieren." Ein Warenmarkt habe den Charakter eines Wochenmarkts. Die Ansteckungsgefahr sei dort deutlich kleiner. Es müssten allerdings erst die genauen Bestimmungen der Regierung abgewartet werden, mit denen die Stadt Coburg bis spätestens Mitte nächster Woche rechnet.

Augsburg: "Wissen nicht, wie es weitergehen soll"

Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) bedauert die Absage des Augsburger Christkindlesmarktes. “Ich bin für diejenigen, die auf dem Christkindlesmarkt ihren Stand betreiben, unglaublich traurig. Ich weiß, wie viel Herzblut gerade auch in diesem Jahr hier reingesteckt worden ist in den Aufbau, vor allem auch, wieviel Überlegungen, wie dieser Christkindlesmarkt funktionieren kann unter Pandemie-Bedingungen". Sie denke jetzt besonders an die vielen Existenzen und Familien der Beschicker. Nun gehe es darum, den Abbau zu organisieren. Dafür laufen bereits Gespräche mit den Budenbetreibern. Für sie hofft Weber auf schnelle Hilfen von Bund und Land. Für Manuela Müller-Manz, Vizepräsidentin Schwaben des Bayerischen Landesverbandes Marktkaufleute und Schausteller e.V., ist die Absage des Christkindlesmarktes eine Katastrophe, auch wenn sie die Absage schon befürchtet habe. “Teilweise wissen wir jetzt gar nicht, wie es weitergehen soll”, so Manz, die selbst am Christkindlesmarkt einen Stand mit Mützen und Handschuhen betreiben wollte.

München: "bitterer Tag"

Die Leiterin des Winter-Tollwood-Festivals, Rita Rottenwallner, spricht von einem "bitteren Tag". Der erneute Ausfall treffe alle Beteiligten "noch einmal ungleich drastischer als im letzten Jahr". Voller Hoffnung habe man im Spätsommer die Planungen begonnen, Hygienekonzepte erstellt und "alles getan, um unserem Publikum optimale Sicherheit zu bieten". Der bei "noch positiven Rahmenbedingungen" begonnene Aufbau sei inzwischen so gut wie beendet. Doch nun "müssen wir unsere Hoffnungen einmal mehr begraben", so Rita Rottenwallner. Aber "das Wohl und die Gesundheit der Menschen gehen vor“.  

Regensburg: Privater Weihnachtsmarkt findet (vorerst) statt

Trotz der Absage durch die Staatsregierung, hat der Regensburger Veranstalter Peter Kittel den Weihnachtsmarkt auf dem Gelände des Thurn-und Taxis-Schlosses St. Emmeram am Freitag dennoch offiziell eröffnet. Es gebe nach Rücksprache mit der Stadt als Genehmigungsbehörde eine gültige Genehmigung. Solange keine rechtsverbindliche schriftliche Untersagung vorliege, werde er den Markt deshalb weiter betrieben, heißt es in einer Mitteilung Kittels. Außerdem lasse er "juristische Schritte" prüfen. Wie eine Stadtsprecherin auf BR-Anfrage sagte, gelte die Genehmigung für den Markt in jedem Fall so lange, wie sich die Rechtsgrundlage nicht ändert. Die bayernweite Regelung, dass Christkindlmärkte nicht stattfinden dürfen, gelte schließlich erst ab kommenden Mittwoch. Ob der Markt auf dem Thurn-und-Taxis-Schlossgelände dann aufgrund dieser neu geltenden Infektionsschutzmaßnahmenverordnung automatisch untersagt ist oder ob es einer eigenen Untersagung bedarf, konnte die Sprecherin nicht sagen. Die Stadt selbst hat den Weihnachtsmarkt auf dem Regensburger Neupfarrplatz indes definitiv abgesagt.

Bayreuth: Weihnachtsmarkt bis Dienstag

Auch in Bayreuth bleibt der Christkindlesmarkt vorerst geöffnet. Das hat die Stadt Bayreuth am Freitag mitgeteilt. Sie rechnet damit, dass im Bayerischen Landtag am Dienstag Details der Schließungen erarbeitet werden. Bis dahin soll der Weihnachtsmarkt geöffnet bleiben: Die offizielle Eröffnungsveranstaltung des Weihnachtsmarkts am Montag entfällt allerdings. Auch das Bayreuther Winterdorf rechnet aktuell damit, ab Mittwoch schließen zu müssen, erklärt Geschäftsführer Maximilian Vogel dem BR.

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