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Bildrechte: BR / Doris Bimmer

Das Künstlerhaus Marktoberdorf zeigt die Ausstellung "abgefahren – das Auto in der Kunst". Zu sehen ist unter anderem ein Modell von Andy Warhol aber auch eine Installation, die die Nutzung von Lebensmitteln für Bio-Treibstoffe kritisiert.

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"abgefahren" – die etwas andere Autoausstellung

"abgefahren – das Auto in der Kunst" lautet der Titel der neuen Ausstellung im Künstlerhaus Marktoberdorf. Die Doppeldeutigkeit ist erwünscht. Denn kaum ein Objekt polarisiert so sehr wie das Auto.

Von
Doris BimmerDoris Bimmer

Das Auto, so heißt es oft, ist des Deutschen liebstes Kind. Deutschland ist eine Autonation, zweifelsohne. Dem will die neue Ausstellung ebenso Rechnung tragen wie dem Umstand, dass die Kritik am Auto immer lauter wird. Autos stehen für Flexibilität, Freiheit, Design. Manch einer definiert sich über sein Auto. Gleichzeitig werden sie beschimpft als für die Umwelt und Gesundheit gefährliche Abgasschleudern. Die Ausstellungsmacher begegnen diesem Spagat mit Fotoserien, mit Video- und Objektinstallationen, mit einzigartiger Projektkunst wie den BMW Art Cars.

Modelle der BMW Art Cars im Original

Die echten Autos hätten nicht durch die Tür gepasst, also habe man sich mit den Modellen, den sogenannten Maquetten, begnügen müssen, schmunzelt die Kuratorin und Leiterin des Künstlerhauses, Maya Heckelmann. Fünf solcher Maquetten kann sie in Marktoberdorf präsentieren, unter anderem gestaltet von Andy Warhol und David Hockney. Sie teilen sich den Raum im ersten Obergeschoss mit überwiegend großformatigen Malereien zum Thema: Sven Kroner hat zum Beispiel seine Kindheitserinnerungen an die Urlaubsfahrt nach Italien über den Brenner in einem sehr stimmigen Werk festgehalten, das die Europabrücke im Sonnenuntergang zeigt.

Faszination und Kritik stehen sich gegenüber

Im Erdgeschoss des Künstlerhauses stehen bzw. hängen viele Fotografien, die einerseits wieder die Faszination und den Stolz auf das Produkt "Auto" widerspiegeln, andererseits aber auch subtil den Finger in die Wunde legen. In einer Fotoreihe hat Mark Volk zum Beispiel in der Nähe der Frankfurter Allee in Berlin, der Station mit den höchsten Feinstaub-Messwerten in der Stadt, Autos von unten fotografiert, ihnen quasi "unter den Rock geschaut". Erstaunlich, wie ansprechend aus dieser Perspektive plötzlich verrostete Auspuffanlagen und Katalysatoren werden können! Daneben steht eine Installation von Dana Lürken, die unweigerlich alle Blicke auf sich zieht: Sie nennt sie schlicht "o.T." – die Botschaft dahinter greift umso tiefer.

Aus Altöl wird Kunst

Lürken präsentiert eine festlich geschmückte Tafel, mit strahlend weißen Gedecken, blank polierten Gläsern und Bestecken. Die allerdings umspült sind von 80 Litern giftigem, streng riechendem Altöl. Auch in den Suppentellern, in den Gläsern, schwimmt Altöl. Lürken will damit die Verschwendung von Lebensmitteln wie Mais, Raps und Sonnenblumenöl anprangern, die bei uns als Biokraftstoffe im Tank landen – von denen sich andernorts aber Menschen ernähren könnten: "Diese festlich gedeckte Tafel ist ein Symbol unserer Ersten Welt, damit wir schön weiter dinieren können, wie wir es gewohnt sind."

Autowaschen in HighHeels

Im Untergeschoss müssen sich die Besucher aus anderen Blickwinkeln mit den widersprüchlichen Einstellungen zum Automobil auseinandersetzen. In ihrer Videoinstallation spielt die Schweizer Künstlerin Silvie Fleury entlarvend mit erotischen Konnotationen: Sie stakst, gekleidet in Haute Couture und High Heels, um ältere US-amerikanische Wagen herum – und wäscht die Schlitten. Nicht mehr und nicht weniger. Sie hinterfragt mit einem Augenzwinkern.

Die Ausstellung in Marktoberdorf läuft bis zum 29. August 2021.

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