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Abgase aus Flussschiffen: Passauer Anwohner schlagen Alarm | BR24

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Trotz Klimadebatte boomt das Geschäft mit den Kreuzfahrtschiffen: Die Branche verzeichnet steigende Zuwächse - auch auf Europas Flüssen, namentlich der Donau. Vor allem Passau hat sich dabei zum attraktiven Ziel entwickelt, was nicht jeden freut.

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Abgase aus Flussschiffen: Passauer Anwohner schlagen Alarm

Immer mehr Menschen buchen ihren Traumurlaub auf einem Flussschiff. Die Folge: Eine Schiffslawine, die sich durch Städte wie Regensburg oder Passau wälzt und die Luft mit Abgasen verpestet. Nun wollen sich die Anwohner wehren.

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In Passau landen besonders viele Schiffspassagiere. Zählt man Kreuzfahrttouristen und Ausflügler zusammen, befahren rund 700.000 Gäste hier die Donau. Das sind rund zwanzig Mal so viele wie vor 25 Jahren. Der Passauer Hafen ist eine Art Dreh– und Angelkreuz geworden: In der attraktiven Stadt beginnen und enden viele der Flusstrips - mitten in der Altstadt, wo die meisten Anlegestellen liegen.

Der Schifffahrtsboom spült Geld in die Kasse der 50.000-Einwohner-Kommune. Doch vor allem die Passauer Altstadtbewohner leiden auch unter dem zunehmenden Flusstourismus: Lärmbelastung, Touristen in den Vorgärten und vor allem unter den Schiffsabgasen. "Die Abgase vom Schiff, die ziehen natürlich zu mir rein ins Haus. Es stinkt – und natürlich hat das auch gesundheitliche Folgeschäden für die Anwohner", sagt Simone Hoffmann, Anwohnerin an einer Anlegestelle in Passau.

Steckdose statt Dieselmotor?

Die Dieselmotoren laufen nicht nur, wenn das Schiff Fahrt aufnimmt. Kühlschränke, Klimaanlagen, Lichtanlagen: Kreuzfahrtschiffe sind schwimmende Hotels und verbrauchen immer Strom - auch wenn sie ankern. Entweder sie lassen ihre Dieselmotoren deshalb einfach weiterlaufen oder sie holen sich den Strom aus der Steckdose, wenn die entsprechenden Landstromanlagen vorhanden sind. Der Energieverbrauch der Schiffe ist enorm. "Der Strombedarf eines Schiffes während der Liegezeit entspricht dem Jahresbedarf von einem Einfamilienhaus". berichtet Fritz Wilhelm von den Stadtwerken Passau.

Passau hat diese Anlagen, doch längst reichen die Kapazitäten nicht mehr aus. Es wurde im Frühjahr ordentlich nachgerüstet, damit in Zukunft die Schiffe ihren Strom an der Anlegestelle ziehen können. Aus Rücksicht auf die Anwohner.

Doch für diese kann das höchstens eine Zwischenlösung sein. Schon allein, weil die Schiffe an den Anlegestellen nicht ausreichend kontrolliert werden. Und so stehen immer wieder Schiffe mit laufendem Dieselmotor mitten in der Passauer Altstadt – oft in zweiter Reihe und neben der Steckdose.

Schifffahrt-Abgase werden nicht gemessen

In Bayern sind Abgase aus der Schifffahrt allerdings offiziell noch kein Thema, denn: Offizielle Messstationen in Nähe der Passauer Anlegestellen gibt es keine - und somit auch keine Werte. Eine Situation, die die Einwohner schon lange mit Unbehagen erfüllt, weil sie die gesundheitlichen Folgen fürchten. Jetzt wollen sie sich wehren und schlagen Alarm.

Allen voran der Lehrer und Ökoaktivist Bernd Sluka. Er ist Vorsitzender des VCD, des Verkehrsclub Deutschland in Bayern. Auf eigene Faust hat Sluka direkt an den Anlegestellen in Stichproben Messungen mit einem Feinstaubmessgerät durchgeführt. Darüber hinaus hat er bei betroffenen Bürgern selbstgebaute Messgeräte installiert.

Mit Hilfe der erhobenen Daten will er die Beschwerden der Bürger auf eine objektive Grundlage stellen und die Stadt mit konkreten Fakten konfrontieren, um so eventuell eine Anlegeobergrenze und eine bessere Kontrolle an den Landstromanlagen durchsetzen zu können.

Mehr Chancen für die Anwohner

Und die Chancen stehen inzwischen nicht schlecht, dank eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs im Juni. Künftig müssen bei Luftmessungen alle Messwerte einbezogen werden, auch Spitzenwerte und nicht nur der Tagesdurchschnitt. Ein Urteil, das nicht nur für den Autoverkehr relevant ist, sondern auch für den Schiffsverkehr Die Passauer jedenfalls sammeln ihre Daten, um sich bei der Stadt endlich Gehör zu verschaffen.

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Die Donau gilt als der am stärksten von Kabinenschiffen frequentierte Fluss. Weltweit. Ein touristischer Boom, der für die Anwohner immer mehr zum Problem wird. Sie leiden nicht nur unter der Lärmbelastung und den Touristen in den Vorgärten.