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Das Logo von Abgeordnetenwatch auf deren Internetseite

Nach dem bayerischen Landtagswahlrecht kreuzt man keine Parteien an, sondern immer Personen. Und über die Menschen, die zur Wahl stehen, informiert die Seite Abgeordnetenwatch. Anders als der bekannte Wahlomat, der auf der Basis von Parteien funktioniert.

"Natürlich hat man vielleicht eine Vorstellung, welcher Partei man besonders nahesteht. Aber genau wenn es um die Menschen geht, gibt es ja doch Leute, denen man eher zutraut, die Interessen des Stimmkreises oder das eigene Herzensthema besonders gut durchzusetzen." Christina Lüdtke, Abgeordnetenwatch

Jeder der rund 1.000 bayerischen Stimmkreiskandidaten hat ein Profil bei Abgeordnetenwatch, das die meisten mit einem Foto und Informationen über sich selbst vervollständigt haben.

Fragen an die Kandidaten möglich

Wähler können leicht die Kandidaten in ihrem Stimmkreis finden und abgleichen, wer sie in Bezug auf eine Auswahl von Themen am besten vertreten würde. Auch den Kandidaten schriftlich Fragen zu stellen, ist möglich.

"Ich versuche bei Abgeordnetenwatch, auch meistens persönlich zu antworten. Das Format ist ein ganz tolles, weil es die Lücke schließt, die die sozialen Medien aufgemacht haben. Dort wird durchaus darauf geachtet, was für eine Frage gestellt wird, ob der Tonfall stimmt, dass man respektvoll miteinander umgeht. Es geht darum, dass man sich wirklich inhaltlich an einen Abgeordneten wendet und wir inhaltlich antworten. Und nicht diese Hetze, wie sie bei Facebook und Co. an der Tagesordnung ist." Ludwig Hartmann, Grüne

Abgeordnetenwatch hilft Politikverdrossenheit zu überwinden

Bei der CSU finden manche Landtagsabgeordnete, die Fragen über Abgeordnetenwatch würden ein bisschen viel Arbeit machen. Carolina Trautner als CSU-Abgeordnete für Augsburg-Land aber hält es für ein gutes, niederschwelliges Angebot. Aus Trautners Sicht kann dadurch Politikverdrossenheit gemildert werden. Sie hat Anfragen zum Flächenfraß von Logistikzentren auf dem Lechfeld beantwortet, zur Verwandtenaffäre im Landtag – aber auch zur Organspendenregelung und zur Rente. Eine bunte Mischung aus lokalen und übergreifenden Themen sei das, sagt sie.

"Ich denke, es ist schon nötig, dass wir uns auch in diesem Medium den Bürgeranfragen stellen. Deswegen bin ich persönlich der Meinung: Ich nehme diese Gelegenheit mit. Aber viele Kollegen ziehen das persönliche Gespräch vor." Carolina Trautner, CSU

Finanziert wird das Projekt Abgeordnetenwatch zum Großteil durch 6.500 Förderer in ganz Deutschland, die monatlich spenden.