BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Nikola
Bildrechte: imago / Westend61

Jeden Frühling sind Frauenzeitschriften voll von Diäten und vermitteln ein schlankes Schönheitsideal. Eine Anti-Diät-Gruppe aus Ansbach stellt dieses Bild in Frage.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Abnehmen im Frühling: Anti-Diät-Gruppe gegen Schönheitsideal

Jeden Frühling sind Frauenzeitschriften voll von Diäten und vermitteln ein schlankes Schönheitsideal, für das es viele Beispiele gibt - von Barbie über Twiggy bis Germany’s Next Topmodel. Eine Anti-Diät-Gruppe aus Ansbach stellt dieses Bild in Frage.

Per Mail sharen
Von
  • Ulrike Nikola

Ein latent schlechtes Gewissen und Gedanken, die ständig um Essen, Abnehmen und Sport kreisen – das kennen viele Frauen, egal wie alt sie sind. Vor über 60 Jahren verkörperte die Barbie-Puppe eine schlanke Idealfigur, heute sind es Topmodel-Sendungen im Fernsehen. Vor allem im Frühling werden in den Medien unterschiedliche Diäten angeboten, um nach dem Winter eine vermeintlich vorzeigbare Figur zu bekommen. Das setzt Viele unter Druck. Doch entscheidender sollte sein, dass man sich selbst wohl fühlt.

Gesundes Verhältnis zum Essen statt Diät

Dazu gehört das entsprechende Selbstbewusstsein und manchmal auch die Unterstützung von Gleichgesinnten wie beispielsweise in der Anti-Diät-Gruppe "Wir sind (ge-) wichtig" in Ansbach: "Wir wollen nicht durch Diäten abnehmen, weil wir wissen, dass es nicht funktioniert. Vielmehr möchten wir ein gesundes Verhältnis zum Essen bekommen", sagt Sabine Schmidt. Sie ist froh, dass es die Anti-Diät-Selbsthilfegruppe seit eineinhalb Jahren gibt. Dort können sie und die anderen beispielsweise den verinnerlichten Klischees auf die Spur kommen. Sie selber erinnert sich noch gut an Twiggy, das superschlanke Fotomodel der Sechziger Jahre, das prägend für viele Frauen gewesen ist.

Wertschätzendes Selbstbild als Ziel

Seit damals hat es unzählige extrem dünne Models gegeben, die auf Laufstegen und Werbeplakaten posieren. Mittlerweile treten die Kandidatinnen aus Germany’s Next Topmodel und andere sogenannte Influencerinnen in den sozialen Medien auf, wo sie das gängige Schönheitsideal repräsentieren. Das führe dazu, dass sich auch normalgewichtige Frauen dick fühlen, bedauert Sabine Schmidt. In der Anti-Diät-Gruppe geht es deshalb um ein wertschätzendes Selbstbild und Selbstbewusstsein. "Bei KISS Ansbach, der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppe in Mittelfranken, haben wir einen geschützten Raum, in dem wir uns normalerweise zweimal im Monat treffen und vertraulich reden können", erklärt Sabine Schmidt.

Gruppe bietet Emanzipation und Erfahrungsaustausch

Der Erfahrungsaustausch über das eigene Essverhalten sei sehr wichtig. Dahinter stecke auch das Thema Emanzipation, sich von gängigen Bildern zu befreien und für mehr körperliche Selbstbestimmung einzusetzen. Das gelte übrigens nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer, sagt sie. In der Corona-Zeit ist Sabine Schmidt erschrocken, dass Andere oft klagen, wenn sie zwei Kilo zugenommen haben. Dabei gehört das ihrer Meinung nach zu den ganz normalen Gewichtsschwankungen.

Gesellschaftliches Schönheitsideal betrifft alle Generationen

"Schon im Alter ab acht Jahren erleben wir, dass Mädchen ein gestörtes Essverhalten zeigen, weil sie in den sozialen Medien den Schönheitsidealen der extrem schlanken Influencerinnen folgen. Aber auch Frauen in den Wechseljahren über 50 stehen unter Druck, wenn sie versuchen in dieser Phase der körperlichen Veränderung weiterhin dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen", sagt Anna Feuerbach, Vorstand vom Verein "dick und dünn" und der Nürnberger Fachberatungseinrichtung für Essstörungen.

Tipp: Influencerinnen entfolgen

In der Beratungsarbeit empfehlen die Expertinnen daher, dass sich Betroffene ihres eigenen Selbstwerts besser bewusst zu werden, "denn jeder Mensch ist viel mehr wert als sein reines Äußeres. Deshalb ist es wichtig, die eigene Identität unabhängig vom äußeren Erscheinungsbild herauszuarbeiten", erklärt Anna Feuerbach. Außerdem sei es hilfreich, wenn Betroffene den Kanälen mit solchen extremen Schönheitsidealen nicht mehr folgen, und auch entsprechende Zeitschriften mit Diäten nicht kaufen würden.

"Body Positivity" als Gegenbewegung zum Mainstream

Die Erkenntnis, dass die Wirklichkeit meist anders aussieht als die mit Bildbearbeitungsprogrammen nachjustierten makellosen Körper in der Werbung, kann ebenso befreiend wirken. Mit "Body Positivity" gibt es bereits eine Art Gegenbewegung und die Bekenntnis zur Natürlichkeit. Auch in den sozialen Medien findet man Hashtags wie beispielsweise #fürmehrrealitätaufinstagram. Dort zeigen sich Frauen ganz ungeschminkt, ohne Haare oder nach der Geburt ihres Kindes mit ihrem After-Baby-Body. Denn das alles gehört zum Leben dazu.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!