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Abflauende Konjunktur: Autozulieferer in der Krise? | BR24

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Ortsschild Konjunktur mit Abwärtspfeil, Fotomontage

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Abflauende Konjunktur: Autozulieferer in der Krise?

Die Industrie ist auf Talfahrt, nicht unverschont bleiben davon die Automobilzulieferer in Franken. Schuld daran ist eine schwächelnde Weltkonjunktur und die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von Exporten.

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Die Firmenchefs gehen längst nicht mehr von einer vorübergehenden Konjunkturdelle aus. Denn die Automobilindustrie und damit die Zulieferer hat mit der möglichen Abkehr vom Verbrennungsmotor sowie Marktproblemen in China, Indien und den USA eine saftige Strukturkrise ereilt. Und zwar viel schneller, als einige Konzernlenker erwartet hatten.

Schaeffler und ZF: Brückentag wird fürs Sparen genutzt

Die Automobilzulieferer Schaeffler und ZF haben am Standort Schweinfurt mit rund 2.000 der insgesamt rund 6.300 Mitarbeiter am heutigen Freitag und zum Teil morgen vereinbart, dass sie zuhause bleiben. Der Grund sind Umsatzrückgänge. Schaeffler musste konzernweit im ersten halben Jahr einen Gewinnrückgang von 30 Prozent verkraften.

Das Schaeffler-Werk in Herzogenaurach sieht bisher noch keine Notwendigkeit für drastische Maßnahmen, will aber dennoch kürzer treten. So sollen etwa nach Brückentagen in der zweiten Jahreshälfte die Bänder still stehen. Im März hatte das Unternehmen bereits einen Abbau von 700 Stellen in Deutschland und 200 im europäischen Ausland bekanntgegeben sowie vier Standorte auf den Prüfstand gestellt.

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Die Automobilzulieferer Schaeffler und ZF am Standort Schweinfurt haben mit einem Teil ihrer Mitarbeiter vereinbart, dass sie am Freitag und Samstag zuhause bleiben. Der Grund sind Umsatzrückgänge. Die Autoindustrie schwächelt.

Kurzarbeit bei Rehau, „Kapazitätsanpassungen“ bei Brose

Der fränkische Kunststoff-Hersteller Rehau hat Kurzarbeit in einigen Bereichen angemeldet. Nach BR-Informationen sind in den Werken in Feuchtwangen rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen - das ist mehr als ein Drittel der Belegschaft. Auch im Werkzeug-Bau am Stammsitz in Rehau müssen 50 Beschäftigte kürzer treten. Wann der Konzern wieder zu den regulären Arbeitszeiten übergehen wird, konnte ein Sprecher nicht sagen. Grund für die Maßnahme ist der Rückgang der Aufträge vor allem aus der Autoindustrie.

Brose musste ebenfalls Federn lassen und will mit „Kapazitätsanpassungen“ reagieren. Man habe ein Programm zur Kostensenkung gestartet. Im ersten Quartal 2019 lagen die Umsätze um fünf Prozent unter dem Vorjahr. Langfristig sieht Brose allerdings in den neuen Mobilitätstrends mehr Chancen als Risiken und will in neue Technologien kräftig investieren - mit 1,5 Milliarden Euro in den nächsten drei Jahren immerhin rund ein Viertel eines Jahresumsatzes.

Leoni in den roten Zahlen

Auch der im SDax notierte Nürnberger Zulieferer Leoni ist wohl einer der bisher am stärksten Betroffenen der Branche in Deutschland. Firmenchef Aldo Kamper musste sich zuletzt schon gegen Untergangsszenarien wehren. „Wir brauchen keinen Arzt und keinen Pfarrer“, sagte der Niederländer. Stattdessen setzt er trotz der anhaltenden Krise auf die Selbstheilungskräfte des Unternehmens. Während die meisten Firmen der Branche zwar Einbußen wegstecken, aber immer noch gut über der Nulllinie wirtschaften, steckt der Kabel- und Bordnetzexperte bereits tief in den roten Zahlen. Im ersten Halbjahr liefen unter dem Strich 176 Millionen Euro Verlust auf.

Aiwanger denkt über Personalverlagerung in andere Branchen nach

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) sorgt sich um die bayerische Autoindustrie mit ihren 208 000 Beschäftigten und 106 Milliarden Euro Jahresumsatz. „Wenn das Automobil wegbricht, können wir hier das Licht ausschalten“, so Aiwanger.

Wenn jetzt der ein oder andere Autozulieferer Personal abbaue, müssten die Mitarbeiter in Branchen untergebracht werden, die Fachkräfte suchen. In der Gastronomie und im Handwerk zum Beispiel werde noch Personal gesucht. Vielleicht müssten auch die Kurzarbeitspläne aus der Zeit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 aus den Schubladen geholt werde, sagte der Minister. Wenn Aufträge ausblieben, könnten Unternehmen Personal aber nicht unverändert halten, weil sie sonst rasch nicht mehr wettbewerbsfähig wären. Transformation müsse angenommen und gestaltet werden.

DIW sagt sinkende Auftragslage voraus

Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) verzeichnete bereits im Juli einen Abwärtstrend, auf nunmehr nur noch 90 Punkte – den tiefsten Stand seit gut sechseinhalb Jahren. Für das laufende dritte Quartal prognostizierte das DIW ein Rückgang der hiesigen Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent.

Das Konjunkturbarometer spiegelt damit wider, dass sich die Flaute in der Industrie zusehends festsetzt und mittlerweile gar auf die gesamte deutsche Wirtschaft ausstrahlt, so das DIW. „Die Auftragslage verschlechtert sich, die Verbraucherinnen und Verbraucher werden skeptischer und selbst der bislang so robuste Arbeitsmarkt verliert an Fahrt – keine guten Aussichten für das laufende Quartal“, sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen.

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Internationale Handelskonflikte und die Abkühlung der Weltkonjunktur haben die exportorientierte deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal ausgebremst. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal.