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Drei ehemalige Schüler sollen im Mai 2020 die Abituraufgaben aus einem Tresor des Bamberger Gymnasiums geklaut haben. Heute startet der Prozess.

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Abitur-Aufgaben geklaut: Prozess gegen frühere Schüler startet

Im Mai 2020 wurden Abituraufgaben aus dem Tresor eines Bamberger Gymnasiums gestohlen. Deshalb mussten in ganz Bayern neue Abituraufgaben in den Fächern Deutsch, Englisch und Latein gestellt werden. Die drei ehemaligen Schüler stehen nun vor Gericht.

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Von
  • Sandra Jozipovic

Drei ehemalige Schüler müssen sich ab heute vor dem Amtsgericht in Bamberg wegen Diebstahls von Abituraufgaben verantworten. Im vergangenen Jahr sollen die damals 18-Jährigen die Abituraufgaben aus dem Tresor eines Bamberger Gymnasiums gestohlen haben.

Einbruch mit nachgemachtem Generalschlüssel

Die ehemaligen Schüler sollen schon im Vorfeld über ein Jahr hinweg mehrmals nachts in das Bamberger Gymnasium eingebrochen sein. Mit einem übers Internet nachgemachten Generalschlüssel sollen sie viele Räume an ihrer Schule durchsucht haben. Kurz vor der Abiturprüfung sollen sie mehrere Sideboards aufgeflext und den Tresor im Büro des Direktors aufgebrochen haben. So hätten sie die Prüfungsaufgaben für das Deutsch-, Englisch- und Latein-Abitur entwenden können.

Der Diebstahl fiel jedoch dem Schuldirektor auf. Deshalb mussten in ganz Bayern neue Abituraufgaben in den Fächern Deutsch, Englisch und Latein gestellt werden. Das bestätigte das Kultusministerium dem Bayerischen Rundfunk.

Prüflinge erhielten Ersatzaufgaben

Die Gymnasien wurden laut Bayerischem Kultusministerium darüber informiert, dass die für solche Fälle vorbereiteten Ersatzaufgaben in den betroffenen Fächern zum Einsatz kommen müssen. Da es sich um zentral gestellte Prüfungsaufgaben handelte, erhielten alle Prüflinge der betroffenen Fächer in Bayern auch dieselben Ersatzaufgaben.

"Die zentralen schriftlichen Abiturprüfungen werden jedes Jahr so vorbereitet, dass diese im Sinne der Prüflinge bayernweit auch dann termingerecht durchgeführt werden, wenn Abiturprüfungsaufgaben nicht mehr verwendet werden können." Lukas Strehle, Sprecher Bayerisches Kultusministerium

Laut dem Bayerischen Kultusministerium werden die zentralen schriftlichen Prüfungsaufgaben bis zur Durchführung der Prüfungen sehr sicher verwahrt, sodass es hier in aller Regel nicht zu Unregelmäßigkeiten kommt.

Davor schon Zugriff auf Online-Netzwerk der Schule gehabt

Einer der angeklagten Schüler soll auch schon vor dem Abituraufgaben-Diebstahl Zugriff auf Prüfungsaufgaben in einem Online-Netzwerk der Schule gehabt haben. Dabei handelte es sich um Daten und Dokumente, die nur zwischen dem Systemadministrator und den Lehrern ausgetauscht wurden.

Diese Daten und Dokumente soll sich der ehemaligen Schüler auf einem USB-Stick gespeichert haben und dann eine Anleitung zur Einrichtung eines externen Zugriffs auf das sogenannte "pädagogische Netzwerk" der Schule entdeckt haben. Somit soll er von zuhause aus auf dieses Netzwerk zugegriffen haben und sich so über Prüfungsaufgaben informieren haben.

Tatwerkzeug im Wald versteckt

Die Ermittler waren im vergangenen Mai einem der drei Abiturienten auf die Schliche gekommen. Er soll bei seiner Vernehmung angegeben haben, dass ihm zwei Mitschüler beim Klau der Abituraufgaben geholfen hätten. Im Juli hatte er dann die Tat zugegeben. Das Tatwerkzeug für den Einbruch in die Schule sowie die gestohlenen Abituraufgaben hätten die drei im Wald versteckt.

Im Dezember vergangenen Jahres erhob die Staatsanwaltschaft Anklage. Der Prozess findet vor dem Jugendschöffengericht in Bamberg statt. Den drei jungen Männern könnte eine Haftstrafe drohen.

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