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Abreißen? Was der Mitgliederschwund für Kirchengebäude heißt | BR24

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Die Zahl der Christen geht in Bayern immer mehr zurück. Was passiert mit den ganzen Kirchen? #fragBR24

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Abreißen? Was der Mitgliederschwund für Kirchengebäude heißt

Weniger Kirchenmitglieder, weniger Geld. Einer aktuellen Prognose zufolge soll sich die Zahl der Kirchenmitglieder in Bayern bis 2060 fast halbieren. Das hat Folgen - auch für die Kirchengebäude. Vielerorts heißt es dann: Abreißen oder aufgeben?

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Im Pfarrverband St. Augustin in Ingolstadt gibt es derzeit drei Kirchen: St. Augustin, St. Canisius und St. Monika. Zwei davon müssen dringend renoviert werden. Gleichzeitig ist die Zahl der Katholiken im Pfarrverband seit der Jahrtausendwende von etwa 8.000 auf knapp 6.500 zurückgegangen. Tendenz weiter stark sinkend. Das Bistum Eichstätt hat deshalb eine sogenannte Pastoralbedarfsanalyse erstellt, um zu entscheiden: Braucht die Gemeinde in Zukunft wirklich drei Kirchen? Für Domkapitular Alfred Rottler spielt dabei vor allem die Frage eine Rolle, worauf man in Zukunft setzt: Aufgrund der sinkenden Zahl von Gläubigen, Ressourcen, Personal und Finanzmittel müsse man Schwerpunkte setzen.

Rational lohnt sich das Gebäude nicht, emotional schon

Pfarrer Erich Schredl pendelt derzeit zwischen den drei Kirchen. Er hält auch in St. Monika, einer baufälligen Kirche aus den 1980er Jahren, Gottesdienste, an denen teilweise nur acht Leute teilnehmen und sich der Erhalt kaum mehr lohnt: "Rational können wir es uns nicht leisten." Aber er hänge an der Kirche, feiere dort gerne Gottesdienste. "Es ist eine besondere Atmosphäre."

Aufgeben? Abreißen? Es geht um die Zukunft!

Aufgrund der "Pastoralbedarfsanalyse" wurde jetzt entschieden: St. Monika wird aufgegeben, genauso wie das leerstehende Pfarrhaus. Ein großer Verlust für den Stadtteil, meint die Kindergärtnerin in St. Monika, Linda Schröfelbauer. Es werde etwas Großes fehlen, findet sie. Möglicherweise wird die Kirche abgerissen, vielleicht sollen auf dem Gelände Wohnungen gebaut werden. Auf jeden Fall wird durch die Aufgabe von St. Monika die Renovierung der anderen Kirche im Pfarrverband gesichert, die mehrere Millionen kosten soll.

Bamberg: Keine Genehmigung für Gebäudeerweiterungen

Im Erzbistum Bamberg fährt man eine striktere Linie: In einer Mitteilung des Erzbistums vom Mai 2019 heißt es: Das Ziel seien weniger Immobilien und die Konzentration auf das Wesentliche. Finanzdirektor Mathias Vetter zufolge werden keine Gebäudeerweiterungen mehr genehmigt. Zusätzliche Baulasten könnten mittelfristig nicht mehr finanziert werden.

Evangelische Kirche sucht nach Finanzierungsmöglichkeiten

Eine andere Strategie, um trotz sinkender Mitgliederzahlen Kirchengebäude zu erhalten, verfolgt die evangelische Kirche in München. Die Auferstehungskirche im Stadtteil Westend, ein mächtiger Backsteinbau aus den 1930er Jahren mit 800 Plätzen, soll zum Stadtteilzentrum umfunktioniert werden, berichtet Pfarrer Bernd Berger. Er stellt sich vor, "dass Gruppen die Kirche mieten können, eventuell Yogakurse stattfinden". Möglich sei auch, das Gebäude für Familienfeste nutzbar zu machen, wenn eine Küche eingebaut würde. "Oder dass da meinetwegen auch eine  Modeschau stattfinden kann."

Letztendlich gehe es darum, darüber nachzudenken, wie die zukünftige Arbeit finanziert werden kann. Und so sollen durch einen Neubau auf dem Kirchengelände zusätzliche Mieteinnahmen erzielt werden, um die Zukunft der Gemeinde und der Kirche zu sichern.

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Weniger Kirchenmitglieder, weniger Geld. Einer aktuellen Prognose zufolge soll sich die Zahl der Kirchenmitglieder in Bayern bis 2060 fast halbieren. Das hat Folgen - auch für die Kirchengebäude. Vielerorts heißt es dann: Abreißen oder aufgeben?