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Abgewählt oder ausgeschieden: Was kommt nach dem Landtag? | BR24

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Erwin Huber, CSU

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    Abgewählt oder ausgeschieden: Was kommt nach dem Landtag?

    Umzug im Landtag: Neue Abgeordnete kommen, viele müssen ihren Stuhl frei machen, ob gewollt oder nicht - unter ihnen: Erwin Huber, Barbara Stamm oder Ludwig Spaenle. Was kommt für sie nach dem Landtag?

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    Am Tag, an dem die CSU-Fraktion über die Zwischenergebnisse der Koalitionsverhandlungen informiert wurde, war Erwin Huber im Landtag. Das wäre nicht weiter ungewöhnlich, immerhin saß er dort 40 Jahre als Abgeordneter. An diesem Mittwoch geht er nicht in die Fraktionssitzung, der 72-Jährige gehört der neuen CSU-Fraktion nicht mehr an - Huber trat bei der Landtagswahl nicht mehr an. Er ist mit seinen zwei Enkeln im Maximilianeum, zeigt ihnen seine alte Wirkungsstätte, den Plenarsaal, die Fraktionsräume.

    Erwin Huber und der Entzug von der Droge Politik

    Huber, der Politik einmal als Droge bezeichnet hat, hat seinen Entzug gut vorbereitet. Er will Ausdauersport machen, Rennrad im Sommer, Langlauf im Winter. Und er hat sich für ein Philosophiestudium in München eingeschrieben: "Auf diese Art und Weise will ich mich geistig fit halten und in völlig neue Sphären des Denkens hinauf kommen. Also raus aus dem politischen Unterholz in die hellen Sphären des Lichts." Schmunzelnd sagt er das, er scheint mit seinem Rückzug aus der Politik im Reinen zu sein.

    Barbara Stamm: Familie und Schafkopfrunden

    Barbara Stamm ist noch bis zum 5. November Landtagspräsidentin. Sobald sich der neue Landtag konstituiert hat, ist die 73-Jährige raus aus der aktiven Politik. Sie hatte gehofft, über die Liste wieder für die CSU in den Landtag einzuziehen. Die CSU-Fraktion hat wegen ihres schlechten Ergebnisses keinen einzigen Listenkandidaten im Landtag. Ein wenig Wehmut sei dabei, sagt Stamm im BR-Interview: "Aber wenn ich so nach vorne schaue, denke ich, dass alles gut wird."

    Sie freue sich auf Zeit mit der Familie, auf Schafkopfrunden, Reisen, Musik und ihr Ehrenamt als Landesvorsitzende der Lebenshilfe. Wenn sie sagt, dass es bei der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes noch richtig viel Arbeit gebe, dann klingt das nicht so, als würde sie in Ruhestand gehen.

    Franz Schindler: Teil der Erneuerung der SPD

    "Ich bin Teil der Erneuerung der SPD." Das sagt Franz Schindler (62), der nach 28 Jahren im Landtag nicht mehr antrat. Der Schwandorfer wollte Platz machen für Junge. Dabei gibt es in der auf 22 Abgeordnete geschrumpften SPD-Landtagsfraktion gerademal zwei neue Gesichter: Christian Fliesek aus Passau und Michael Busch aus Coburg.

    Martin Güll (fast 65) aus Dachau wäre noch gerne Abgeordneter geblieben, der Bildungsexperte der SPD schaffte es aber nicht mehr in den Landtag. "Vielleicht schreibe ich ein Buch über Bildungspolitik", lacht der Schulrektor. Es überraschte ihn nicht, dass er es nicht mehr schaffte. Er habe das schlechte Wahlergebnis der SPD vorausgesehen. Vor der Berufspolitik war Güll Schulrektor, in den Schuldienst zurück geht er nicht mehr. Wie alle Abgeordneten, die ausscheiden, bekommt er für einige Monate Übergangsgeld. Danach kann er nahtlos in Pension gehen. Auch seine übrigen politischen Ämter in Gemeinderat, Kreistag und als SPD-Kreisvorsitzender will er nach und nach abgeben.

    Auch Johanna Werner-Muggendorfer (68) trat nicht mehr für die SPD an. Jahrelang war die schlagfertige Niederbayerin im Landtag. Ihren Humor wird sie wohl behalten. "Das Schwarze muss weg", sagt sie lachend, bevor sie an ihrer Tasse mit schwarzem Kaffee nippt.

    Ludwig Spaenle: Unfreiwilliges Aus nach 24 Jahren und 20 Tagen

    Unfreiwillig scheidet der Münchner Ludwig Spaenle (57) aus dem Landtag aus. Er verlor in seinem Stimmkreis München-Schwabing sein Direktmandat an den Grünen Christian Hierneis. 24 Jahre und 20 Tage war Spaenle Landtagsabgeordneter, wie das Landtagsamt ausrechnete. Er war Kultusminister und ist aktuell Antisemitismusbeauftragter. Das Thema sei weiterhin wichtig, sagt Spaenle. Und: Es sei ein Einschnitt, nicht mehr im Landtag zu sitzen: "Ich bin nicht soweit, dass ich sage, ich gehe in Rente."

    Ulrike Gote will ins Europaparlament

    Bei den Grünen haben sich einige sehr erfahrene Abgeordnete nicht mehr aufstellen lassen. Die Bayreutherin Ulrike Gote (53) will ins Europaparlament. Der Freisinger Christian Magerl (63) will wieder als Biologe arbeiten und keine Ruhe geben, bis die dritte Start- und Landebahn am Münchner Flughafen endgültig vom Tisch ist. Der Germeringer Sepp Dürr (64) wollte noch mal in den Landtag, vom letzten Listenplatz der Oberbayernliste aus.

    Dürr: Vormittags Acker, nachmittags Enkel

    Als sich im September abzeichnete, wie groß der Hype um die Grünen ist, wurde ihm klar, dass es eng werden könnte. Das klingt paradox. Aber wenn die Direktkandidaten viele Erststimmen bekommen, wird es für Listenkandidaten schwierig, insgesamt mehr Stimmen zu sammeln und in der Liste nach oben zu rutschen. Bitter ist Dürr dennoch nicht.

    Er war vor sechs Jahren schwer an Krebs erkrankt. Das sei ein weitaus größerer Einschnitt gewesen als sein Aus als Berufspolitiker, erzählt er. Seine Pläne für die Zukunft haben das Motto: "Vormittags Acker, nachmittags Enkel". Der Biobauer will seine Zeit mit seiner Familie verbringen. Für Bayern bedauert er, dass die Grünen nicht mitregieren. Der Fraktion tue es aber gut, denn weit mehr als die Hälfte ist neu im Landtag und hat, so formuliert es Dürr, jetzt "fünf Jahre Zeit zum Üben."

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    Autor
    • Eva Lell
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